Waiblingen

Nach Katastrophenjahr für Kino-Unternehmer Lochmann und seine Traumpaläste: Wird es 2021 wieder ein Autokino in Waiblingen geben?

Autokino
Das Autokino bei der Waiblinger Rundsporthalle startete erst in der zweiten Junihälfte. Wegen des späten Beginns lief deshalb das Geschäft nicht so gut wie beim Autokino in Schorndorf. © Alexandra Palmizi

Das Kinojahr 2020 war für die Branche ein Seuchenjahr – und da bilden auch die Traumpalast-Kinos der Lochmann-Filmtheaterbetriebe in Waiblingen oder Schorndorf keine Ausnahme. Trotzdem stellt sich eine Frage: Warum gibt es seit der allgemeinen Schließung der Kinos Ende Oktober 2020 als Alternative nicht wenigstens ein Autokino in Waiblingen? Ist etwa geplant, nach dem harten Lockdown im Januar oder Februar 2021 wieder eines anzubieten?

„Da war fast jede Vorstellung ausverkauft“

Vom 19. Juni bis 5. Juli 2020 gab es schon mal eines an der Waiblinger Rundsporthalle, betrieben hatten es die städtische WTM-GmbH und die Lochmann-Filmtheaterbetriebe. Letztere hatten bereits im Mai in Schorndorf auf dem ehemaligen Gartenschau-Parkplatz an der Gottlob-Bauknecht-Straße ein Autokino unterhalten. „Da war fast jede Vorstellung ausverkauft“, erinnert sich Marius Lochmann, der Sohn von Firmengründer Heinz Lochmann.

„Wir müssten die Autos dann alle heizen“

Als in Waiblingen die Autokinosaison begann, lief das Geschäft längst nicht mehr so gut – schließlich war Sommer und die Corona-Lockerungen erlaubten den Menschen viele andere Freizeitaktivitäten. Jetzt im Winter wäre die Nachfrage natürlich größer – doch Marius Lochmann und sein Vater entscheiden sich vorerst dagegen. Der Sohn begründet dies im Gespräch mit unserer Zeitung mit dem Umweltschutz. „Wir müssten die Autos dann alle heizen.“

Das große Geschäft wird mit Autokinos nicht gemacht

Wenn dann aber alle Fahrzeuge mit laufendem Motor in der Vorstellung stünden, nur um so genug Wärme in der Fahrzeugkabine zu haben, ist das für den Jungunternehmer eine schlechte Alternative. Marius Lochmann kann sich ein Autokino im Winter nur mit sogenannten Heizstäben vorstellen, die im Autokino ausgeteilt werden. Nur: Das große Geschäft wird mit den Autokinos nicht gemacht.

Konkurrenz mit Streamingdiensten und DVDs

Ein Grund dafür ist, dass die Filmverleiher die aktuellen Blockbuster nicht nur für die Autokinos auf den Markt bringen werden. Das heißt, dass die Autokinos auf etwas ältere Filme zugreifen müssen, bei denen sie wiederum mit den Streamingdiensten oder den DVD-Veröffentlichungen konkurrieren. Das bedeutet nicht, dass die Lochmann-Filmtheaterbetriebe prinzipiell kein Autokino mehr in Waiblingen anbieten. Nur will Marius Lochmann jetzt keinen Zeitpunkt nennen, darum bleibt er in seiner Formulierung vage: „Wir haben es auf dem Schirm.“

Kurzarbeit angemeldet und staatliche Hilfe beantragt

Ohnehin gibt es im Unternehmen jetzt wegen Corona noch andere Herausforderungen. Die Lochmann Filmtheaterbetriebe haben schon lange Kurzarbeit beantragt – und seit dem Teil-Lockdown im November 2020 auch staatliche Hilfen. Prinzipiell findet es Marius Lochmann gut, dass Deutschland den Firmen eine großzügige Unterstützung zusagt – allerdings wissen sein Vater und er nicht, wann das Geld nun tatsächlich ausgezahlt wird. Auch für die Mitarbeiter der Lochmann Filmtheaterbetriebe wäre das wichtig: Immerhin gibt es in dem schwäbischen Familienunternehmen 500 Arbeitsplätze. „Wir können gar nichts machen – außer hoffen.“

Januar und Februar 2020 liefen noch gut

Als großes Glück bezeichnet es Marius Lochmann, dass 2019 ein außergewöhnlich gutes Jahr für die Firma war. Auch der Januar und Februar 2020 seien noch äußerst zufriedenstellend gewesen. „Wir sind gut gestartet.“ Dann kam im März 2020 der erste Lockdown – und die Kinos mussten schließen. Als sie im Frühsommer wieder öffnen durften, blieben die Traumpaläste trotzdem zu. Lochmanns wollten erst mal abwarten, wie in der Branche die Hygienevorgaben umgesetzt werden. Als sie dann Ende August wieder den Betrieb starteten, gab es viel Lob für das Konzept. Mehr als 10 000 Euro hatten Lochmanns investiert.

Das Geschäft war trotzdem erst mal durchwachsen. Schließlich ist die warme Jahreszeit generell die schlechteste Zeit für Kinos. Die großen Blockbuster kommen in der Regel erst dann, wenn es kalt wird.

Traumpalast-Kinos waren 2020 nur viereinhalb Monate geöffnet

Die Kinos mussten wegen des Teil-Lockdowns im November bereits Ende Oktober schließen. Lediglich Autokinos waren danach noch erlaubt. Mittlerweile müssen aber auch diese geschlossen haben. Von 366 theoretisch möglichen Kinotagen in diesem Jahr (2020 ist ein Schaltjahr) waren die Traumpaläste nur an rund 135 Tagen geöffnet. Das sind gerade mal viereinhalb Monate.

Dazu kommt, dass bei der zwischenzeitlichen Wiedereröffnung von Ende August an die Kinos wegen Corona nicht voll besetzt sein durften. Maximal 40 Prozent Auslastung, sagt Marius Lochmann, seien erlaubt gewesen. „Wir konnten kein wirklich wirtschaftliches Kino betreiben.“

Erster und zweiter Weihnachtsfeiertag sind die stärksten Tage im Jahr

Dass gerade jetzt an Weihnachten kein Kinobesuch erlaubt ist, trifft die Branche besonders hart. „Der erste und zweite Weihnachtsfeiertag sind die stärksten Tage im Jahr“, weiß Marius Lochmann. Die vielen Kooperationsangebote des Traumpalasts in Waiblingen wie etwa das Kommunale Kino oder der Kinotreff 50plus müssen wegen der Pandemie sowieso ruhen. „Wir haben alles stillgelegt.“

Froh ist der Unternehmer, dass es treue Kunden gibt, die den Traumpalast durch den Kauf von Gutscheinen unterstützen. Das ist nach wie vor jederzeit online möglich. „Das ist das, was Kraft gibt und antreibt.“

Das Kinojahr 2020 war für die Branche ein Seuchenjahr – und da bilden auch die Traumpalast-Kinos der Lochmann-Filmtheaterbetriebe in Waiblingen oder Schorndorf keine Ausnahme. Trotzdem stellt sich eine Frage: Warum gibt es seit der allgemeinen Schließung der Kinos Ende Oktober 2020 als Alternative nicht wenigstens ein Autokino in Waiblingen? Ist etwa geplant, nach dem harten Lockdown im Januar oder Februar 2021 wieder eines anzubieten?

„Da war fast jede Vorstellung

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