Waiblingen

Nach Rieseninvestitionen in die Edelgastronomie: Wie Immobilien-Unternehmer Harald Panzer zur Waiblinger Tafel kam

Panzer
Es gibt zu viele Schwätzer, findet Harald Panzer. © Benjamin Büttner

Zuletzt hat der Fellbacher Immobilien-Unternehmer Harald Panzer vor allem mit Rieseninvestitionen in der Edelgastronomie in ganz Deutschland von sich reden gemacht. Sein aktuelles Projekt wird indes kein Gourmettempel: Mit 70 000 Euro sponsert er den Umbau des Tafelladens nach dessen coronabedingtem Umzug ins Ameisenbühl.

Schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Euro hat Harald Panzer unter anderem in die Alte Post in Schmiden, das In-Lokal Yosh in Stuttgart, das Genusshotel Schwarzer Adler im Tannheimer Tal, das Hotel Villa Hirzel in Schwäbisch Gmünd und das Weinhaus Schachner auf Sylt investiert. Auch in Waiblingen will er nach dem Hotel Bachofer einen zweiten Genusstempel einrichten: Im alten Apothekerhaus am Marktplatz 9, einem der ältesten Häuser der Altstadt, ist ein Sushi-Lokal ebenfalls unter der Regie des Sternekochs Bernd Bachofer geplant.

Bei der Stadt stießen die Pläne nicht auf Begeisterung

So weit die Neuigkeiten aus der funkelnden Gastrowelt von Harald Panzer. Doch nun ziehen die Restaurantpläne am Marktplatz Ausgaben ganz anderer Art nach sich. Ursprünglich hatte Panzer im Apothekerhaus eine Suppenküche für Bedürftige einrichten wollen. Alte Menschen, die in der Talaue Flaschen sammeln: Dieses traurige Bild war für ihn die Initialzündung für das, was am Marktplatz 9 zunächst entstehen sollte. „Wir wollen in dem alten Haus eine Tafel für bedürftige Leute einrichten“, hatte Harald Panzer vor zwei Jahren angekündigt. Mit seinen Plänen war er bei der Stadt allerdings auf wenig Begeisterung gestoßen. Für eine soziale Einrichtung wie eine Suppenküche seien andere Standorte besser geeignet, hatte Stadtmarketing-Chef und Wirtschaftsförderer Marc Funk abgewunken. Viel eher biete sich am Marktplatz Gastronomie oder Einzelhandel an. Harald Panzer, der Realist, zeigte sich einsichtig, wollte die Pläne aber nicht ganz fallenlassen – auch, weil er sie via Zeitung bereits öffentlich gemacht hatte. Schwätzer gebe es genug, findet der Gründer und Geschäftsführer von Wohninvest. Er selbst habe aber immer Wort gehalten. Sein Credo: „Wenn das nicht klappt, habe ich was anderes zu liefern.“

Der Tafelladen kann in die Fronackerstraße nicht zurück

Das hat er nun auch getan. Und zwar im Tafelladen, der während der Corona-Krise in der Fronackerstraße in Bedrängnis gekommen ist. „Wir mussten raus wegen der Hygieneregelungen und Abstandsgebote“, erklärt Tafel-Vorstandsvorsitzende Erika Severin. Vor allem der Vorbereitungsraum, in dem die gespendeten Lebensmittel für den Verkauf sortiert und vorbereitet werden, war viel zu klein, um die geforderten Abstände einhalten zu können. Doch 80 Prozent der Mitarbeiter seien 65 Jahre alt oder älter und gehörten deshalb zur Risikogruppe. „Wir haben anfangs noch versucht, fertig gepackte Tüten zu verkaufen, aber dann mussten wir schließen“, sagt Erika Severin. Ende März wurde der Verkauf in die Staufer-Schulturnhalle verlegt. Das Vorbereitungsteam blieb in der Fronackerstraße. Dort war irgendwann klar: Für den Tafelladen gibt es kein Zurück.

Das Gebrauchtwarenhaus hat im Oktober dichtgemacht

„Aus dem Vorstand kam der Vorschlag, in die Räume der Waiblinger Dienste zu ziehen“, erinnert sich Erika Severin. Diese hatten im Oktober ihr Gebrauchtwarenhaus im Ameisenbühl aufgegeben. Über Wirtschaftsförderer Marc Funk nahm der Tafel-Vorstand Kontakt mit dem Vermieter auf - es passte. Klar war aber auch, dass der Umbau des 340 Quadratmeter großen Gebäudes teuer werden würde – und für den Verein ein Kraftakt. Doch dann kam das, was den Tafelladen-Macherinnen noch immer unglaublich vorkommen mag. Auf Vermittlung von Funk lernten sie Harald Panzer kennen, der sich bekanntlich in diesem Bereich engagieren wollte. Er habe einfach gefragt, wie viel Geld sie bräuchten, erzählt Erika Severin. Nur zögernd und ziemlich leise habe sie die Summe genannt. „Er war sofort einverstanden.“

Mit den gespendeten 70 000 Euro soll nun eine Außentreppe als Notausgang angelegt werden. Ein Aufzug von der Garage ins Hochparterre wird eingebaut, damit die Helfer, die die Lebensmittel in den Märkten abholen, sie nicht die Treppe hochtragen müssen. Wände müssen raus, ein Kühlhaus rein, auch der Brandschutz muss berücksichtigt werden. All das, ohne dass die Tafelladen-Macher schlaflose Nächte haben. „Wir sind im Glückstaumel“, strahlt Tafelladen-Geschäftsführerin Petra Off. Selbst eine Ameise, so eine Art Mini-Gabelstapler, mit dem die Kisten im Lager in die Regale gehievt werden können, ist jetzt drin. „Das können wir uns aus unserem eigenen Topf leisten“, erklärt Erika Severin.

Noch läuft der Verkauf der gespendeten Lebensmittel in der Schulturnhalle. In der ersten Septemberwoche ist damit Schluss. Bis Oktober, hoffen die Frauen optimistisch, sollen die Umbaumaßnahmen im neuen Gebäude abgeschlossen sein. Geht alles nach Plan, werden Ende August die Regale in der Fronackerstraße abgebaut und im Ameisenbühl wieder aufgebaut und ergänzt. Bis zur Neueröffnung soll im Laden in der Fronackerstraße ein Provisorium aufrechterhalten werden.

Noch immer können die Frauen ihr Glück kaum glauben. In der Zeitung habe sie damals von den Suppenküchen-Plänen gelesen, erinnert sich Petra Off. Damals habe sie gedacht, da muss man doch mit uns sprechen, eine Zusammenarbeit wäre schön. „Jetzt hat es sich alles ganz anders entwickelt“, sagt sie strahlend. „Es ist Stress, aber wir sind so happy.“ Und: „Es ist fast unheimlich, wie viel Glück wir haben.“

Zuletzt hat der Fellbacher Immobilien-Unternehmer Harald Panzer vor allem mit Rieseninvestitionen in der Edelgastronomie in ganz Deutschland von sich reden gemacht. Sein aktuelles Projekt wird indes kein Gourmettempel: Mit 70 000 Euro sponsert er den Umbau des Tafelladens nach dessen coronabedingtem Umzug ins Ameisenbühl.

Schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Euro hat Harald Panzer unter anderem in die Alte Post in Schmiden, das In-Lokal Yosh in Stuttgart, das Genusshotel Schwarzer

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