Waiblingen

Nach Unfall: Erste Hilfe ist Pflicht

Erste Hilfe_0
Das Bild entstand Ende Oktober bei einem Erste-Hilfe-Kurs des Roten Kreuzes. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Ein Auto überschlägt sich, bleibt auf der Seite liegen, der Fahrer steckt verletzt fest. Mitmenschen halten an, sichern die Unfallstelle ab, befreien den Verunglückten, leisten Erste Hilfe: So geschehen diese Woche in Berglen. Die Polizei lobt ausdrücklich solch vorbildliches Verhalten. Das hat einen Grund: Meistens läuft es anders.

„Lobenswert ist das Verhalten der Ersthelfer vor Ort zu erwähnen, die vorbildlich reagierten“ – solche Sätze kommen eher selten in einer Pressemeldung der Polizei vor. Auf der Landesstraße zwischen Hößlinswart und Berglen-Steinach war am Mittwochnachmittag dieser Woche ein 21-Jähriger mit seinem Wagen in eine matschige Spurrinne geraten. Das Auto krachte in die Leitplanke. Als Rettungskräfte eintrafen, hatten sich Ersthelfer bereits um den jungen Fahrer gekümmert und alles Nötige veranlasst.

"Der Notruf kommt sehr häufig spät"

Das ist nicht der Regelfall. „Sehr häufig“ unternehmen Beobachter eines Unfalls oder Vorbeifahrende schlicht – nichts. Diese Erfahrung machen Helfer vom Roten Kreuz nicht selten, erzählt Markus Frey, Kreisausbildungsleiter beim Roten Kreuz Rems-Murr: „Man merkt dann, sie haben einfach nicht weitergewusst.“ Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, oder wegen eines Schocks verharren sie in Untätigkeit, während wertvolle Minuten verrinnen. „Der Notruf kommt sehr häufig spät“, so Markus Frey: „Man wundert sich dann, warum eine gewisse Zeit niemand reagiert hat.“

Stabile Seitenlage sollte jeder kennen

„Gar nichts machen“, das ist die schlechteste aller Alternativen, mahnt der Ausbildungsleiter. Den Begriff „stabile Seitenlage“ dürfte jeder kennen, und diese einfache Maßnahme kann Leben retten. Ein Unfallopfer könnte an Erbrochenem oder an Blut ersticken. Die Seitenlage stellt sicher, dass die Atemwege frei sind.

In den Anweisungen des Roten Kreuzes zur stabilen Seitenlage heißt es unter anderem:

Das oben liegende Bein so ausrichten, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt

Kopf nach hinten neigen, damit die Atemwege frei werden

Mund des Betroffenen leicht öffnen

Die an der Wange liegende Hand so ausrichten, dass Atemwege frei bleiben

Sobald der Betroffene sicher auf der Seite liegt und nicht umkippen kann, sollte man ihn mit einer Rettungsdecke abdecken und nicht aus den Augen lassen.

Mit voller Kraft in die Mitte des Brustkorbs drücken

Das alles gilt nur, wenn das Unfallopfer atmet. Bei Herz-Kreislauf-Stillstand ist eine Herzdruckmassage nötig – denn in diesem Fall „sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit jede Minute um zehn Prozent“, so Markus Frey.

Wer vor 30 Jahren zuletzt einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, wird sich eine Reanimation nicht zutrauen. Trotzdem. Den Brustkorb des Opfers freimachen, in der Mitte des Brustkorbs mit beiden Händen und „mit voller Kraft“ fünf bis sechs Zentimeter tief drücken – so geht das. Kann sein, dass dabei Rippen brechen. Das macht nun wirklich nichts, wenn’s ums Überleben geht. Im Idealfall setzt ein Ersthelfer die Druckmassage abwechselnd mit der Beatmung ein.

Verpflichtende Auffrischungskurse sinnvoll

Herzdruckmassage und stabile Seitenlage sind die wesentlichen Inhalte eines Erste-Hilfe-Kurses. Zwar schreibt kein Gesetz vor, dass Führerscheinbesitzer ihre Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig auffrischen müssten. Markus Frey hielte verpflichtende Auffrischungskurse aber für sinnvoll, „sonst fehlt einem die Sicherheit“.

Unterlassene Hilfeleistung: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr

Im Abschnitt „Gemeingefährliche Straftaten“ handelt das Strafgesetzbuch die unterlassene Hilfeleistung ab: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“


Laufend gibt’s Kurse

Der DRK-Kreisverband Rems-Murr und die Ortsvereine bieten jede Menge verschiedene Kurse an: Erste-Hilfe- Grundkurs und -Fortbildung, Erste Hilfe am Kind, Schnupperkurse für Kinder, Erste Hilfe für Reiter, Biker und vieles mehr.

Eine Kursübersicht ist zu finden auf www.drk-rems-murr.de. Wer die Kurse der Ortsvereine sucht, wird auf dieser Seite ebenfalls fündig.