Waiblingen

Nach Unfall: Sanitäter schubst einen Fotografen weg

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Nach dem schweren Unfall am Montag zwischen Neckarrems und Hohenacker hat ein freiberuflich tätiger Pressefotograf aus Marbach Vorwürfe gegen einen Sanitäter erhoben: Der Sanitäter habe ihn angegriffen und geschubst, so der Fotograf, der durch den Vorfall die Pressefreiheit eingeschränkt sah.

Beschuldigt wird ein Sanitäter des Rettungsdienstes „Ambulanzengel“, der bei diesem Unfall vor Ort war. Es handelt sich um einen erfahrenen Sanitäter, der auch für die Ausbildung des Nachwuchses zuständig ist. Rettungswachleiter Sascha Wienands war zwar selbst nicht dabei, hat aber mit dem betreffenden Sanitäter über den Vorfall gesprochen: Dieser habe eingeräumt, den Fotografen geschubst zu haben – weil dieser trotz Aufforderung nicht zur Seite gegangen sei. Unklar sei, ob der Fotograf die Aufforderung schlicht nicht gehört habe oder aus anderen Gründen den Sanitäter nicht vorbeigelassen habe. Wachleiter Wienands beschreibt seinen Kollegen als routiniert. „Normalerweise ist das nicht seine Art.“

Grundlegende Fragen

Naturgemäß werden die Kontrahenten in Fällen wie diesem die Dinge verschieden wahrnehmen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf grundlegende Fragen, die in jüngerer Zeit häufig diskutiert werden. Übereinstimmend berichten Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr, dass sie oftmals von Gaffern in ihrer Arbeit behindert würden. Jeder hat heute ein Handy in der Tasche, und viele Menschen zögern offenbar nicht, an einem Unfallort die Kamera einzuschalten. Einige rücken ungeniert so weit vor wie nur irgend möglich – und halten drauf. Rücksichtslos. Sie nehmen in Kauf, dass Sanitäter und andere Einsatzkräfte in ihrer Arbeit behindert werden. „Das ist mehr geworden. Das ist sehr störend an den Einsatzstellen“, berichtet Sascha Wienands.

Arbeit eines Pressefotografen wird diskutiert

Er stellt Pressefotografen nicht mit dieser Art Gaffern gleich – das würde der Sache nicht gerecht. Doch wie ein Pressefotograf arbeitet, wie nah er ans Geschehen herangeht, welche Art Bilder er fertigt – das ist ein Thema, das auch innerhalb des Berufsstandes selbst heiß diskutiert wird. Ebenso die Frage: Welche Bilder sind veröffentlichbar – und ist es vertretbar, nach einem Unfall eine Vielzahl von Fotos online zu stellen?

Auch in den Ausgaben des Zeitungsverlages Waiblingen und auf dessen Internetseite sind eine Vielzahl von Unfallfotos veröffentlicht. Das Interesse der Leserschaft ist groß. Und einige Stimmen, auch innerhalb der Polizei, halten das für die richtige Vorgehensweise – weil es der Vorbeugung dienen kann und es zur Aufklärung über Unfallrisiken beitrage.

Aus aktuellem Anlass: Bei dem Fotografen handelt es sich weder um einen Mitarbeiter des Zeitungverlages Waiblingen noch um einen festen Freien Fotografen unseren Hauses, Benjamin Beytekin.