Waiblingen

Naturschutzbund gibt Fröschen neues Zuhause

Tümpel
Sie leisten einen Beitrag zum Schutz der heimischen Amphibien: Günter Schaub (links) und Dr. Hermann Spiess vom Weinstädter Naturschutzbund haben sich für ein neues Feuchtbiotop im Gundelsbacher Wald starkgemacht. Sie hoffen, dass in dem Tümpel schon nächstes Jahr Frösche laichen. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Gundelsbach. Ihre Lebensräume werden zerstört, dazu machen ihnen Schadstoffe in Gewässern und ausgesetzte Aquarienfische das Leben schwer: Amphibien wie Frösche und Kröten sind zunehmend gefährdet. Der Nabu Weinstadt tut nun noch mehr für den Schutz der Tiere als bisher – und hat bei Gundelsbach neue Laichgewässer angelegt.

Video: Das neue Zuhause der Gundelsbacher Frösche

Der Wald am Ende des Gundelsbacher Tals ist ein Naturidyll. Vögel zwitschern, Wasser plätschert, kein Autolärm weit und breit. „Hören Sie? Die Singdrossel und die Misteldrossel singen“, sagt Hermann Spiess, der Vorsitzende des Weinstädter Naturschutzbundes (Nabu). Er ist heute mit seinem Nabu-Kollegen Günter Schaub hier wegen der beiden neuen Tümpel, die auf Initiative der Weinstädter Naturschützer angelegt wurden. Sie liegen am Rand des Forstwegs, ganz in der Nähe des Bachs.

„Die Natur macht das schon“

Ein Bagger hat alles ausgegraben, gekümmert hat sich darum die Stadtverwaltung. Noch ist rund um die Teiche alles ganz kahl, aber das wird sich bald ändern – und zwar von selbst. „Die Natur macht das schon“, sagt Hermann Spiess. In knapp einem Jahr hat der Nabu dann sein Ziel erreicht – wenn im März die erste Generation von Fröschen und Kröten zum Laichen kommt.

Wer den Amphibienschutz ernst meint, der muss Laichgewässer schaffen. Nur so können Naturschützer das Ziel erreichen, dass die Zahl der Kröten und Frösche langfristig wieder zunimmt. Denn Amphibien sind weltweit gefährdet – und die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen zerstören Menschen die Lebensräume der Tiere, zum anderen werden Gewässer immer mehr belastet. Sie übersäuern, werden durch Schadstoffe verunreinigt. Dazu kommen die Besitzer von Schildkröten, Gartenteich- und Aquarienfischen, die ihre Tiere gerne mal in Tümpeln aussetzen – wo diese dann die Amphibien-Eier auffressen. Der Weinstädter Nabu hat deshalb schon vor Jahren im Schachen bei Strümpfelbach einen Tümpel angelegt. In Baach betreut der Weinstädter BUND ein Feuchtbiotop. Und im Gundelsbacher Tal hat die Nabu-Jugend schon vor einiger Zeit mit Hilfe von Teichfolie einen Tümpel angelegt, der allerdings ein Problem aufweist: Er versandet schnell – und außerdem liegt er in einem schattigen Waldstück.

Viel Sonne für mehr Amphibien

Darum hat der Nabu nun ganz in der Nähe, auf einer sumpfigen Waldlichtung, einen neuen großen Tümpel angelegt, dazu noch einen zweiten kleineren Teich, der etwas oberhalb liegt. Dieser dient der Vernetzung der Laichgewässer untereinander. Da die beiden neuen Teiche viel Sonne abbekommen, erhöht sich auch der Fortpflanzungserfolg der Amphibien. Der neue große Teich ist maximal 1,20 Meter tief und kommt dank des Lehmbodens ohne Teichfolie aus, an der Seite fließt zudem Quellwasser zu – allerdings nicht zu schnell. Denn eine zu hohe Fließgeschwindigkeit ist für die Vermehrung von Amphibien kontraproduktiv. „Da würde der Laich nicht hängen bleiben, weil es ihn wegspült“, erläutert Hermann Spiess. Nun hoffen er und Günter Schaub, dass sich in dem Teich bald Grasfrösche, Springfrösche, Erdkröten, Molche und Feuersalamander ausbreiten. Vielleicht auch Gelbbauchunken und Ringelnattern. Die Umgebung ist für Hermann Spiess übrigens auch aus botanischer Sicht höchst attraktiv: Dort hat er laut eigenem Bekunden immerhin mehr als 500 verschiedene Pflanzen nachgewiesen.

Bedarf an weiteren Biotopen in Weinstadt sieht der Nabu durchaus. Mit Blick auf die interkommunale Gartenschau 2019 würden es Hermann Spiess und Günter Schaub gut finden, wenn der geplante Bürgerpark zwischen Beutelsbach und Endersbach auch ein Feuchtbiotop aufweist. Den Schweizerbach würden sie zudem renaturieren. Sprich: Er würde dann nicht mehr gerade fließen, sondern mäandern. All das, sagt Hermann Spiess, sei gar nicht so teuer. Zumindest im Prinzip.

Die Kosten für solche Projekte schnellen seiner Erfahrung nach immer dann in die Höhe, wenn irgendwelche Landschaftsarchitekten herangezogen werden. „Die wollen dann irgendwas modellieren, was nicht sein muss.“ Im Grunde reicht ein Bagger, der ein Loch ausbuddelt, dazu bei Bedarf etwas Teichfolie – und den Rest richtet die Natur.

Nicht nur für Kröten

Der Weinstädter Nabu engagiert sich natürlich nicht nur für heimische Amphibien, sondern zum Beispiel auch für Vögel. Rund 300 Nistkästen unterhält er in Weinstadt, die alle nummeriert sind. Manchmal allerdings überwintert in so einem Nistkasten gar kein Vogel, sondern auch mal ein Tier wie der Siebenschläfer.