Waiblingen

Neue Vorwürfe gegen Bernd Fickler

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Bernd Fickler. © Leonie Kuhn
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Kreissparkasse
Der Hauptsitz der Kreissparkasse am Alten Postplatz in Waiblingen. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Der Fall Fickler, der jähe Abgang des Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, ist nicht ausgestanden. Neue Vorwürfe wurden bekannt. Der Verwaltungsrat fühlt sich getäuscht, was die Pensionsregelung in Ficklers Vertrag angeht. Und Fickler soll zwei Personalräte extra bezahlt haben.

Nein, es geht nicht mehr nur darum, dass Bernd Fickler einen Repräsentationsstil pflegte, der sich in der Sparkassenfamilie nicht schickt. Dort hat man darauf zu achten, dass nicht nur der Schein einer öffentlich-rechtlichen Anstalt gewahrt bleibt. Der vormalige Waiblinger Sparkassen-Vorsitzende Albert Häberle hatte im Moment der größten Vertrauenskrise der Bankenwelt, nach dem Crash 2008, zu gern von sich als dem „Sparkässler“ gesprochen. Soll heißen: Sparkassenmann, auch wenn du der oberste bist, bleib auf dem Boden. Und zieh nicht, wie Fickler es getan hat, mit deinem Büro in die rundumverglaste Kanzel am Alten Postplatz.

Fickler hat zwei Personalräte extra bezahlt

Nein, darum geht es jetzt nicht mehr bei der Aufarbeitung der Fickler-Ära wie jüngst während der Klausur des Verwaltungsrats, des Aufsichtsgremiums. Der Sparkasse, und damit auch dem Träger, dem Landkreis, droht anderes. Es musste der Bankenaufsicht Bafin gemeldet werden, dass Fickler zwei Personalräte extra bezahlt hat. Das muss den Anschein erwecken, als sollten diese Ficklers Kurs des Sparens und Aussiebens der Mitarbeiterschaft aktiv mitgehen. Die Rede ist von bis zu 500 Euro extra pro Person.

Beide Personalräte haben ihr Mandat niedergelegt

Die beiden Arbeitnehmer-Vertreter saßen im Verwaltungsrat. Dieser Zeitung liegen die Listen vor der Mitglieder dieses Aufsichtsgremiums von Ende 2016 und Ende Februar 2017. Zwei Namen auf der Seite der Sparkassenbediensteten wurden ausgetauscht. Sie hätten ihr Mandat „auf eigenen Wunsch niedergelegt“, teilt Landrat Richard Sigel mit. An dieser Version darf gezweifelt werden nach unseren Informationen aus mehreren Quellen. Aus dem Verwaltungsratsgremium einfach wieder rauszugehen wird wohl die mildeste Folge sein dieser Affäre. Es kann der Bankenaufsicht nicht egal sein, wie in einem Geldinstitut gutsherrlich gewaltet und geschaltet wird. Der Landrat lässt derweil ausrichten, es seien keine disziplinarischen Maßnahmen vorgesehen gegen die Personalräte. Man beabsichtige auch nicht, Strafanzeige zu stellen gegen Bernd Fickler. Sigel bestätigt indes, dass es eine Meldung an die Bafin gab über die Sparkassenaufsicht, also über den Sparkassenverband und das Regierungspräsidium. Eben auch den Rückzug der Personalräte aus dem Verwaltungsrat betreffend und ihren Austausch mit zwei anderen Angestellten.

Auch Ficklers Vertrag erweckte Argwohn

Bernd Fickler ist der Aufsicht zudem durch einen anderen Vorgang aufgefallen. Noch zu Zeiten von Landrat Johannes Fuchs kam er mit einem Entwurf für seinen eigenen Vertrag durch, der irgendwann dann doch Argwohn weckte. Dabei geht es um die Pensionsregelung, die stufenweise angelegt ist. Er hat dabei offensichtlich Zeiten eingerechnet von Vorstandschaften früher und an anderen Orten. Eine Rechenart, die der Landkreis als Träger der Kreissparkasse hätte ablehnen müssen. Dann wäre es zu diesem Vertrag gleich gar nicht gekommen.

Aber später hat man sich den Vertrag doch vorgenommen. Und als Fickler in einer Sitzung des Verwaltungsrats auf diesen Vertrag angesprochen wurde, gab er zur Antwort, das habe der Sparkassenverband in Stuttgart damals so abgesegnet. Der wurde daraufhin befragt. Meldete freilich zurück, das sei mit ihm keineswegs abgesprochen worden.

Die Kontrolleure bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz: der Bafin in Bonn, werden mit ihren Fragen auf Waiblingen zukommen. Dann geht es nicht mehr darum, ob Fickler den Spesenetat überzogen hat und wie sein Büro ausgestattet wurde.


Hinweis der Redaktion: Mittlerweile wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bernd Fickler gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldauflage eingestellt.