Waiblingen

Neuer Cap-Markt in Beinstein eröffnet

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Endlich wieder vor Ort Lebensmittel einkaufen: Kunden am ersten Öffnungstag vor den Kühlregalen. © Büttner / ZVW
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An der Kasse werden neue Bezahlmethoden getestet. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Die schmerzliche Lücke im Herzen von Beinstein ist geschlossen. Ein Jahr nach dem Aus von Lebensmittel Hezel hat wieder ein Einkaufsmarkt in der Ortsmitte eröffnet. Der neue Cap-Markt wirkt modern und gut sortiert. Jetzt kommt es darauf an, ob die Beinsteiner ihn auch nutzen.

Geschmackvolle Naturfarben hier, Bildschirme statt Plakate dort: Was alle Besucher der Eröffnung spontan überzeugte, war das Erscheinungsbild des Ladens. Auch das Angebot braucht sich nicht zu verstecken: Auf nicht ganz 350 Quadratmetern hält der Cap-Markt 6000 Artikel von der Discounter-Linie über gängige Markenprodukte bis zu Lebensmitteln von regionalen Erzeugern bereit: Obst und Gemüse vom Hofmarkt Schmid vor Ort, Honig von der Familie Berlin aus Kleinheppach, Teigspezialitäten aus Burgstetten, Eier vom Geflügelhof Ludwig, Mehl und Müsli von der Hegnacher Mühle sowie Wein aus der Remstalkellerei und Säfte aus Beutelsbach. „Regionalität ist unsere Stärke“, werben die Betreiber. Unschwer ist den Regalen aber auch die enge Partnerschaft mit Edeka Südwest anzusehen.

„Beinstein hat eine intakte Ortsmitte“

Viele Besucher kamen zur Eröffnung. Die Jugendkapelle des örtlichen Musikvereins spielt, der katholische Pfarrer und die evangelische Pfarrerin sind zugegen, Vertreter der Feuerwehr, die Schulrektorin und Kommunalpolitiker. Offensichtlich wird dem Neubeginn keine geringe Bedeutung beigemessen. In der einjährigen „Hunger- und Durstphase“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins BdS, Horst-Michael Böckel, wurde ein neuer Laden „sehnsuchtsvoll erhofft“. Die Geschäfte in der Rathausstraße hatten während des Leerstands und der Renovierung empfindliche Einbußen hinzunehmen. Und OB Andreas Hesky zitiert in seinem Grußwort seinen Wirtschaftsförderer Marc Funk: „Dass es einen Nachfolger für Hezel gibt, ist die vielleicht schönste Nachricht des Jahres.“ Mit dem Markt lässt sich frohgemut sagen: „Beinstein hat eine intakte Ortsmitte.“

Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap

Keineswegs standen die Supermarktketten Schlange für die Nachfolge. Und der Cap-Markt ist nicht irgendein Markt. „Wir gehen dahin, wo andere aufhören“, sagt Holger Klein, Aufsichtsratsvorsitzender der GDW Süd. In der Beinsteiner Filiale arbeiten unter Leitung von Giuseppina Tomasi zehn Mitarbeiter, davon sechs mit schweren Behinderungen. „Der Cap-Markt verbindet nachhaltige Versorgung mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap“, fasst Werner Block, Geschäftsführer der GFA Süd, zusammen. Die Kunden bittet er daher vorab um Verständnis: Es könne sein, dass das Warten an der Kasse mal etwas länger dauere. „Aber man soll doch sowieso entschleunigen.“ Das Mitarbeiter- Team sei ganz neu formiert. Außerdem soll und darf der Cap-Markt nicht nur ein Laden sein, sondern auch Treffpunkt für die Beinsteiner.

Beinsteiner bestimmen über Erfolg und Misserfolg

Ausgerechnet Beinstein wurde als Cap-Markt Nummer 108 zum „Flagship-Store“ auserkoren, zum Flaggschiff der Kette. Hier sollen Neuerungen wie das modische, an Biomärkten orientierte Design, Wärmerückgewinnungstechnik, neue Produkte oder die Bezahlung per Scan und Kassier-Automat auf Herz und Nieren geprüft werden. Deshalb haben GFA und GDW den Standort mit besonderer Sorgfalt ausgewählt, verrät GDW-Chef Holger Klein. Was manchen Filialen in der Vergangenheit den Garaus machte, das waren neu angesiedelte Discounter in der Nähe. Dem Vernehmen nach soll bei der Entscheidung für Beinstein der Umstand den Ausschlag gegeben haben, dass sich die Stadt bei der Markt-Ansiedlung auf die Ortsmitte konzentrierte. Ein größerer Markt im Gewerbegebiet erschien allgemein nicht allzu sinnvoll, denn von großflächigen Supermärkten ist die ganz nah bei Endersbach und Waiblingen-Süd gelegene Ortschaft geradezu umzingelt. Einen Grund zum „Fremdgehen“ hätten die Beinsteiner jetzt nicht mehr, sagt Werner Block scherzhaft und fügt appellierend dazu: „Über Erfolg und Misserfolg entscheiden nun die Beinsteiner. Stimmen Sie mit Ihren Füßen und Ihrem Geldbeutel ab, ob Sie wohnortsnahe Lebensmittelversorgung wünschen.“


Cap-Märkte

Der Cap-Markt in der Beinsteiner Rathausstraße 27 hat ab sofort geöffnet – und zwar zu folgenden Ladenzeiten: montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr sowie samstags von 8 bis 18 Uhr.

Der erste Cap-Markt wurde 1999 in Herrenberg eröffnet. Die Beinsteiner Filiale ist bundesweit die 108. – aber die Muster-Filiale. Die Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen erprobt hier als Franchisegeber neue Ideen und Innovationen, die im Erfolgsfall auch in den anderen Läden umgesetzt werden.

Ein Cap-Markt in der Ortsmitte von Beutelsbach hat sich seit Jahren etabliert.

Scheitern ist verboten - Ein Kommentar von Andreas Kölbl

Die Freude in Beinstein ist groß über die Eröffnung des neuen Lebensmittelmarkts. Viele Kundentränen sind geflossen, als Eberhard Hezel vor einem Jahr schließen musste. Hätten die Beinsteiner ihm zuvor die Ladentüren eingerannt, wäre es so weit erst gar nicht gekommen. Nun sind die Voraussetzungen für einen Neuanfang geschaffen: Ein moderner Markt ist eingerichtet, er bietet ein ansehnliches Sortiment, Parkplätze und als größtes Pfund die zentrale Lage in der Ortsmitte. Nun sind die Beinsteiner Kunden gefragt, den Markt zu unterstützen. Hier und da mal eine Tüte Milch oder eine Butter zu kaufen wird nicht genügen. Mehr Wocheneinkäufe sind gefragt. Sollte die Beinsteiner Filiale mit ihrem Modellcharakter scheitern, wäre das ein Rückschlag für die Cap-Märkte überhaupt. „Wir sind zum Erfolg verdammt“, sagt ein Vertreter der Betreibergesellschaften. Gleiches gilt aus kommunaler Sicht: Klappt es mit dem Cap-Markt nicht, wird es extrem schwer werden, innerorts einen anderen Lebensmittler anzusiedeln.