Waiblingen

Neuer Stoffladen nach Aus von Eisele

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Cornelia Kinne (links) und Sarah Schmidt mit Schneiderpuppe. Es wird bunt im „Cosa – der Stoffladen“, das verraten die Vorräte im Atelier. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Groß war das Bedauern unter Schneiderinnen und Nähbienen, als das Waiblinger Traditionsgeschäft „Stoff Eisele“ altershalber geschlossen hat. Gute Nachrichten für alle Freundinnen und Freunde des textilen Selbermach-Trends: Im Herbst kommt der neue Stoffladen „Cosa“ in die jetzige Bäckerei Maurer in der Bahnhofstraße.

„Cosa“ klingt spanisch oder italienisch, im Fall des neuen Waiblinger Nähladens handelt es sich aber ganz einfach um eine Wortschöpfung aus den Vornamen der beiden Betreiberinnen: Cornelia Kinne und Sarah Schmidt. Die 51-jährige Cornelia Kinne kennen Kunden vom aufgegebenen Stoffgeschäft Eisele, wo die gelernte Bankkauffrau seit 2011 arbeitete. „Ich habe damals mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt sie. Und sie hat in den letzten Monaten hautnah erlebt, wie viele Näherinnen und Hobbyschneiderinnen das Geschäft vermissen. Das Geschäft mit 450 Quadratmetern von den Eisele-Brüdern zu übernehmen, wäre ihr eine Nummer zu groß gewesen. Ganz klein wird aber auch der Cosa-Laden nicht: 180 Quadratmeter.

Modedesignerin mit eigenem Atelier in Fellbach

An ihrer Seite hat Cornelia Kinne Sarah Schmidt, geborene Fasold. Die 39-Jährige hat Modedesign studiert und Damenschneiderin gelernt. In Fellbach besitzt sie seit einigen Jahren ein Atelier in der August-Brändle-Straße, in dem sie Nähkurse für Frauen und Mädchen jedes Alters gibt – und auch für Männer. Beliebt sind außerdem Kindergeburtstage in der Schneiderwerkstatt, weil die Gäste kreativ etwas gestalten und mit nach Hause nehmen können. Das Nähatelier bleibt trotz der Eröffnung von „Cosa“ bestehen. Mit einem Team von weiteren drei bis vier Kräften wollen die Inhaberinnen die täglichen Öffnungszeiten gewährleisten.

Die Räume von Stoff Eisele stehen leer, der Umbau soll dieser Tage beginnen. Wie berichtet, plant die benachbarte Bäckerei Maurer, sich dort zu vergrößern. So kommt’s zum Platzwechsel: Sobald Maurer umgezogen ist, soll der Umbau in der Bahnhofstraße 26 starten. Einige Wochen wird er dauern. Cornelia Kinne und Sarah Schmidt sitzen in den Startlöchern und werden voraussichtlich im Herbst eröffnen.

Keine Angst vor Online-Handel: „Stoffe muss man fühlen“

Eine Kopie von Stoff Eisele wird „Cosa“ nicht werden. Der Bereich der Heimtextilien entfällt, aber sonst sollen die bisherigen Kundinnen alles finden, was sie früher bei Eisele gefunden haben - und mehr. Die Geschäftsfrauen wenden sich an eine breite Kundschaft: Die Hausfrau, die aus Tradition selbst näht. Der Teenie, der mit Ideen aus sozialen Medien wie Pinterest und Instagram voll auf den „Do it yourself“-Trend abfährt. Und die junge Mutter, die für ihre kleinen Lieblinge Leggings, Kleidchen und T-Shirts selbst schneidert. Entsprechend soll sich die Stoffauswahl von konventionell bis flippig bewegen. „Wir wollen immer genau auf den Trend achten und schnell reagieren“, versprechen die zukünftigen Cosa-Chefinnen. Was für das Sortiment an Stoffen gilt, soll auch für Schnittmuster zutreffen. Außer dem aktuellen Burda-Angebot sollen Nähbegeisterte viele andere Ideen finden. Außerdem Zubehör von der Nadel bis zu Knöpfen und Aufnähern.

Während der Online-Handel floriert, kommt die Neueröffnung eines Ladens immer einem Risiko gleich, dessen sind sich Cornelia Kinne und Sarah Schmidt bewusst. Aber wer schon Stoffe im Internet bestellt habe, der kenne das Problem, dass man dabei so manche Überraschung erleben kann. Oft sahen Textur und Farbe auf dem Monitor ganz anders aus. „Stoffe muss man in die Hand nehmen und fühlen“, sind sich die beiden Selbstnäherinnen einig. Als weiteres Pfund des örtlichen Einzelhandels komme die persönliche Beratung dazu.

„Nähen to go“ und kleine Veranstaltungen nach Feierabend

Die persönliche Beziehung zum Kunden beziehungsweise zur Kundin wollen die Inhaberinnen offensiv pflegen. Für Leute, die nur gelegentlich eine Tischdecke oder eine einfache Hose nähen und über keine eigene Maschine verfügen, stehen im Laden Arbeitsplätze bereit. Stoff kaufen und loslegen: „Nähen to go“ nennt sich das innovative Prinzip. Wobei keine besondere Beratung geleistet werden kann, höchstens kleine Hilfestellungen. Als Nähkurs ist das Angebot nicht gedacht.

Gedacht ist an Öffnungszeiten von jeweils 9.30 bis 18 Uhr unter der Woche und zehn bis 13 Uhr samstags. Mit kleinen Events möchten sich Cornelia Kinne und Sarah Schmidt von Zeit zu Zeit aber auch nach Feierabend an die interessierte Nähszene wenden. Eine Stunde könnte ganz einem Spezialthema gewidmet werden, die Kundinnen könnten hinter die Kulissen blicken und sich Anregungen für Selbermachen holen - und dabei ein Gläschen Sekt trinken.


Stoffgeschäft mit über hundert Jahren Tradition

Stoff Eisele hörte im Frühjahr aus Altersgründen auf. „Mit dem Geschäftsgang hat das überhaupt nichts zu tun“, betonten die Brüder Paul und Helmut Eisele. In die frei werdenden Ladenräume an der Bahnhofstraße zieht die Bäckerei Maurer mit einem großflächigen Bäcker-Café .

1910 eröffnete Firmengründer Paul Eisele einen Einzel- und Großhandel für Seide in der Bahnhofstraße 30.

1945 übernahm sein Sohn Paul E. Eisele den Betrieb. 1946 wurde ein Behelfsgebäude angebaut. 1958 entstand das Gebäude in der Bahnhofstraße 28.

Über seine ganze Geschichte hinweg erlebte der Familienbetrieb ein hohes Maß an Kontinuität – negative Ausreißer ökonomischer Art gab es kaum. 1970 wurde modernisiert und die beiden Gebäude wurden miteinander verbunden. Über Jahrzehnte führten die Brüder Paul und Helmut Eisele den Familienbetrieb. 2010 wurde das 100-jährige Bestehen gefeiert.

„Wir reißen eine Riesenlücke auf“, sagte der 67-jährige Helmut Eisele beim Abschiedsgespräch mit der Zeitung. Ein Geschäft wie Eisele, mit einem breiten Angebot von Kurzwaren und Stoffen auf einer Verkaufsfläche von 450 Quadratmetern, gebe es in der näheren Umgebung von Waiblingen nicht – das ändert sich mit dem Stoffladen Cosa.