Waiblingen

Neustädter Bahnhof für 340 000 Euro versteigert

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Verkauft: Der Neustädter Bahnhof hat einen neuen Besitzer. © Habermann / ZVW

Berlin/Waiblingen. Für satte 340 000 Euro ist der Bahnhof in Neustadt unter den Hammer gekommen. Bei einer Versteigerung in Berlin nahm einer der zahlreichen Telefonbieter am Ende das meiste Geld in die Hand. Das Mindestgebot hatte bei 75 000 Euro gelegen.

Schon vor dem Aufruf am Freitagnachmittag war klar, dass das denkmalgeschützte Gebäude größeres Interesse auf sich gezogen hat als viele andere Objekte. Üblicherweise können Bieter, die nicht in Berlin anwesend sein können, einen Mitarbeiter des Auktionshauses vor Ort die Hand heben lassen. Aber auch diese Möglichkeit war beim Neustädter Bahnhof an ihre Grenzen geraten. „Die Telefonleitungen sind belegt, es konnten gar nicht alle zum Zuge kommen“, gab Auktionator Matthias Knake bekannt, bevor er den Bahnhof vorstellte.

Preis schoss binnen Sekunden in die Höhe

Danach hatte Knake sichtlich Spaß zu sehen, wie es in 10 000-Euro-Schritten schnell vorwärtsging. Achtzig-, neunzig-, hunderttausend, hundertzehn, hundertzwanzig – binnen Sekunden schoss der Preis in die Höhe. Auch als er die Steigerungsraten auf 5000 Euro heruntersetzte – das höchste Gebot lag inzwischen bei 220 000 Euro – ging es weiter nach oben. „Dafür kriegt man in Stuttgart langsam eine Zweizimmerwohnung“, warf Knake ein, als 325 000 Euro aufgerufen waren. Dann bot noch einer per Telefon 340 000 Euro – mehr wollte niemand zahlen. „Zum Dritten“, beendete Knake mit einem Lächeln diese Versteigerung.

Der Käufer muss mit vielen Sanierungsarbeiten rechnen

Auf den Käufer kommen jetzt noch 7,14 Prozent Courtage, fünf Prozent Grunderwerbssteuer sowie die Notarkosten zu. Dafür erhält er ein Objekt, in dem er sich voll verwirklichen kann – und dies wohl auch muss. „Keine Heizung, Holzfenster mit Einfachverglasung, Feuchtigkeitsschäden, Müllablagerungen im Gebäude, insgesamt stark sanierungsbedürftiger Zustand“, heißt es im Exposé. Auch an das öffentliche Trink- und Abwassernetz muss sich der neue Eigentümer anschließen lassen. Auch einen kleinen Raum für die Technik muss er an die Deutsche Bahn als bisherigen Eigentümer weiterhin vermieten. Für den Abriss des angrenzenden Kiosk ist noch die Bahn verantwortlich – dieser gefährde aufgrund der Nähe zum Oberleitungsmast die dauerhafte Betriebssicherheit der Bahnstrecke, heißt es im Exposé. Trotz dieser dramatisch klingenden Lage ist noch offen, wann der Abriss beginnt – 18 Monate wird er dann voraussichtlich dauern.

Neustädter Bahnhof war mit Abstand der teuerste

Der Bahnhof Waiblingen-Neustadt war unter den sieben Bahnhöfen, die am Freitag von der Karhausen AG versteigert worden waren, mit Abstand der teuerste. Unter den insgesamt 70 Objekten, die unter den Hammer kamen, waren auch stillgelegte Strecken, aber auch Einfamilienhäuser und Wohnblocks.


Wohnungen sind nicht möglich

Die Stadt hat sich an der Versteigerung des Neustädter Bahnhofes nicht beteiligt, nachdem sich der Gemeinderat und die Ortschaftsräte in Neustadt und Hohenacker im Vorfeld dagegen ausgesprochen hatten. „Dieser Preis liegt sehr deutlich über dem Ergebnis des Gutachterausschusses“, sagt Oberbürgermeister Andreas Hesky angesichts des erzielten Ergebnisses. Hätte die Stadt mitgeboten, wäre sie nie so weit mitgegangen. Grund dafür sind laut Hesky die hohen Sanierungskosten sowie die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten des denkmalgeschützten Bahnhofgebäudes. Möglich sind dort Gaststätten und Gewerbe, Wohnungen sind aufgrund der Lärmbelastung aber nicht zulässig. Auch Vergnügungsbetriebe und Spielstätten sind ausgeschlossen. Andererseits müsse der neue Eigentümer der Räum- und Streupflicht auf dem Weg zu den Gleisen nachkommen.

„Schön wäre gewesen, wenn die Bahn auf uns zugekommen wäre und wir gemeinsam nach Investoren geschaut hätten.“