Waiblingen

Neustädter Bahnhof wird versteigert

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Das Neustädter Bahnhofsgebäude kommt unter den Hammer. © Habermann / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Wie alt der Neustädter Bahnhof genau ist, weiß keiner. Mit seiner Putzfassade mit den ansprechenden Zierelementen steht er unter Denkmalschutz, innen hat er indes eine einfache Ausstattung, keine Heizung, Holzfenster mit Einfachverglasung, außerdem Feuchtigkeitsschäden und Müllablagerungen im ganzen Gebäude. Kurz und gut: Der Bahnhof ist stark sanierungsbedürftig. Nun soll er versteigert werden.

Am 21. September kommt das ehemalige Bahnhofsgebäude der Deutschen Bahn im Auktionshaus Karhausen in Berlin unter den Hammer. Das Berliner Auktionshaus ist eigenen Angaben zufolge für die Versteigerung außergewöhnlicher Immobilien bekannt. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem 700 Bahnhöfe, diverse Schlösser und eine große Zahl Waldflächen vermarktet. Ende 2017 bewirkte die Versteigerung des Brandenburger Dorfes „Alwine“ ein weltweites Medienecho.

300 Quadratmeter mit Entwicklungsmöglichkeiten

Nun also der alte Neustädter Bahnhof. Seit Jahren steht das alte Gebäude leer. Sein Baujahr ist unbekannt. An Nutzungen irgendwelcher Art kann sich Ortsvorsteherin Daniela Tiemann nicht erinnern. In einem Raum befinden sich noch technische Anlagen der Bahn. Vermüllt und runtergekommen ist der Rest des alten Bahnhofsgebäudes, die Sanierungskosten sind auf den ersten Blick völlig unabsehbar. Gleichwohl setzen die Bahn und das Auktionshaus darauf, dass es in der Grundstücksauktion einen neuen Liebhaber finden wird. „Der Bahnhof bietet auf seinen rund 300 Quadratmetern viele Entwicklungsmöglichkeiten. Besonders der direkte Anschluss über die S3 zum Stuttgarter Hauptbahnhof mit nur ca. 18 Minuten Fahrzeit ist hochspannend“, wirbt Matthias Knake, Vorstand und leitender Auktionator der Auktionshaus Karhausen AG.

Kiosk wird zurückgebaut - Freiflächen entstehen

Das Mindestgebot liegt bei 75 000 Euro plus Courtage. Der angrenzende Kiosk wird von der Bahn noch zurückgebaut, so dass Freiflächen für Stellplätze entstehen. Ihren Betriebsraum hält sich die Bahn zurück: Für den Technikraum von rund 13 Quadratmetern muss der neue Eigentümer einen Mietvertrag mit der DB Netz AG abschließen.

Hesky: "Das Gebäude ist in öffentlichem Interesse"

Ein alter denkmalgeschützter Bahnhof, der unter den Hammer kommen soll, interessiert natürlich auch die Stadt. „Das Gebäude ist in öffentlichem Interesse“, sagt denn auch Oberbürgermeister Andreas Hesky. Gleichwohl kann sich der Stadtchef spontan absolut nicht vorstellen, was auf den beiden Etagen und den 300 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche geschehen soll – wohl aber, dass die Sanierungskosten astronomisch hoch werden könnten.

Stadt hat Gutachten angefordert

Um den Wert des Bahnhofs zu ermitteln und sich über das weitere Vorgehen eine Meinung bilden zu können, hat die Stadt ein Gutachten des Gutachterausschusses angefordert. „Sobald dieses vorliegt, gilt es zu prüfen, ob das Gebäude samt Grundstück für die Stadt interessant ist“, kündigt Hesky an.

Bahn hat Versteigerung ohne Absprache mit der Stadt an Auktionator gegeben

Falls die Stadt Interesse hat, aber nicht zum Zuge kommt, will er prüfen, welche Konsequenzen sich aus dem Verkauf ergeben. „Es ist schließlich ein Bahnhofsgebäude, denkmalgeschützt, das für Bahnzwecke gewidmet ist, und die Flächen sind als öffentliche Verkehrsflächen gewidmet“, konstatiert er. „Auf ihnen liegt eine Unterhaltslast zum Räumen und Streuen, und – ganz gleich welcher Eigentümer – es muss stets sichergestellt sein, dass die Zugänglichkeit zu den Bahngleisen gegeben ist.“

Liegt das Gutachten vor, liegt der Ball beim zuständigen Gemeinderatsausschuss: Für Grundstücksangelegenheiten zuständig ist in Waiblingen der Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Sport, der noch vor dem 21. September darüber beraten wird. Eins findet der Oberbürgermeister indes jetzt schon so richtig ärgerlich: Dass die Bahn die Versteigerung ohne Absprache mit der Stadt an einen Auktionator vergeben hat.


Per Telefon neuer Bahnhofsbesitzer werden

Wer am 21. September das Rennen macht, muss zehn Prozent des Zuschlags in bar auf den Tisch legen. Bieter, die keinen deutschen Firmen- bzw. Wohnsitz haben, müssen die doppelte Bietungssicherheit leisten.

Wer mitbieten will, muss nicht zwingend nach Berlin fahren. Interessenten können telefonisch an der Auktion teilnehmen. Bis zu acht Telefonleitungen stehen zur Verfügung. Ein Formular für „Telefongebot“ gibt es auf der Homepage des Aktionshauses unter www.karhausen-ag.de als PDF-Datei. Dort gibt es auch weitere Hinweise zum Verfahren. Die Bonität muss von jedem Bieter nachgewiesen werden.

Zusätzlich zur Bonitätsprüfung wird bei schriftlichen und telefonischen Geboten die Identität des Bieters geprüft. Eine Kopie des Personalausweises/Reisepasses und die Steueridentifikationsnummer müssen deshalb angegeben werden, bei Gesellschaften die Gesellschafterliste (wirtschaftlich Berechtigter) vorliegen.

Die Courtage liegt bei 7,14 Prozent.