Waiblingen

Noch keine Entwarnung im Müll-Chaos

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Typische Ansicht voriger Woche aus der Fronackerstraße. Noch immer gibt es bei der Abholung erhebliche Probleme. © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Der Ärger um die Müllabfuhr dauert an. Zwar hat die Leerung diese Woche in Waiblingen weitgehend funktioniert, aber mitnichten lückenlos. In verwinkelten Wohngebieten und in Seitenstraßen stehen die Tonnen teils seit zwei Wochen ungeleert. Kein Wunder, dass bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft die Telefone nicht stillstehen.

Seit dem Jahreswechsel ist in Waiblingen, Fellbach, Weinstadt, Kernen und Korb nicht wie bisher die Firma Schäf aus Murrhardt, sondern Mitbewerber Kurz aus Ludwigsburg für die Müllabfuhr zuständig. Wie berichtet, blieben in der ersten Kalenderwoche massenhaft Mülltonnen ungeleert am Straßenrand stehen, weil das neu beauftragte Unternehmen das vereinbarte Pensum nicht schaffte, schlicht zu langsam war. Bis Anfang dieser Woche waren die Rückstände weitgehend aufgearbeitet, nachdem drei zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt wurden. So überwiegt in den sozialen Netzwerken, wo zwischenzeitlich von „Verhältnissen wie in Neapel“ die Rede war, jetzt die Erleichterung.

Besonders nachlässig wurde in Endersbach geleert

Aber es gab auch die Straßen, in denen der Müll besonders lang stand. Betroffen waren unter anderem die Schofer-Siedlung und die Kappelbergstraße und in Teilen die Beinsteiner Straße in Waiblingen. Von dort meldet sich Leser Manfred Lang. Schon einige Male habe er sich bei AWG und der Firma Kurz gemeldet und sie informiert, dass die Adresse über den Felsenberg angefahren werden müsse. Mit begrenztem Erfolg: Die blauen Zusatzsäcke wurden abgeholt, die Tonnen blieben weiter ungeleert. Leserin Manuela Hoss schickte Bilder von überfüllten Containern in der Kappelbergstraße und sorgt sich wie andere, dass der Müll stöbernde Katzen oder unangenehmere Tiere anlocken könnte. Gute Nachricht: Am Mittwochmorgen wurden die Container geleert. Stärker noch traf es Endersbach, wo etwa ein Viertel der Tonnen bis Dienstag noch immer nicht abgearbeitet waren.

AWG: Firma Kurz muss jetzt ihre Leistungsfähigkeit beweisen

Bei der AWG Rems-Murr häuften sich die Beschwerden, telefonisch und per E-Mail. Der Groll über den misslungenen Start ist Pressesprecher Dr. Manfred Siglinger anzumerken. Seinem Eindruck nach habe sich die Lage zwar etwas entspannt, Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. Der ausführenden Firma habe die AWG „unmissverständlich klar gemacht“, dass sie jetzt endlich ihre Leistungsfähigkeit beweisen und die Rückstände restlos nachholen müsse. Für den Auftrag im Raum Waiblingen habe der Ludwigsburger Entsorgungsbetrieb neue Mitarbeiter eingestellt, die teilweise noch keine Erfahrung in der Müllbranche hätten. Logisch, dass die Abfuhr unter diesen Umständen länger dauert, aber: „Uns interessiert nicht, wie da kalkuliert wurde, sondern dass sie die vereinbarte Leistung erbringen.“ Um das zu kontrollieren, werde die Firma der AWG „täglich Rapport erstatten“.

Gegen den Vorwurf aus den Netzwerken, die Abfallwirtschaftsgesellschaft habe einem funktionierenden Abfuhrunternehmen jetzt ein „Billigunternehmen“ vorgezogen, verwahrt sich der Sprecher: Bei der nach zehn Jahren fälligen Ausschreibungsrunde hatte Schäf aus Murrhardt ein deutlich höheres Angebot vorgelegt als zuletzt – und auch das Angebot der Ludwigsburger lag klar über dem alten Preis von Schäf. Landauf, landab ist die Müllabfuhr infolge höherer Löhne und der allgemeinen Kostenentwicklung teurer geworden. Die Firma Kurz ist also kein Billigunternehmer, sondern ein Mittelständler, der im Nachbarkreis seit vielen Jahren Erfahrung hat.

Müll nicht abgeholt? Was jetzt zu tun ist

Falls bei den nächsten Abfuhrterminen erneut Mülltonnen ungeleert bleiben, sollten die Eigentümer diese am Straßenrand stehen lassen, rät die AWG Rems-Murr. Eventuelle Rückstände bei der Abfuhr sollten schnellstmöglich abgearbeitet werden.

Reichen die vorhandenen Mülltonnen nicht mehr aus, kann der Restmüll in Plastiksäcken bei den Tonnen gelagert werden. Auch diese Säcke werden abgeholt – dafür sind derzeit nicht die offiziellen, kostenpflichtigen Säcke nötig. So kommuniziert es derzeit die AWG. Der Kauf der offiziellen Säcke wegen der gegenwärtigen Probleme ist nicht ratsam.

Ähnliches gilt für den Biomüll: Er kann in Papiersäcken oder Kartons gelagert werden. Am besten auf den Tonnen und nicht auf der Straße, damit die Kartons nicht zu stark durchnässt werden.

Besondere Probleme bestehen bei der Leerung von Restmüll-Containern. Offenbar sind nicht alle korrekt erfasst. Bei ausbleibender Leerung sollten die Betroffenen sich melden, etwa bei der AWG-Zentrale unter 0 71 51 / 501 – 95 0.

Mit einer Gebührenerstattung, wie sie in den sozialen Netzwerken derzeit schon gefordert wird, ist nach aktuellem Stand nicht zu rechnen. Aufs Jahr gerechnet würde sich’s beim Ersatz für nicht termingerecht geleistete Leerungen um Cent-Beträge handeln, so die AWG. Der bürokratische Aufwand jedoch wäre „gigantisch“. Jedoch dürfen, wie gesagt, Behelfssäcke verwendet werden.

Seit dem 1. Januar ist die Firma Kurz aus Ludwigsburg für die Leerung der Restmüll- und Biotonnen in Fellbach, Kernen, Korb, Waiblingen und Weinstadt zuständig. Ebenso für Sperrmüll, Christbaumabholung und Grüngutsammlung. Die Leerung der Gelben Tonnen ist nicht betroffen, sie obliegt den Dualen Systemen beziehungsweise der Firma Remondis.