Waiblingen

Ob RSV oder nicht: Bei Giemen zum Kinderarzt - Erklärungen für Eltern

Kind inhaliert
Bei Atemwegsinfekten können Medikamente teils auch inhaliert werden. © silentalex88 - stock.adobe.com

RSV- und andere Infektionen sorgen derzeit für volle Arztpraxen und Anspannung in Kinderkliniken. Manche Eltern überlegen sich deswegen vielleicht zweimal, ob sie mit ihrem Kind wirklich schon wieder zum Arzt sollen. Ja, wenn unnormale Atemgeräusche zu hören sind, sagen Mediziner. Etwa das Giemen, ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Warum sich dabei selbst Kinderärzte ohne Stethoskop verhören können, welche Indizien es noch gibt, wann die Sauerstoffsättigung gemessen und warum oft nicht auf RSV getestet wird.

Die Zahl der Kinder mit Atemwegsinfekten ist momentan „immens“, sagt die Kinderärztin Dr. Annette Weimann. In ihrer Gemeinschaftspraxis in Waiblingen seien es gerade 25 bis 30 Prozent mehr als sonst, schätzt sie. Zu ihr kommen Kinder mit Bronchitis und Bronchiolitis, also mit Entzündungen verschiedener Lungenbereiche. Beides kann durch RS-Viren, aber auch durch andere Viren oder Bakterien verursacht werden. „Auch Corona wird mal dabei sein“, sagt Annette Weimann. Hätten im Sommer viele Eltern vor dem Praxisbesuch noch einen Covid-Selbsttest bei ihren Kindern gemacht, sei das jetzt kaum noch der Fall. Die Angst vor diesem Virus sei nun nicht mehr so groß, glaubt die Kinderärztin.

Im Fokus stehen momentan RSV und Influenza, die echte Grippe. Welcher Virus genau die Lunge befallen hat, spielt für die Behandlung der Kinder keine entscheidende Rolle. „Wir müssen die Symptome behandeln“, erklärt Weimann, eventuell mit zusätzlichem Sauerstoff. Denn die Luftwege können so verengt sein, dass die Lunge zu wenig Sauerstoff bekommt. Deswegen wird bei bestimmten Atemgeräuschen wie dem Giemen oder bestimmtem Husten die Sauerstoffsättigung gemessen, so die Kinderärztin. Einen RSV-Abstrich mache sie hingegen nicht. Wichtiger sei der in Kliniken, auch um zu entscheiden, ob die Patienten eventuell isoliert werden, erklärt Weimann.

Wegen Sauerstoffmangels in ein Krankenhaus überwiesen hat die Waiblinger Ärztin zuletzt drei Kinder, etwa eines pro sieben bis zehn Tage. Angesichts der Zahl der kleinen Patienten, die täglich zu ihr kommen, erscheint das wenig. Doch dann handelt es sich um dringende Fälle.

Mit dem Rettungswagen ist aber nur ein Kind abgeholt worden, das bereits lungenkrank war, so Weimann. In der Regel bringen die Eltern ihre Kinder selbst ins Krankenhaus. Die Praxis meldet sie vorher an, und das gestaltet sich bei der Vielzahl der Fälle in der Region schwierig. Erste Anlaufstelle aus Waiblinger Sicht ist das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden, aber je nach Lage muss Weimanns Team auch verschiedene Häuser abtelefonieren.

Erklärung: Bronchitis, Bronchiolitis, Lungenentzündung ...

Zum Glück kommt es in den meisten Fällen nicht so weit. Nicht immer tritt eine Bronchitis oder Bronchiolitis ein, und auch dann muss es keinen schweren Verlauf geben. „RS-Viren verursachen einen Infekt der oberen Atemwege (Mund/Nase/Rachen), der bei kleinen Kindern auch die unteren Atemwege betreffen kann. Das sind die großen luftführenden Wege unterhalb/nach dem Kehlkopf wie Luftröhre, Bronchien, Bronchiolen“, erklärt Privat-Dozent Dr. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): „Insbesondere der Befall der kleinen Luftwege (Bronchiolen) kann zu einer schweren Erkrankung führen, die man Bronchiolitis nennt.“

Von einer Lungenentzündung spreche man „bei einem zusätzlichen Befall der Endstrecke der luftführenden Wege in der Lunge, den sogenannten Alveolen“.

Ein Alarmzeichen für Eltern kann das Giemen sein, ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. „Bei einer Bronchitis/Bronchiolitis kommt es zu einer Schwellung der Schleimhaut, die die Atemwege auskleidet. Das führt zu einer Verschmälerung des Innendurchmessers der Atemwege und insbesondere zu einer erschwerten Ausatmung“, so Burkhard Rodeck. „Die dann auftretenden Atmungsgeräusche durch Erschwerung der Atemtätigkeit in der Ausatmungsphase nennt man Giemen.“

Neben Giemen kann auch Brummen auftreten oder das Ausatmen länger dauern

Und dann? „Bei nicht normalen Atemgeräuschen sollte der Kinderarzt aufgesucht werden“, rät Rodeck. „Dazu gehören das Giemen und Brummen, aber auch eine verlängerte Ausatmungsphase.“

Weitere Symptome, bei denen Kinderärzte eingeschaltet werden sollten, seien Atemnot beim Kind, blaue Lippen, Fieber über 39 Grad länger als drei Tage. Und auch bei einem „deutlich krank wirkenden Kind und immer im Zweifel“, sagt der Experte.

Dass Eltern sich dann nicht scheuen sollten, die Kinderarztpraxis anzurufen, obwohl sie um deren Arbeitsbelastung wissen, betont auch die Waiblinger Medizinerin Annette Weimann. „Wer das Giemen hört, sollte zum Kinderarzt.“

Allerdings seien die Atemgeräusche selbst für Fachleute mit dem bloßen Ohr nicht immer richtig einzuordnen, berichtet Weimann aus dem Praxisalltag. „Wenn man beim Ausatmen ein Pfeifen hört, ist das auf alle Fälle ein Verdachtsmoment - aber es gibt Kinder, die höre ich atmen und denke, Bronchitis. Wenn ich sie dann mit dem Stethoskop abhöre, stellt sich heraus: Das ist was anderes. Andere Kinder husten nur, und mit dem Stethoskop stelle ich plötzlich eine Bronchitis fest. Da ergibt sich selbst für uns manchmal ein Überraschungsmoment.“

RSV- und andere Infektionen sorgen derzeit für volle Arztpraxen und Anspannung in Kinderkliniken. Manche Eltern überlegen sich deswegen vielleicht zweimal, ob sie mit ihrem Kind wirklich schon wieder zum Arzt sollen. Ja, wenn unnormale Atemgeräusche zu hören sind, sagen Mediziner. Etwa das Giemen, ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Warum sich dabei selbst Kinderärzte ohne Stethoskop verhören können, welche Indizien es noch gibt, wann die Sauerstoffsättigung gemessen und warum oft nicht

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