Waiblingen

OB-Wahl: Haußmann ist der Favorit

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Natürlich sagt der FDP-Abgeordnete Jochen Haußmann in seinen offiziellen Stellungnahmen, dass er sich völlig auf die Landtagswahl im März konzentriert. Schließlich ist er Profi im Politikbetrieb. Doch gut informierte Kreise wissen schon seit langem, dass Haußmann derzeit der Top-Favorit auf Jürgen Oswalds Sessel ist – und zwar auch dann, wenn Haußmann wieder in den Landtag einzieht. © Schneider / ZVW
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Ulrich Witzlinger. © Bernhardt / ZVW
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Thomas Meier. © Schneider / ZVW
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Nicolas Fink. © Privat
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Christoph Jäger. © Bernhardt / ZVW
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Albrecht Ulrich. © Privat
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Thomas Deißler. © Bernhardt / ZVW

Weinstadt. Wer beerbt Jürgen Oswald auf dem OB-Sessel? An potenziellen Kandidaten mangelt’s jedenfalls nicht. Heißester Anwärter ist der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann, der sich noch bedeckt hält. CDU-Stadtrat Ulrich Witzlinger, ebenfalls lang im Gespräch, will nur im Notfall antreten – weil die CDU jemanden unter 50 sucht.


Er war Stimmenkönig bei der vergangenen Gemeinderatswahl. Er ist CDU-Fraktionschef, dazu CDU-Stadtverbandsvorsitzender in Weinstadt. Sprich: Formal ist Ulrich Witzlinger (56) die Nummer eins bei den Weinstädter Christdemokraten. Bereits vor einem Jahr hat unsere Zeitung darüber berichtet, dass er Ambitionen auf den Posten seines Parteifreunds Jürgen Oswald (56) hat. Damals im Februar 2015 sagte der studierte Jurist, dass sich für ihn die Frage einer Kandidatur derzeit nicht stelle – allerdings hatte Oswald da noch nichts zu einem Kandidaturverzicht bei der Wahl im Herbst 2016 gesagt. Das hat sich beim Neujahrsempfang der Stadt am 17. Januar geändert: Da erklärte Oswald, dass er nach zwei Amtsperioden aufhören wird. Heißt das nun, dass Witzlinger antritt? „Die CDU sucht nach Kandidatinnen und Kandidaten, getragen von der Vorstellung, dass der Kandidat unter 50 ist“, antwortet der CDU-Fraktionschef. Damit scheidet Witzlinger logischerweise als Kandidat aus. Er selbst, sagt er, würde nur dann antreten, wenn die Bewerberlage schlecht ist. Wobei es Witzlinger auch dann wichtig wäre, eine breite Anhängerschaft zu haben. Ob das gelingen würde, kann der innerhalb der Weinstädter CDU nicht unumstrittene Vorsitzende nicht sagen. Witzlinger findet es auf jeden Fall am besten, wenn ein OB-Kandidat von auswärts kommt. „Der Prophet zählt ja nichts im eigenen Land.“

Witzlinger ist ein guter Rhetoriker – aber kein Mann des Ausgleichs

Witzlinger wäre zweifelsohne ein Quereinsteiger, dem es an Verwaltungserfahrung in einer Kommune mangelt. Er gilt auch nicht unbedingt als Mann des Ausgleichs: Rhetorisch brilliert der Amtsrichter zwar meistens – allerdings eckt er auch bei vielen an. Manch ein verdienter Weinstädter CDU-Mann hat die Partei deshalb im Streit verlassen. Witzlinger war deshalb nie der große Favorit auf Oswalds Nachfolge. Das ist – auch wenn er bislang noch schweigt – der Kernener FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann (49).

Seit Monaten engagiert er sich auffallend intensiv in Weinstadt, setzt sich für lärmgeplagte Anwohner in Schnait ein und kämpft für einen sicheren Einstieg an der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein. Selbst die Ampel an der B-29-Ausfahrt Endersbach war Jochen Haußmann eine ausführliche Pressemitteilung wert, nachdem er dort wiederholt nachts ewig warten musste, bis die Ampel auf Grün umschaltete – obwohl auf der L 1199 kein einziges Auto zu sehen war. Sogar beim Regierungspräsidium hakte Haußmann deshalb nach. Ob ihm wohl jede Ampel in Baden-Württemberg so wichtig wäre?

Vor einem Jahr fragte unsere Zeitung Haußmann schon einmal, ob er bei der OB-Wahl antritt. Damals sagte er, dass sich die Frage für ihn derzeit nicht stelle – weil er wieder eine Kandidatur für den Landtag anstrebe. Auch ein Jahr später gibt sich Haußmann noch bedeckt. „Ich habe ein Ziel im Blick: Das ist der 13. März. Dafür nehme ich gerade jede Minute“, sagt der Kernener. Alles andere habe für ihn gerade keine Priorität. Er sei auch zuversichtlich, dass die FDP ein besseres Ergebnis erziele als bei der vergangenen Landtagswahl. Wenn er die aktuellen Umfragen betrachtet, dann hält Haußmann diesen Optimismus durchaus für gerechtfertigt. Die Frage einer möglichen Kandidatur als OB in Weinstadt stellt sich für den FDP-Mann nach eigener Aussage derzeit nicht. Wobei klar ist: Sollte Haußmann nicht in den Landtag einziehen, dann ist er der Top-Favorit. Selbst wenn er es wieder in den Landtag schafft, spricht einiges dafür, dass sich Haußmann trotzdem fürs OB-Amt bewirbt. Im Landtag müsste er sich in fünf Jahren erneut zur Wahl stellen, als Oberbürgermeister kann er dagegen längerfristig planen. Die nötige Wahlkampferfahrung hat Haußmann sowieso: 2003 verlor er in Kernen in der Stichwahl ums Bürgermeisteramt ganz knapp gegen den Badener Stefan Altenberger.

Im Namenskarussell tauchen derzeit noch fünf andere Namen auf, die zumindest ein Nachhaken wert sind. Da ist Albrecht Ulrich, amtierender Bürgermeister von Winterbach, der kürzlich erklärte, dass er nach 16 Jahren seinen Posten räumen möchte. Das lag nicht zuletzt an seinem Frust über den Winterbacher Gemeinderat, von dem er sich bei wichtigen Vorhaben ausgebremst fühlte. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Ulrich, dass er derzeit so viele große Projekte in Winterbach am Laufen habe, dass er derzeit einfach keine Zeit habe, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. „Das ist völlig offen.“ Im späten Frühling respektive im Frühsommer will er sich frühestens öffentlich äußern. „Es ist auch denkbar, dass ich was außerhalb vom Bürgermeisterberuf mache.“

Nicolas Finks Namen ist schon vor einem Jahr gefallen. Der Sozialdemokrat ist seit 2006 Bürgermeister von Aichwald, gilt als beliebt. Als unsere Zeitung Nicolas Fink damals darauf ansprach, sagte er, dass er sich geehrt fühle – es aber noch viel zu früh sei, sich zu äußern. Nun, nach Oswalds Kandidaturverzicht, hat er sich auf Nachfrage klar geäußert. „Eine Kandidatur kommt für mich derzeit nicht infrage – was aber nicht an der schönen Stadt Weinstadt liegt. Wir fühlen uns in Aichwald sehr, sehr wohl – und ich habe nicht vor, in den nächsten Jahren mein soziales Umfeld zu ändern.“

Eigentlich liegt es auf der Hand, bei der OB-Wahl auch an den Weinstädter Baubürgermeister Thomas Deißler zu denken, der immerhin schon seit 2011 im Amt ist. Deißler allerdings ist in Sachen Wahlen ein gebranntes Kind: Als er 2014 auf der Kreistagsliste der Freien Wähler kandidierte, dachte jeder, dass er es schafft. Baubürgermeister werden schließlich wie Oberbürgermeister so gut wie immer gewählt, wenn sie sich aufstellen lassen. Doch Deißler scheiterte deutlich. Einige Stadträte gehen deshalb mit großer Sicherheit davon aus, dass der Baubürgermeister nicht kandidiert – und damit haben sie recht. Auf Anfrage unserer Zeitung stellt Deißler klar: „Ich werde nicht kandidieren, weil ich mit Leib und Seele Beigeordneter bin.“

Der Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger (CDU) wäre für die Weinstädter Christdemokraten durchaus ein interessanter Kandidat. Jäger muss zwar am 31. Januar erst mal eine Wahl gewinnen, schließlich bewirbt er sich in Großerlach um eine dritte Amtszeit. Allerdings ist sein Sieg Formsache: Er ist der einzige Kandidat. So könnte sich Christoph Jäger von seinem sicheren Posten aus auf den OB-Sessel in Weinstadt bewerben. Das wäre ein Aufstieg, vom Prestige her und auch finanziell. Großerlach hat 2500 Einwohner – Weinstadt mehr als zehnmal so viele. Auf Nachfrage erklärt Jäger allerdings, dass er kein Interesse hat. „Ich trete in Großerlach für die nächsten acht Jahre an.“

Nur ein halbes Jahr nach einer Wahl schon wieder in einer anderen Stadt zu kandidieren hält Christoph Jäger nicht für angemessen – auch wenn der Job als OB in Weinstadt einen klaren Aufstieg bedeuten würde. Außerdem: „Karriere ist nicht alles.“ Christoph Jäger fühlt sich mit seiner Familie in Großerlach außerordentlich wohl. „Da haben wir schon eine schöne Heimat gefunden.“

Der smarte Stadtwerke-Leiter Thomas Meier scheidet auch aus

Bleibt noch Stadtwerke-Chef Thomas Meier. GOL und CDU hätten ihn gerne zu einer Kandidatur bewogen, schließlich entwickelt sich der städtische Eigenbetrieb seit Meiers Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren prächtig. Der smarte Mittdreißiger gilt als einer der Top-Leute im Weinstädter Rathaus – doch am OB-Sessel hat er kein Interesse. Was unter anderem auch daran liegt, dass er im Landkreis Böblingen fest verwurzelt ist und nicht vorhat, nach Weinstadt umzuziehen.

Auch Thomas Meiers derzeitiger Posten als Stadtwerke-Chef spielt eine wichtige Rolle. „Den Job, den ich mache, mache ich sehr gerne. Da wollen wir vieles bewegen in den nächsten Jahren.“

OB Jürgen Oswald hört nach 16 Jahren auf

Er hat es spannend gemacht: Gerüchte über den Rückzug von Jürgen Oswald (56) vom Amt des Oberbürgermeisters hat es schon lange gegeben – doch erst auf dem Neujahrsempfang der Stadt im Januar verkündete der OB, dass er sich im Herbst nach 16 Jahren nicht mehr zur Wahl stellt.

Als Oswald 2014 nicht mehr für den Kreistag antrat, deuteten das einige bereits als Zeichen für seinen Rückzug. Denn eigentlich ist es Oberbürgermeistern wichtig, im Kreistag vertreten zu sein.

Was Oswald nach seinem Ausscheiden aus dem OB-Amt machen wird, ist nach seiner Aussage bislang noch offen.

Hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen für die Oberbürgermeisterwahl. Der Gemeinderat soll in öffentlicher Sitzung am Donnerstag, 3. März, über den Tag der Wahl, über den Termin einer etwaigen Stichwahl, über den Tag der Stellenausschreibung und über die Bewerbungsfristen entscheiden.

Was sich heute schon sagen lässt: Von Gesetzes wegen muss die Wahl an einem Sonntag zwischen dem 18. September und dem 6. November stattfinden.
Klar ist: Am Wochenende der Beutelsbacher Kirbe wird die Wahl wohl nicht steigen. Gut informierte Kreise rechnen mit einem Termin im Oktober. Aber wie gesagt: Offizielle Informationen gibt es erst am 3. März.