Waiblingen

Operieren auf dem Dach

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Unser Bild zeigt eine Operation in der Gemeinschaftspraxis Reichmann und Schlüter. Künftig stehen ihnen weitere OP-Säle zur Verfügung. © Schneider / ZVW
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OPContainer
Mit einem Kran wurden Container auf die Dachterrasse vor der Bettenstation der Zentralklinik gehievt und miteinander verbunden. Für die kommenden Monate dienen sie als OP-Bereich. © Gaby Schneider

Waiblingen. Bereits wenige Wochen nach dem Brand in der Querspange war in den meisten Arztpraxen im Gebäude der Zentralklinik wieder der Alltag eingekehrt. Völlig unbrauchbar ist indes noch immer der OP-Trakt der Zentralklinik. Bis heute wurden die OP-Säle im dritten Stock nicht wieder in Betrieb genommen. Nun aber gibt es eine Interimslösung für die operierenden Ärzte: Auf der Dachterrasse der Querspange wurden Container aufgestellt und zu Operationssälen ausgebaut.

Wie das Feuer an jenem Samstagabend im April ausbrach, weiß bis heute niemand. Noch nicht einmal, ob die Ursache Brandstiftung war oder doch ein technischer Defekt der Auslöser war. Ende April hatte die Polizei mittels Phantombild nach einem Tatzeugen gesucht, von dem sie sich entscheidende Hinweise erhoffte. Der Zeuge wurde tatsächlich gefunden. Doch seine Aussage führte nicht zu den erhofften Erkenntnissen.

OP-Trakt wegen der zerstörtern Lüftung unbrauchbar

Monate nach dem Brand, der Teile der Arztpraxen verwüstete und die Notfallpraxis total zerstörte, ist in der Querspange schon längst wieder der Alltag eingekehrt. Noch immer nicht in Betrieb ist indes der OP-Trakt der Zentralklinik. Grund ist die zerstörte Lüftung, für die mittlerweile modernere Anforderungen gelten, erklärt Geschäftsführer Ullrich Villinger. Extrem kompliziert sei das neue Lüftungssystem, und es brauche deutlich mehr Platz. Aus diesem Grund sei die Zentralklinik derzeit mit Heizungs- und Lüftungsplanern im Gespräch. „Wir können aber nicht ewig warten“, konstatiert Villinger. Zwar stehen in der orthopädischen Gemeinschaftspraxis Reichmann und Schlüter zwei OP-Säle zur Verfügung. Doch da in diesem Stockwerk kein Zugang zum Bettenaufzug vorhanden ist, fallen all die Operationen weg, nach denen die Patienten liegend auf Station gebracht werden müssen.

Container mit moderner OP-Technik

Jetzt aber gibt es eine Zwischenlösung. Mit einem Kran wurden auf der 150 Quadratmeter großen Terrasse vor der Bettenstation Container aufgestellt und mit moderner OP-Technik und Lüftung ausgestattet. Ein Patientenzimmer wurde zum Zugangs- und Desinfektionsbereich umfunktioniert, die Wand zur Terrasse und den beiden Operationssälen geöffnet. In den kommenden Monaten wird nun im Interims-OP gearbeitet, 90 Prozent der Leistungen sollen dort möglich sein.

Bis zum Sommer 2018 soll der dritte Stock wieder komplett umgestaltet sein, kündigt der Geschäftsführer an. „Die OP-Säle werden rückgebaut, die Lüftung kommt voraussichtlich aufs Dach, und die Dachterrasse wird wieder als Terrasse genutzt.“ Finanziert werde die Containerlösung von der Versicherung, die die Ausfallzeiten nach dem Brand ersetzt.

Sanitätshaus logiert in der Notfallpraxis

Das Feuer in der Querspange hat eine ganze Reihe von Umzügen ausgelöst. Weil die Praxisräume des Allgemein- und Unfallchirurgen Wolfgang Stauder neben dem OP-Trakt im dritten Stock ausbrannten, zog er innerhalb des Ärztehauses in die Gemeinschaftspraxis Reichmann und Schlüter. Seine frühere Praxis wird künftig dem neuen OP zugeschlagen, so dass drei große Operationssäle entstehen. Um für Stauder Platz zu schaffen, zieht das Sanitätshaus Weinmann aus der Gemeinschaftspraxis in die ehemalige Notfallpraxis. Dass die Abend- und Wochenendvertretung der Waiblinger Ärzte auf Dauer dichtgemacht hat, ist nicht nur dem Brand geschuldet. Laut Verein Notfallpraxis waren die Patientenzahlen schon zuvor immer weiter zurückgegangen, der Betrieb habe sich nicht mehr gelohnt. Abends und am Wochenende müssen die Waiblinger Patienten nun die Notfallpraxen in Winnenden und Schorndorf ansteuern. Dort sei die Versorgung wesentlich besser, hatte der Verein argumentiert: Samstags und sonntags habe man in Waiblingen keine Möglichkeit zum Röntgen gehabt, auch ein Labor hatte am Wochenende nicht zur Verfügung gestanden.


Der Brand

Am Abend des 8. April hat das Feuer in der Querspange einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Aus einem Brand bei den Müllcontainern war wenig später ein offenes Feuer geworden, das sich an der Außenfassade über alle Stockwerke des Ärzte- und Klinikhauses hochfraß. Verletzt wurde niemand.

Fünf Patienten konnten selbstständig das Gebäude verlassen und wurden in umliegenden Krankenhäusern untergebracht.

Die Polizei ging von Brandstiftung aus. Ein Täter wurde nie ermittelt.