Waiblingen

Parkplatz-Stress am Inneren Weidach

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Ein Parkschein. © Palmizi / ZVW

Waiblingen. Wer die S-Bahn bekommen muss, aber vergeblich einen Parkplatz sucht, weiß, was Stress ist. Fast täglich kreisen im P&R-Parkhaus am Inneren Weidach genervte Autofahrer und verstellen in ihrer Not oft auch Zufahrten und Behindertenplätze. Seit in Stuttgart regelmäßig Feinstaubalarme gelten, ist die Lage noch schlimmer geworden, klagt der Korber Bernhard Schüle. Was ihn besonders nervt: Seine Monatsparkkarte nützt nichts – einen Anspruch auf einen Parkplatz hat er nicht.

Den Stress im P&R-Parkhaus kennen viele Autofahrer. Auch Sibylle Schüle, die im Stuttgarter Milaneo arbeitet und fünfmal die Woche mit der S- und U-Bahn zur Arbeit fährt. Zum Waiblinger Bahnhof fuhr die Korberin mit dem Auto, das sie im Parkhaus am Inneren Weidach abstellte. Doch immer öfter fand sie keinen Parkplatz, obwohl sie fürs Parken zuvor ein Monatsparkticket gelöst hatte. Vom Waiblinger Ordnungsamt erfuhr sie auf ihre Nachfrage das, was sie aus leidvoller Erfahrung ohnehin schon wusste: Die 500 Parkplätze rund um den Bahnhof seien teilweise total belegt, das Problem kurzfristig aber nicht zu lösen. Im Übrigen habe sie trotz Ticket keinen Anspruch auf einen P&R-Parkplatz.

Nutzung müsste ÖPNV-Nutzern vorbehalten sein

Sibylle Schüle hat das Problem auf ihre Weise gelöst. Sie lässt sich jetzt von ihrem Mann zum Bahnhof bringen und von dort wieder abholen. Doch das kann ja nicht die Lösung sein, meint ihr Mann Bernhard Schüle. Damit Berufspendler – wie von der Politik gewünscht – tatsächlich auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, müsste die Nutzung des Parkhauses seiner Meinung nach auch den ÖPNV-Nutzern vorbehalten sein. Auch der Neubau eines Parkhauses mit weiteren Plätzen löst dieses Problem seiner Ansicht nicht.

Firmen wurden in der Garage Parkplätze angeboten

Tatsächlich parken auf den Parkplätzen am Bahnhof beileibe nicht nur S-Bahn-Nutzer. Auf einer ganzen Anzahl der Plätze, haben Schüles beobachtet, wird auch von Leuten geparkt, die offenbar in der Umgebung wohnen oder arbeiten. Das weiß auch Oberbürgermeister Andreas Hesky. Da es im Parkhaus bis vor wenigen Jahren genügend freie Plätze gegeben habe, habe man den Firmen in der Garage Parkplätze angeboten, erklärt er. Nun plane die Firma Stihl aber ein eigenes Parkhaus. Im Übrigen gibt es aus Sicht des Oberbürgermeisters auf dem P&-R-Parkplatz aber keine Chance, zu verhindern, dass auch Anwohner beziehungsweise Nicht-Bahnfahrer dort ihr Auto abstellen.

Neues Parkhaus wird später gebaut, als geplant

Dass das Parkhaus am Bahnhof zu klein ist, hat auch der Gemeinderat längst erkannt. Der Bau eines neuen und größeren Parkhauses wurde im März 2017 beschlossen, im kommenden September sollte die alte Garage abgebrochen werden. Doch Abbruch und Neubau werden sich wohl noch verzögern, da noch keine Zusagen über die Zuschüsse des Landes vorliegen. Erwartet werden Fördergelder in Höhe von 2,2 Millionen Euro, doch über diese Förderung werde erst 2018 beschlossen, so der Oberbürgermeister.

Hesky: "Wir sehen die Not und wir handeln. Der Druck ist enorm gestiegen"

Aber auch den Baubeginn im kommenden Jahr hält er für unwahrscheinlich, da sich die Bauphase dann in die Zeit der Remstal-Gartenschau 2019 ziehen würde. „Aus heutiger Sicht wird der Bau deshalb erst 2020 begonnen werden“, sagt Hesky. „Es sei denn, der Gemeinderat beschließt, sofort zu bauen, was ich aber nicht gut finden würde.“ Das Thema Neubau des P&R-Parkhauses steht auf der Tagesordnung des Planungsausschusses an diesem Donnerstag. Sehr unbefriedigend empfindet Hesky die Verzögerung, zumal er den Druck der Menschen gut verstehen könne. „Wir sind uns dessen bewusst“, versichert er. Andere Städte dagegen investierten gar nicht erst in P&R-Anlagen: „Wir sehen die Not und wir handeln. Der Druck ist enorm gestiegen.“

Auch in der Marktgarage gibt es keine festen Parkplätze

Verstehen kann er auch den Frust der Schüles, verweist allerdings auf den P&R-Platz in Neustadt, auf dem es noch genügend Platz für die Autofahrer gebe. Klar sei Waiblingen mit seinen beiden S-Bahn-Linien attraktiver als der Halt Neustadt / Hohenacker. Doch dort gebe es eben noch freie Kapazitäten, die jeder nutzen könne. Im Übrigen betont auch Andreas Hesky, dass es keinen Anspruch auf einen Parkplatz gebe aufgrund der Monatskarte, die nur 10 Euro kostet. Einen solchen Anspruch gibt es übrigens noch nicht einmal in der Markgarage, wo Autofahrer für das Monatsticket 83,30 Euro zahlen. Damit haben sie das Recht zu parken, auf zugewiesenen Parkplätzen aber nicht.


Neue Parkhaus-Planungen

Im Frühjahr hatte der Gemeinderat den Bau einer neuen Parkgarage beschlossen. Das neue Parkhaus wird nicht nur moderner und attraktiver, sondern auch deutlich größer: Statt derzeit 330 Parkplätzen auf zwei Etagen soll es dann 580 Parkplätze auf fünf versetzten Ebenen geben. Mit dem Neubau neben dem Fitness-Studio „Fit for less“ und der Ahmadiyya-Moschee, die derzeit gebaut wird, soll dem zunehmenden Bedarf an Parkplätzen rund um den Bahnhof entsprochen werden, aber auch die Nutzung des ÖPNV weiter angekurbelt werden. Bauen wird es die Parkierungsgesellschaft der Stadt Waiblingen.

Die Firma Stihl plant ein Parkhaus für ihre Mitarbeiter nahe beim Werk sechs.