Waiblingen

Personalmangel: Bäckerei Haag schließt

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Geschlossen. Auf einem Schild ist von technischen Störungen die Rede. Laut Geschäftsführer Alessandro Haag waren aber keine Verkäuferinnen zu finden. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. In manchen Regionen in Deutschland fallen Busse aus, weil Busfahrer fehlen; Cafés haben mangels Servicekräften nur noch tageweise geöffnet. Aber auch in Waiblingen ist der Personalmangel angekommen. In der Langen Straße hat Alessandro Haag seine Bäckerei-Filiale dichtgemacht, weil er keine Verkäuferinnen mehr findet. Der Handel tut sich schwer, Verkaufspersonal zu finden: Das bestätigt auch Isa Herrmann von der Agentur für Arbeit. Ganz besonders schwer sei es für Bäcker und Metzger.

Die Bäckerei Haag produziert ihre Backwaren in Schwaikheim. Dort betreibt sie ebenso wie in der Waiblinger Bahnhofstraße und in Winnenden auch noch Läden, in denen täglich Brot und frische Brötchen zu haben sind. Doch in der Langen Straße in Waiblingen ist seit ein paar Wochen Schluss. Von technischen Gründen ist auf einem Schild im Schaufenster die Rede. „Wegen Personalmangel haben wir die Filiale im Juni aufgelöst“, präzisiert Geschäftsführer Alessandro Haag im Gespräch mit der Zeitung. Generell sei es schwierig, Personal zu finden, vor allem schwer sei es aber im Verkauf. Teilweise hätten sie nicht mehr gewusst, wie sie den Betrieb in der Filiale stemmen könnten. „Wir mussten handeln“, sagt Haag. Für die Kunden tue es ihm leid. „Aber wir mussten uns entscheiden, welches Objekt wir präferieren.“

Die Industrie hat das Personal abgeworben

Dass es immer schwerer wird, Leute zu finden, weiß auch der Waiblinger Wirtschaftsförderer und Stadtmarketing-Chef Marc Funk. Die Industrie habe in den vergangenen Jahren Personal abgeworben, das sei im Einzelhandel und nun auch in der Gastronomie zu spüren.

Den großen Personalmangel im Handel bestätigt auch Isa Herrmann, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit. Vor allem im Nahrungsmittelbereich werde Verkaufspersonal händeringend gesucht, und besonders groß seien die Probleme bei den Bäckern und Metzgern. „Bei den Bäckern sind die Arbeitszeiten das Grundproblem“, erklärt Isa Herrmann. Nicht jeder hat Lust, schon morgens früh um sieben anzufangen. Zudem würden häufig Teilzeit-Verkäuferinnen gesucht, für die der frühe Anfang ein spezielles Problem darstellen kann: Denn wenn sich der Vater morgens nicht um die Kinder kümmern kann, wird’s eng mit der Betreuung morgens um sieben. Deutlich später starten dagegen andere Bereiche des Einzelhandels in den Tag: Wer zum Beispiel Jeans verkauft, Haushaltswaren oder Sportartikel, muss normalerweise nicht vor neun Uhr im Laden stehen.

Metzger haben es noch schwerer

Dazu kommt die Konkurrenz aus der Industrie, wo besser bezahlte Stellen locken. Wer Vollzeit arbeitet, weicht deshalb häufig aus. „Die Konkurrenzsituation ist groß“, weiß Isa Herrmann. Eine gelernte Bäckereifachverkäuferin verdient der Statistik der Agentur für Arbeit zufolge im Schnitt 1800 Euro im Monat. Im Buch-, Kunst- und Antiquitäten- und im Musikfachhandel verdienen die Menschen demnach durchschnittlich 2299 Euro. Wer Kleidung, Elektroartikel, Autos oder Hartwaren verkauft, sogar 2648 Euro. Wobei die Zahlen lediglich den Durchschnitt widerspiegeln: „Gezahlt wird sehr unterschiedlich“, betont die Arbeitsamtssprecherin. So gebe es auch Bäckereien, die ihren Angestellten deutlich mehr bezahlten.

Fakt ist: Je besser die Arbeitsmarktlage, desto schwerer wird es für Bäcker, sagt Isa Herrmann. Bundesweit sank die Zahl der Betriebe in den letzten zehn Jahren um fast ein Drittel. Branchenvertreter klagen über die wachsende Konkurrenz durch Großbäckereien.

Noch größere Probleme haben die Metzger. Wegen des Nahrungsmittels, aber auch wegen der frostigen Temperaturen in den Metzgerläden. Isa Herrmann: „Viele sagen, es ist kalt hinter der Theke. Damit komme ich nicht klar.“ In den vergangenen zehn Jahren hat bereits jeder dritte Metzger in Deutschland seinen Laden dichtgemacht. Wie auch bei den Bäckern, fehlt häufig der Nachwuchs. Die Folge: Selbst in den Städten werden die Wege zur nächsten Metzgerei immer weiter werden.