Waiblingen

Peter Oppenländer: Einer der besten Werbefotografen der Welt

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Peter Oppenländer in seinem Waiblinger Studio. © Ramona Adolf
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Der frei assoziierte, surreale Speisefisch. © Joachim Mogck
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Der gekürte Öltankdeckel der Firma Reutter Verschlusstechnik aus Leutenbach. © Joachim Mogck
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„Papier Art“ in der Galerie Stihl Waiblingen. © Joachim Mogck
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„Papier Art“ in der Galerie Stihl Waiblingen. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck
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Bilder von Peter Oppenländer aus Waiblingen, einem der besten Werbefotografen der Welt. © Joachim Mogck

Waiblingen. Mit seiner Kamera macht Peter Oppenländer einen Tankdeckel zu einem ästhetischen Erlebnis. Ob Skulptur oder scheinbar banale Alltagsgegenstände, immer geht es dem Waiblinger um die Kunst des Hinschauens, Staunens und In-Szene-Setzens. Jetzt gehört er auch ganz offiziell zu den besten Werbefotografen der Welt.

Beworben hat er sich nicht auf eigene Initiative, das Lürzer’s Archiv meldete sich umgekehrt bei ihm in Waiblingen. Ob er, Peter Oppenländer, nicht etwas beitragen möge zum neuen Band „200 Best Ad Photographers worldwide“ (200 beste Werbefotografen weltweit)? So ziemlich jeder in Werbebranche und Kreativwirtschaft kennt die Sonderbände der Fachzeitschrift, die Agenturen und PR-Abteilungen als Fundus der Inspiration dient und beim Aufspüren guter Fotografen hilft. Ausgewählt unter 8800 Einreichungen von 1200 Fotografen aus 22 Ländern wurde auch das Bild eines Öldeckels für das Leutenbacher Verschlusstechnik-Unternehmen Reutter. „Ein mutiger Kunde, der sich einlässt auf Neues, Ungewohntes und Freches.“ Der Deckel schimmert in endlosen Schattierungen von Gold, Gelb, Grün und Rosé . Mikroskopisch kleine Unebenheiten oder Kratzer sind nicht wegretouchiert, die Oberfläche ist nicht spiegelglatt getrickst. So lebt das tote Objekt auf und entwickelt eine Aura von Noblesse.

Werbefotos machen den Firmensitz zur Galerie

Diese Ästhetisierung des Gegenstands, der glasklare Blick und das Spiel mit Licht und Schatten zeichnen viele von Oppenländers Arbeiten aus. „Mir kann man alles hinlegen“, sagt der Fotograf bewusst salopp. Ob Skulptur oder Deckel, er versucht, das Motiv mit Liebe in Szene zu setzen, lichtet nicht einfach ab, was sich ihm darbietet. „Jedes Bild braucht seinen Aufbau, dabei pflege ich zunächst eine Art Schwarz-Weiß-Denken.“ Die zu erzielende Wirkung, die Emotion steht schon vorher fest. Im Schaffensprozess wird nichts dem Zufall überlassen. Im Dialog mit dem Auftraggeber schlägt der Fotograf mögliche Wege vor und versucht dem Kunden Mut zu machen zur Abstraktion. „Die Kunst besteht darin, Kleines groß zu machen.“ So brauchen die Reutter-Verschlüsse keine strahlenden Models, sie sprechen für sich. Einige Bilder wurden auf großes Format gezogen, hinter Acryl geklemmt und im Leutenbacher Firmensitz aufgehängt wie Gemälde im Museum. „Das funktioniert, schafft repräsentative Atmosphäre und passt zur Corporate Identity des Unternehmens.“

Als Sportfotograf unterwegs für den Zeitungsverlag Waiblingen

Für alte Waiblinger ist der Name Oppenländer untrennbar verbunden mit Opal. Peter Oppenländers Urgroßvater Karl war’s, der einen kleinen Betrieb zu einem großen Unternehmen formte. Was wenige wissen: Der spätere Fabrikant und Ehrenbürger begann als Fotograf – seine Bilderrahmen waren der Ursprung der Fabrik für Kleinmöbel. Technisch-künstlerischer Mentor für Peter Oppenländer war wiederum ein Fotograf aus der Familie. Und als der Jungspund, der zur Konfirmation seine erste Fotoausrüstung bekam, bei einem Tennisturnier Bilder schoss, wurde er von Sportredakteur Jürgen Wolf für den Zeitungsverlag Waiblingen „entdeckt“. So machte er schon als Jugendlicher zahlreiche Sportbilder für die WKZ. Vom Journalismus hat er sich jedoch längst verabschiedet. „Dort ist alles fest vorgegeben, beständig herrscht Zeitdruck.“ In der Werbebranche sollte er mehr Freiheit finden. Von 1993 an besuchte er die Berufsfachschule für Design des Lette-Vereins Berlin, wagte 1995 den Schritt in die Selbstständigkeit, kämpfte sich durch Zeiten der Ungewissheit, fasste allmählich aber Fuß. Heute fotografiert er Designermöbel, Nobelhotels, die Firma Kärcher bei der Reinigung des Weltkulturerbe-Klosters Maulbronn, Lorinser'sche Nobel-Karossen und Sägen-Innovationen von Stihl.

Waiblingen-Kalender und Kataloge für die Galerie Stihl

Ob Menschen, Industrie, Architektur, Kulinarik oder Kunst: „Wahrscheinlich rührt es von meinem Werdegang her, dass ich auf kein Thema festgelegt bin. “ Wie bislang jede Ausstellung in der Galerie Stihl Waiblingen wird er jetzt Goyas Grotesken kongenial ins rechte Licht rücken. Eine besonders reizvolle Aufgabe war’s, die „Papier Art“-Schau mit ihren filigranen, luftigen Exponaten zu dokumentieren. Dazu erschien ein auch im Design hochwertiger Katalog, fast ein Kunstwerk für sich. Überhaupt, Waiblingen: Seine Heimatstadt hat er ungezählte Male aufgenommen. In vielen Häusern hingen seine Kalender, die auffälligen Bilder auf dem Internetauftritt der Stadt stammen ebenfalls von ihm.

Mit Knalleffekt fotografierte er für eine Stuttgarter Werbeagentur Rosen, Tulpen, Tomaten und Chilis, auf die scharf geschossen wurde. Der Moment des Durchschusses, des Zerreißens der Haut, der Saft-Explosion: Da zeigt Peter Oppenländer ein Stück Wirklichkeit, das sich dem menschlichen Auge sonst entzieht. „Fotografie ist Organisation auf den Zeitpunkt“, sagt er. Vorbilder im engeren Sinne hat er nicht, aber bei den ganz Großen vieles abgeguckt, etwa bei Helmut Newton, Peter Lindbergh, Robert Mapplethorpe und Andreas Gursky. Leute, die Fotografie zur Kunstform erhoben. Je weniger der Kunde reinredet, desto mehr Kunst steckt auch bei Peter Oppenländer im Bild. Wenn er zum Ausgleich die ganz freien Arbeiten macht, kann ziemlich Surreales entstehen. Wie der farbenprächtige Fisch mit Löffeln und Gabeln, eine Hommage an Salvador Dali.

Syrische Küche

Ein besonders appetitliches Genre, dem sich Peter Oppenländer widmet, ist die Food-Fotografie. Essen wird dabei nicht nur Augenschmaus, sondern manchmal auch Stillleben mit künstlerischem Wert. Rein ehrenamtlich wirkte der Waiblinger bei einem außergewöhnlichen Projekt mit: dem Buch „Fadi kocht syrisch“. Von einer Bekannten aus Aachen im September darauf angesprochen, sagte Peter Oppenländer sofort zu.

Fadi Alauwad war in seiner Heimat ein berühmter Fernsehkoch. Er floh 2014 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Aachen. Da die Lage der Menschen in Syrien schnelles Handeln erfordert, sollte das Buch aus Marketinggründen auf jeden Fall zum Weihnachtsgeschäft fertig sein. „In einem klassischen Verlag eine undenkbare Situation – in acht Wochen ein Buch mit 120 Seiten inhaltlich und gestalterisch nicht nur zu konzipieren, sondern auch umzusetzen, zu produzieren und zu vermarkten. Mit der Hürde, dass alle Rezepte vom Arabischen ins Englische und danach ins Deutsche zu übersetzen sind. Im normalen Verlagsgeschäft vergehen von der Buchidee bis zur Auslieferung an die Buchhandlungen durchschnittlich neun Monate“, meint „Projektbeschleunigerin“ und Marketingfrau Meike Fernandez-Steeger. Das Buch ist ausverkauft, Nachschub wird produziert.