Waiblingen

Pfefferspray, Ohrfeige, Beleidigung: Familienstreit landet vor Waiblinger Gericht

amtsgericht Waiblingen
Symbolbild: Das Schild am Eingang des Amtsgerichts in Waiblingen. © ZVW/Büttner

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: So ungefähr sah das Ergebnis eines Strafprozesses vor dem Waiblinger Amtsgericht aus, nachdem sich ehemalige Verwandte gegenseitig wegen Körperverletzung bei der Polizei angezeigt hatten. Beide Verfahren wurden gegen jeweils 700 Euro eingestellt und das Geld bekommt die Diakonie Stetten.

Streit um die Trennung und Scheidung eines Ehepaares

Zuerst musste der Ex-Schwiegervater zahlen, weil er dem Ex-Schwiegersohn Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat, und jetzt muss der Ex-Schwiegersohn zahlen, weil er der Ex-Schwägerin eine Ohrfeige verpasst hat: An dem Wörtchen Ex dröselte sich der ganze Familienstreit um die Trennung und Scheidung eines Ehepaares und das jedem von beiden hälftig gehörende Haus in einem Waiblinger Wohngebiet auf.

Ärztliches Attest nach Ohrfeige

Dort wollte der 47-jährige Mann, mittlerweile nach Fellbach gezogen, am 22. Mai vergangenen Jahres gegen 17.20 Uhr seine Ex-Schwägerin lediglich beim Herumfuchteln mit den Händen an der Backe erwischt haben. Weil ihm das Pfefferspray vom Ex-Schwiegervater so in den Augen gebrannt habe. Die Ex-Schwägerin hingegen wollte sich derart heftig eine von ihm gefangen haben, dass es für ein ärztliches Attest über Schmerzen, eine Dispersion der Halswirbelsäule und eine beidseitige Schulterprellung reichte.

Der Angeklagte zur Vorgeschichte: „Ich bin an jenem Samstagnachmittag auf unser gemeinsames Grundstück gefahren, um ein Auto abzustellen. Weil die Garage offen war, die mir sonst verwehrt wird, habe ich ein paar Fotos gemacht. Ich hab’ auch Bilder vom Garten gemacht, als ich sah, dass die Terrasse erweitert wird. Da kam meine Ex-Schwägerin heraus und sagte, ich soll verschwinden.“

Zeuge bestätigt Vorfall

Als er sein Werkzeug aus der Garage habe mitnehmen wollen, fuhr der Beschuldigte fort, habe ihm sein Ex-Schwiegervater eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und dabei so laut „Hilfe, Hilfe“ geschrien, dass ein Nachbar herbeigeeilt sei. Der 33-jährige Nachbar beteuerte als Zeuge vor Gericht, er habe durchs Toilettenfenster gesehen, wie der weinende Angeklagte seiner Ex-Schwägerin „eine scheuert“. Der ältere Herr, damit meinte der Nachbar den Ex-Schwiegervater, sei auch schon ganz hysterisch gewesen.

Die 48-jährige Ex-Schwägerin gab an, sie hätte Angst bekommen, als der Angeklagte sein Werkzeug in die Hand nahm. Sie habe ihrem alten, kranken Vater helfen wollen und versucht, das Garagentor zuzumachen, damit ihr Ex-Schwager nicht mehr herauskommt. Dieser jedoch habe das Garagentor aus den Angeln gehoben und dabei auch noch die Wasserleitung kaputt gemacht, ganz abgesehen davon, dass er sie als „fette Sau“ bezeichnet hätte.

Videokamera filmt Ohrfeige-Vorfall nicht

„Wenn Sie Ihrem Vater helfen wollen, was machen Sie dann in der Garage“, fragte die Verteidigerin Susanne Schneider. „Ich sagte, er soll raus aus der Garage“, wich die Ex-Schwägerin aus. Ihre Schwester hätte ihr erlaubt, sich auf dem Anwesen aufzuhalten, wo auch ihre Eltern wohnen, denn dieser gehöre ja schließlich die Hälfte. „Hat Ihr Vater eine Videokamera installiert“, wollte Richterin Basoglu-Waselzada mit einem Blick in die Akten wissen. „Es gibt eine“, antwortete die Ex-Schwägerin. Bei der Sache mit der Ohrfeige jedoch habe die Kamera gerade nicht funktioniert.

Richterin schlägt Einstellung des Strafverfahrens vor

Polizeibeamte mussten nicht auch noch in den Zeugenstand, um den handfesten Familienstreit zu schildern, bei dem sie gar nicht dabei waren. Die Richterin schlug nämlich eine Einstellung des Strafverfahrens vor, wie es schon beim Ex-Schwiegervater der Fall war. Und zwar gegen eine Geldauflage in derselben Höhe. Damit war der Ex-Schwiegersohn ebenfalls mit der Zahlung von 700 Euro gesegnet, die er bis zum 15. Juni an die Diakonie Stetten überweisen muss. Was bei der Gerichtsverhandlung auch noch zur Sprache kam, war, dass es leider nicht nur Streit um die Habseligkeiten gibt, sondern auch um die gemeinsamen Kinder des geschiedenen Paares.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: So ungefähr sah das Ergebnis eines Strafprozesses vor dem Waiblinger Amtsgericht aus, nachdem sich ehemalige Verwandte gegenseitig wegen Körperverletzung bei der Polizei angezeigt hatten. Beide Verfahren wurden gegen jeweils 700 Euro eingestellt und das Geld bekommt die Diakonie Stetten.

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Streit um die Trennung und Scheidung eines Ehepaares

Zuerst musste der Ex-Schwiegervater zahlen, weil er dem Ex-Schwiegersohn

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