Waiblingen

Polizistin, Busfahrer, Fotografin: Wie Menschen, die an Weihnachten arbeiten, die Feiertage erleben

Polizistin Jagiella
Auf Streifendienst an den Feiertagen: Polizeihauptmeisterin Stephanie Jagiella - nur fürs Foto hat sie die Maske kurz abgenommen. © Gabriel Habermann

Weihnachten ist das Fest der Freude, Liebe und Besinnlichkeit. Die zweieinhalb Feiertage verbringen die meisten mit ihrer Familie und ihren Freunden. Währenddessen sorgen einige wenige dafür, dass wir unbekümmert feiern können: auf Streife, in der Notrufzentrale und auf der Anreise zum Fest. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Die Polizistin: Stephanie Jagiella

Um die Sicherheit der rund 1100 Gemeinden im Land und ihren knapp 10,47 Millionen Einwohnern auch an Weihnachten zu gewährleisten, darf eine Berufsgruppe an Weihnachten kein Urlaub machen: die Polizistinnen und Polizisten. An 365 Tagen im Jahr, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag sind sie im Einsatz. Dienst an Weihnachten ist dabei keine Seltenheit.

Auch für Polizeihauptmeisterin Stephanie Jagiella ist es nicht das erste Mal. Von 12.30 bis 20 Uhr ist die 27-Jährige am ersten Weihnachtsfeiertag im Einsatz. Dieses Mal sei es jedoch nicht wie sonst. „Die Menschen sind traurig, dass es dieses Jahr ein anderes Weihnachten ist als sonst“, sagt die 27-Jährige. Dennoch akzeptierten die meisten die Corona-Verordnungen. „Die Hoffnung, dass das nächste Weihnachten wieder wird wie früher, ist groß. Dafür schränken sich die meisten Menschen dieses Jahr gerne ein“, sagt Stephanie Jagiella. Das macht sich auch auf den Straßen bemerkbar: „Es ist deutlich weniger los.“ Nur kurz vor und kurz nach der Abendessenszeit herrsche mehr Verkehr. „Man merkt, wann die Menschen zur Familie oder zum Fest fahren und wann wieder zurück“, sagt die Polizeihauptmeisterin. Generell sei es an diesem Weihnachtsfest ruhig gewesen: Es sei nichts Nennenswertes passiert, weder Verstöße gegen die Corona-Verordnungen noch Verbrechen. Übrigens: Ganz hat Stephanie Jagiella auf das Fest der Liebe nicht verzichten müssen: Heiligabend hat die Polizistin bei ihren Eltern verbracht.

In der Notrufzentrale: Nico Schneider und Bernhard Stickel

Zu den Berufsgruppen, die an Weihnachten arbeiten müssen, gehören auch die Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die in der Integrierten Leitstelle (ILS) Rems-Murr in Waiblingen die Notrufe entgegennehmen und Rettung koordinieren. Wer die 112 wählt, landet bei ihnen – rund um die Uhr, an jedem Tag. „Es macht mir nichts aus“, sagt Leitstellen-Disponent Nico Schneider. Der Jahresdienstplan schreibt die Schichten vor „und der nimmt keine Rücksicht auf Feiertage“, sagt Bernhard Stickel, der zweite Disponent, der an diesem Weihnachten Dienst geschoben hat. In der Leitstelle wird eine Liste geführt, in die sich die Disponenten freiwillig für Feiertagsdienste eintragen können. Diese Absprachen im Vorfeld funktionieren gut. „Ich arbeite Weihnachten gern, damit meine Kollegen mit ihren Kindern Bescherung feiern können.“ Nur: Wer an Weihnachten arbeite, würde dann aber schon gerne an Silvester freihaben. An Heiligabend gibt es erfahrungsgemäß auch weniger Notrufe, wissen die erfahrenen Leitstellen-Disponenten. „Weihnachten befinden sich die Menschen in gesicherten Räumen“, sagt Stickel. Es gebe weniger Arbeits- und Verkehrsunfälle.

Zwar sei die Gefahr wegen unbeaufsichtigter Kerzen über die Feiertage größer, aber trotzdem steige die Einsatzkurve für die Feuerwehren nicht rasant an. Die Leitstelle koordiniert auch deren Einsätze. Dienst haben bei der Freiwilligen Feuerwehr Waiblingen an Weihnachten übrigens nur Ehrenamtliche – die Berufsfeuerwehrleute haben frei, erklärt Pressesprecher Nick Bley. Die mehr als 370 ehrenamtlichen Einsatzmitglieder sind an Weihnachten rund um die Uhr in Rufbereitschaft.

An Heiligabend arbeitet in der Leitstelle eine Person weniger als gewöhnlich. Von 7 bis 15 Uhr sind es vier Personen. Danach sind noch drei Personen im Dienst. Ab 20 Uhr übernimmt die Nachtschicht bis 6 Uhr. Schneider und Stickel hatten heuer den Dienst von 13 bis 20 Uhr. „Davor und danach können auch wir Weihnachten feiern.“ Und: „Corona macht es uns, die an den Feiertagen arbeiten, einfacher, weil wir ja auch zu Hause nicht so viel machen können“, sagt Bernhard Stickel. Ohne Pandemie wäre er in den Skiurlaub gefahren, nun hat er nach Dienstende mit seiner Frau gefeiert. In der Leitstelle haben er und sein Kollege Schneider wie sonst auch in der kleinen Küche eine Weihnachtspastete vorbereitet. „Wir sind es gewohnt, das Essen und Trinken schlagartig zu unterbrechen, wenn ein Notruf eingeht.“

Im „Covid-Team“ der Stadt: Monika Sing-McCampbell

Da Corona auch vor Weihnachten keinen Halt macht, darf das Covid-Team der Stadt Waiblingen keinen Urlaub machen. Wenn das Gesundheitsamt positive Fälle meldet, geht die Arbeit los: Erfassen, kontaktieren und versuchen, die Infektionskette zu rekonstruieren. „Es ist nicht schön, dass man die Menschen an Heiligabend benachrichtigen muss, dass sie positiv auf Corona getestet wurden“, sagt Covid-Team-Mitarbeiterin Monika Sing-McCampbell. Immerhin: „Viele wurden schon durch ihre Ärzte oder die Corona-Warn-App benachrichtigt“, sagt die 53-Jährige. Sie hat vor der Corona-Krise noch in der Abteilung Grundstücksverkehr im Rathaus gearbeitet.

Seit Beginn der Pandemie gehört sie dem Covid-Team an, in dem im Regelbetrieb mehr als zehn Personen mit Kontaktnachverfolgung, im Telefon- und Zustelldienst beschäftigt sind. Über Weihnachten haben zwei Personen die Schichten der Kontaktnachverfolgung von 9 bis 19 Uhr übernommen, eine Person die Zustellungen und drei Kollegen klinken sich stundenweise oder halbtags in den Telefondienst ein. Fast alle aus dem Home-Office. „Ohne das tolle Team würde das Ganze nicht funktionieren“, sagt Sing-McCampbell. Für die Feiertage hätten sich immer Freiwillige gefunden. So konnten Kollegen mit Kindern Heiligabend mit der Familie verbringen. Für die Schorndorferin war es das erste Mal, dass sie an Weihnachten arbeiten musste. Nach ihrem Dienst am 24. Dezember habe sie dann noch mit ihrer Familie in kleinem Kreis gefeiert.

Insgesamt seien es ruhige Feiertage gewesen. Lediglich 60 Neuinfektionen wurden dem Team gemeldet. Generell sei die Arbeit an Feiertagen entspannter, da nicht so oft das Telefon klingelt, sagt Sing-McCampbell. Doch gelegentlich sei der Job auch richtige Detektivarbeit: „Manchmal stimmt die Adresse nicht mehr, weil die Personen sich nicht umgemeldet oder der Krankenkasse nicht ihre neue Adresse mitgeteilt haben.“

Der Busfahrer: Francesco Trezza

Wer kein Auto hat, nimmt Bus und Bahn. Auch an Weihnachten stehen die „Öffis“ nicht still: Ob zur Weihnachtsfeier, zum Ehrenamt oder zur Arbeit – der öffentliche Nahverkehr kann keinen Urlaub machen. Busfahrer Francesco Trezza meldet sich für diese Zeit gerne freiwillig, damit seine Kolleginnen und Kollegen mit ihren Familien feiern können. „Ich bin alleinstehend und habe keine Kinder. Dann sollen lieber meine Kollegen mit ihren Familien feiern“, sagt Trezza. Seine eigene Familie lebe in Italien – wegen der Pandemie könnte er sie ohnehin nicht besuchen. Nur den Bruder, der in der Gegend wohnt, hat er in diesen Tagen einmal nach der letzten Fahrt getroffen.

Francesco Trezza hat die Frühschicht an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag übernommen. „Ich habe gerne Dienst an Weihnachten“, sagt der 52-Jährige. „Es sind weniger Passagiere und die Straßen sind leer.“ Er sei gerne Busfahrer, so der 52-Jährige. Die Sicherheit der Fahrgäste stehe für ihn an erster Stelle. Der Höhepunkt seines diesjährigen Weihnachtsdienstes war das Geschenk eines Fahrgastes. „An Heiligabend habe ich Schokolade geschenkt bekommen. Das war eine nette Geste“, erzählt der Leutenbacher – zumal viele Fahrgäste nicht mal ein „Hallo“ herausbekämen, geschweige denn ein „frohe Weihnachten“. Dennoch scheinen sich gerade zu Weihnachten die Gemüter zu beruhigen. Beschwerden von Gästen, zum Beispiel über Verspätungen, seien weniger geworden.

Die Presse-Fotografin: Gaby Schneider

Auch bei unserer Zeitung steht über Weihnachten die Redaktion nicht still: Feiertags- und Bereitschaftsdienste schieben sowohl die Redakteure als auch die Fotografen. Besonders Letztere sind zu Weihnachten viel im Einsatz. Pressefotografin Gaby Schneider springt von einer Veranstaltung zur nächsten. Für die 61-Jährige ist es nicht das erste Mal, dass sie an den Feiertagen arbeitet. Da sie selbst kein großer Fan von Weihnachten ist, schafft sie lieber, statt zu feiern. Ihr diesjähriger Dienst unterschied sich allerdings deutlich von den bisherigen Weihnachtsdiensten. „Bisher war es immer an Heiligabend stressig“, berichtet sie. „Dieses Jahr hatten wir den Stress davor, da nichts wirklich planbar war.“

Statt wie gewöhnlich zwölf Termine an Heiligabend, waren es dieses Jahr nur acht. Auch die Stimmung sei eine andere gewesen: Die Menschen waren zwar stiller und bedrückter, aber freundlicher. „In den letzten Jahren waren die Menschen an Weihnachten sehr hektisch“, so die Geradstettenerin. Daher freue sie sich über die positive Entwicklung: „Ich habe zwar nur einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft getroffen, allerdings waren alle sehr freundlich.“ Trotz der vielen Corona-Beschränkungen seien alle Veranstaltungen straff organisiert gewesen. „In Grunbach standen die Personen am Einlass im strömendem Regen und ließen dennoch alle Gäste die Zettel ausfüllen. Egal, wie nass sie auch wurden“, sagt Schneider.

Früher ist die Fotografin über die Feiertage nach Südamerika geflogen oder ging an Heiligabend nach der Arbeit noch in ihre Stammkneipe. Dass das aufgrund der Pandemie momentan nicht möglich ist, sei für sie jedoch kein Problem: „Die Situation erfordert nun mal, dass wir uns einschränken und auch mal an andere denken“. Deshalb besuche sie dieses Weihnachten auch nicht ihre Mutter: „Sie sagte selbst, ich solle zu Hause bleiben. Wir müssen dieses Jahr eben einsehen, dass es zu gefährlich wäre.“

Weihnachten ist das Fest der Freude, Liebe und Besinnlichkeit. Die zweieinhalb Feiertage verbringen die meisten mit ihrer Familie und ihren Freunden. Währenddessen sorgen einige wenige dafür, dass wir unbekümmert feiern können: auf Streife, in der Notrufzentrale und auf der Anreise zum Fest. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Die Polizistin: Stephanie Jagiella

Um die Sicherheit der rund 1100 Gemeinden im Land und ihren knapp 10,47 Millionen Einwohnern auch an Weihnachten zu

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