Waiblingen

Prepper: Gut vorbereitet für den Ernstfall

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Der Waiblinger Prepper McKoy mit seinem kleinen Notfallrucksack. © Sarah Utz
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Prepper McKoy
Multitools findet McKoy besonders praktisch. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg rät die Bundesregierung, Notvorräte anzulegen. Einen Waiblinger, der sich McKoy nennt, überrascht das nicht. Er ist ein „Prepper“ – jemand, der sich akribisch auf den Katastrophenfall vorbereitet. An einem sicheren Ort hat er genügend Vorräte gebunkert, um mit seiner Familie einige Monate autark überleben zu können.

Video: Was packt McKoy in seinen Notfall-Rucksack?

„Ich rechne nicht damit, dass ein dritter Weltkrieg ausbricht“, sagt der amerikanisch-türkischstämmige Waiblinger, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. McKoy nennt er sich, nach dem Familiennamen seines Vaters. Im richtigen Leben verkauft er Brennholz und arbeitet als Dienstleister für Sportanlagen. Doch er hat ein außergewöhnliches Hobby: die Krisenvorbereitung. Er sei aber kein Verschwörungstheoretiker, sagt der 50-Jährige. Für wahrscheinlicher halte er eine Naturkatastrophe oder einen Stromausfall. „Ein paar Tage ohne Strom würden reichen, um ein riesengroßes Chaos auszulösen“, ist er überzeugt. Für diesen Fall will er vorbereitet sein. Vor zehn Jahren hat er sich deshalb einen „sicheren Ort“ geschaffen. So bezeichnen Prepper (vom englischen „to prepare“ = vorbereiten) einen geheimen Ort, an dem sie im Katastrophenfall autark überleben könnten.

Vorbereitung für den Ernstfall

Bei McKoy ist das ein Gartengrundstück. Normalerweise werden dort Grillfeste gefeiert – im Notfall könnte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen Schutz suchen. Vier Monate lang könnten sie dort ohne Zugang zur Außenwelt überleben, schätzt McKoy. Neben warmen Decken und Ersatzkleidung lagert in der Hütte auf dem Stückle ein beachtlicher Lebensmittelvorrat: mehr als 200 Konservendosen, kiloweise Bulgur und gut 100 Päckchen Instant-Nudeln. Ein eigener Brunnen sichert die Wasserversorgung.

 

Alles alltagstauglich, nur von allem ein bisschen mehr

„Gut sind im Notfall Lebensmittel, die kaum oder gar nicht weiterverarbeitet werden müssen“, weiß der Prepper. Daneben komme es auf den Kalorien- und Eiweißgehalt an. Thunfisch, Bohnen, Nüsse oder Dosenobst seien empfehlenswert. Ein richtig angelegter Notvorrat sei gar nicht auffällig, sondern sogar alltagstauglich: „Bei uns ist alles in den Haushalt integriert, wir haben nur von allem ein bisschen mehr“, erklärt McKoy. Auch Toilettenpapier, Medikamente und Chlor – im Haushalt als Putzmittel, im Krisenfall zur Desinfektion – hat er immer in größeren Mengen im Haus. Zudem hat er immer zwei Notrucksäcke gepackt – einen kleineren mit dem Nötigsten im Auto und einen größeren zu Hause, in dem Kleidung, Isomatte und Schlafsack stecken.

Die Vorsorge liegt McKoy offenbar im Blut

Sein amerikanischer Vater habe beispielsweise immer zwei Ersatzreifen im Auto gehabt, seine türkische Mutter ein Köfferchen für eventuelle Krankenhausaufenthalte gepackt. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt der Mann, der für den Ernstfall bestens vorbereitet ist. Weitere Survival-Kenntnisse habe er in den viereinhalb Jahren gesammelt, in denen er bei der Nato ausgebildet worden sei, erzählt er.

Wie bereitet man sich vor?

Sein Wissen gibt McKoy gerne weiter: Er hält bei Firmen Workshops zum Katastrophenschutz und gibt Privatpersonen Tipps zur Vorbereitung auf den Ernstfall. Diese Beratung sei notwendig, sagt McKoy. „Viele wollen zwar vorsorgen, bedenken aber die einfachsten Dinge nicht, wie zum Beispiel, dass ohne Strom eben auch der Herd nicht mehr funktioniert.“

Nur eines, das will er nicht verraten: Wo sein sicherer Ort ist, bleibt sein Geheimnis – zum Schutz vor Plünderern, wie er sagt.

Von was wie viel

Wer sich selbst auch auf den Ernstfall vorbereiten will, für den hat das Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe diverse Checklisten auf der Homepage parat. Wie groß der Lebensmittelvorrat sein sollte, kann man sich online ausrechnen lassen. Hier geht es zum Vorrats-Rechner des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung.


Offizielle Stimmen

Auch die Stadt Waiblingen rät auf ihrer Internetseite zur privaten Vorsorge für den Notfall – vier Unterseiten widmet sie dem Thema „Katastrophenschutz“.

Zuständig für den Katastrophenschutz ist das Landratsamt. Daniel Köngeter von der Stabsstelle Katastrophen- und Brandschutz sagt, neu sei die Empfehlung der Bundesregierung zwar nicht. Aber es sei sinnvoll, die Bevölkerung zu sensibilisieren. „Gehen Sie mal Ihre Vorräte durch und überlegen Sie, wie lange Sie sich tatsächlich autark versorgen könnten“, rät er. Jeder Einzelne sei hier gefragt, denn man dürfe nicht vergessen, dass im Ernstfall alle – auch Behörden und Feuerwehren – ein Problem hätten.

Notvorräte haben Gemeinden und Landkreise übrigens nicht. „Die Bevorratung ist Aufgabe des Bundes“, erläutert Köngeter.