Waiblingen

Probefahrt mit dem Lastenrad: Ist das eine Alternative zum Auto?

Lastenrad
© ZVW/Benjamin Büttner

Auf der Straße oder den Fahrradwegen kommen mir immer häufiger Lastenräder entgegen. Kinder, Haustiere, Bierkisten, der Wocheneinkauf einer Familie oder auch eine Mischung aus alldem finden Platz in den großen Transportboxen. Das ist praktisch, erst recht, wenn man wie ich kein eigenes Auto hat. Umweltfreundlich ist diese Art der Fortbewegung noch dazu. Dennoch habe ich die Gefährte, die von der Länge her mit einem Kleinstwagen mithalten können, bisher respektvoll aus der Ferne bewundert. Seit Anfang Oktober kann ein solches Lastenrad bei der Parkierungsgesellschaft Waiblingen ausgeliehen werden, und ich wage eine Probefahrt.

Ein Anruf reicht, dann kann es losgehen. Schnell und unkompliziert kann ich das Lastenrad beim Parkwart der Marktgarage reservieren. Dort steht das Rad gut sichtbar in der Nähe der Ein- und Ausfahrt. Ein Mitarbeiter erklärt mir kurz, was ich beim Fahren beachten muss und wie ich das Rad abstellen und abschließen kann. Mit einem Knopfdruck aktiviert er den elektrischen Motor und schärft mir ein, vorsichtig zu fahren: „Es ist sehr ungewohnt und braucht etwas Übung.“ Ich bin eine der Ersten, die mit dem Rad unterwegs ist, noch liegen die Ausleihen im einstelligen Bereich, sagt Werner Nußbaum, Geschäftsführer der Parkierungsgesellschaft Waiblingen.

Stelle ich mich auch an wie der erste Mensch, der ein Lastenrad fährt? Ein bisschen schon. Denn bereits das Anfahren entpuppt sich als eine kleine Herausforderung. Ich fühle mich wie in der ersten Fahrstunden: Anfahren am Berg klappt gleich mal gar nicht. Ich schiebe also mein geliehenes Gefährt die Ausfahrt aus dem Parkhaus hinauf und steige dann in den Sattel. Doch auch das ist gar nicht so einfach: Auf dem rund 2,80 Meter langen und um die 80 Kilogramm schweren Rad schwanke ich hin und her, bevor ich mein Gleichgewicht finde. So traue ich mich nicht auf die Straße und steuere lieber erst einmal eine wenig belebte Straße und einen Parkplatz an, um mich an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Schon nach ein paar Hundert Metern und einigen Kurven zwischen Beinsteiner Tor und Galerie Stihl werde ich sicherer, kann Lenkung und Wendekreis des Lastenrads einschätzen, erweitere meinen Radius und fahre etwas schneller.

Ohne Anstrengung auf die Korber Höhe

Sogar ohne Elektromotor fährt sich das Lastenrad auf ebener Strecke leicht. Noch leichter und schneller geht es natürlich mit Unterstützung. Der Motor schnurrt sanft, und ruck, zuck habe ich 25 Stundenkilometer drauf. Auf dem an diesem Vormittag nahezu menschenleeren Radweg an der Rems traue ich mich sogar, noch einen Zahn zuzulegen. Per Knopfdruck kann ich zwischen den Modi Eco, Tour und EMTB wählen, vom Turbo hat man mir abgeraten. Als ich diesen Modus dennoch ausprobiere, beschleunigt das Rad noch mal merklich. Für ein so hohes Tempo fehlt mir die Routine, so dass ich schnell zurück in den Tour-Modus wechsle.

Nachdem ich mich auf der Ebene sicher fühle, wage ich mich auf den Berg. Der Anstieg auf die Korber Höhe ist mit der elektrischen Unterstützung ohne Anstrengung zu schaffen, in allen Modi kann ich zusätzlich am Rad einstellen, ob ich bergauf, bergab oder auf ebener Strecke unterwegs bin. Ins Schwitzen komme ich immer nur dann, wenn der Fahrradweg eng ist oder Gegenverkehr in Sicht ist. An die Ausmaße des Lastenrads muss ich mich wohl doch erst noch gewöhnen. Und auch an meinem Gleichgewichtssinn muss ich arbeiten, zeigt mir meine Probefahrt: Fahre ich nun schon sicher, solange ich beide Hände am Lenker habe, wird es ganz schön wacklig, wenn ich einen Arm ausstrecke, um einen Richtungswechsel anzuzeigen.

Zurück am Ausgangspunkt in der Marktgarage ziehe ich ein positives Fazit: Als ich mich erst einmal an die Maße und das Gewicht des Rads gewöhnt hatte, hat die Fahrt Spaß gemacht, und das Ausleih-Lastenrad ist eine gute Alternative für alle, die etwas transportieren möchten, aber keinen Führerschein oder kein Auto haben. Bis zu 100 Kilogramm darf die Last in der Transportbox wiegen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich bei meiner ersten Fahrt noch nicht getraut hätte, mit voller Beladung unterwegs zu sein. Aber auch das ist sicher nur eine Frage der Übung, und dann kann das Lastenrad eine umweltfreundliche Alternative zum Auto sein. Werner Nußbaum hofft, dass in den kommenden Monaten immer mehr Menschen auf das neue Ausleih-Lastenrad aufmerksam werden und spätestens im Frühjahr und Sommer die Ausleihzahlen deutlich steigen.

Auf der Straße oder den Fahrradwegen kommen mir immer häufiger Lastenräder entgegen. Kinder, Haustiere, Bierkisten, der Wocheneinkauf einer Familie oder auch eine Mischung aus alldem finden Platz in den großen Transportboxen. Das ist praktisch, erst recht, wenn man wie ich kein eigenes Auto hat. Umweltfreundlich ist diese Art der Fortbewegung noch dazu. Dennoch habe ich die Gefährte, die von der Länge her mit einem Kleinstwagen mithalten können, bisher respektvoll aus der Ferne bewundert.

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