Waiblingen

Rehkitze in Lebensgefahr

Rehkitz
Ein wenige Tage altes Rehkitz im hohen Gras rennt bei Gefahr nicht weg, sondern macht sich ganz klein. Gegen eine Mähmaschine auf der Wiese hilft diese Strategie nicht. © Pixabay (CC0 Creative Commons)

Ein kleines Rehkitz flieht nicht. Bei Gefahr macht es sich im hohen Gras ganz klein und versucht, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Doch vor einer Mähmaschine ist der Schutzreflex tödlich. Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze einen qualvollen Tod, werden von Mähern zerstückelt und schrecklich verletzt. Dabei kann das einfach verhindert werden, sagt der Hohenacker Jagdpächter Hans Hellmann.

Die kleinen Rehe bleiben still liegen

Anfang, Mitte Mai bringen die Rehe ihre Jungen zur Welt. Tagsüber setzen sie ihre wenigen Tage alten Kleinen im hohen Gras ab, wo sie still liegenbleiben, bis sie von ihrer Mutter wieder geholt werden. „Weil sie keine Witterung abgeben, werden sie von Hunden nicht bemerkt“, sagt der Hohenacker Jagdpächter Hans Hellmann. „Nur das Mähen ist für sie eine Gefahr.“ Denn ausgerechnet in den ersten Lebenswochen der Rehkitze werfen auch die Landwirte und Hobby-Grundstücksbesitzer ihre Balkenmäher an, um die Wiesen zu mähen. Laut Tierschutzgesetz sind Landwirte und Lohnunternehmer verpflichtet, gefährdete Flächen vor dem Mähen nach Wildtieren abzusuchen. Trotzdem werden immer wieder Rehe totgemäht. „Letztes Jahr hat mir ein privater Grundstücksbesitzer drei Rehkitze vermäht und sie mir dann gebracht“, sagt Jagdpächter Hellmann. Manche deckten die toten Tiere auch einfach ab: „Die holt dann der Fuchs.“

Ein Appell an die Einsicht der Stücklesbesitzer

Um die Tiere zu retten, hat Hans Hellmann auch in diesem Jahr wieder einen Aufruf gestartet. Landwirte und Stücklesbesitzer sollen ihn vor dem Mähen rechtzeitig informieren, so dass er in den Wiesen Stecken mit Flatterbändern verteilen kann. Die im Wind wehenden rot-weißen Bänder zeigen die gewünschte abschreckende Wirkung: „Die Geiß merkt die Veränderung und holt die Kleinen raus“, sagt Hellmann. Mit den Bauern funktioniere die Idee sehr gut: „Die wollen keine Tiere vermähen.“ Nicht ganz so gut läuft es mit den privaten Stücklesbesitzern, an deren Einsicht der Jagdpächter nun appelliert: „Melden Sie sich einen Tag vor der Mäharbeit beim Jagdpächter – so können wir gemeinsam den schrecklichen Tod durch Balkenmäher oder Kreiselmähwerk verhindern.“

328 Hektar groß ist das Gelände des Jagdpächters in Hohenacker. Das meiste davon sind Wiesen, nur 15 Hektar davon sind Wald. Die Rehe zeigen sich nach Angaben Hellmanns vor allem auf den Grundstücken an den alten Weinbergen von Waiblingen bis Remseck. Zu den Aufgaben des Jagdpächters gehört übrigens nicht nur die Pflege des Wildbestands. „Wir mähen auch die nicht bewirtschafteten Grundstücke und halten die Bächle frei, damit sie nicht verwachsen“, sagt er. Als Jagdpächter sei er jeden Tag unterwegs – wenn er Pech habe, auch nachts. Denn bei Wildunfällen alarmiert ihn die Polizei. Teilweise lebt das Wild dann noch, ist aber schwer verletzt. Die toten Tiere bringt der Jagdpächter zum Bauhof. „Da stehen Kübel für die Kadaver bereit.“ Dort sei der Gestank bestialisch. „Der verfolgt dich“, sagt Hellmann.

Große Probleme hat er mit freilaufenden Hunden. „Die Leute binden ihren Hund an, wenn sie mich sehen“, erzählt er. Denen sage er, sie sollten ihren Hund lieber anleinen, wenn sie ihn nicht sehen würden. Konflikte gebe es immer wieder auch mit Radfahrern, die rücksichtlos und ohne Fahrradklingel unterwegs seien. Und mit Mountainbikern, die sich unerlaubt eine Mountainbikestrecke angelegt hätten: „Da kommt kein Wild mehr“, so Hellmann. Für den Abschuss des Wildes hat er einen genauen Abschussplan des Kreisjagdamts. „Füchse haben wir immer zu viele“, sagt der Jagdpächter.

Toll findet er die Zusammenarbeit mit Bauern und Grundstückseignern. Und noch nie habe er einen Konflikt mit Naturschützern gehabt. „Wir gehen beide unserer Sache nach.“

Ein kleines Rehkitz flieht nicht. Bei Gefahr macht es sich im hohen Gras ganz klein und versucht, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Doch vor einer Mähmaschine ist der Schutzreflex tödlich. Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze einen qualvollen Tod, werden von Mähern zerstückelt und schrecklich verletzt. Dabei kann das einfach verhindert werden, sagt der Hohenacker Jagdpächter Hans Hellmann.

Die kleinen Rehe bleiben still liegen

Anfang, Mitte Mai bringen die Rehe

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