Waiblingen

Remspark: Aktiv Optik weg, Mediamarkt bald weg - woran es bei Real und Kaufland hakt und wer der lachende Dritte sein könnte

Remspark
Real-Fahnen beim Remspark in Waiblingen-Süd. © ALEXANDRA PALMIZI

Noch scheint fast alles beim Alten im Remspark. Noch prangen die Schriftzüge von Mediamarkt und Real groß an der Fassade. Doch die Real-Kette wird derzeit zerschlagen, und Mediamarkt gibt den Standort Waiblingen auf. Dass der Waiblinger „Real“ auf der Einkaufsliste von Kaufland steht, ist ein offenes Geheimnis – offiziell ist der Wechsel nicht. Hinter den Kulissen wird geprüft und verhandelt, aber woran hakt es eigentlich?

Die Schließung des Mediamarkts wirft ihre Schatten voraus. Aktuell läuft eine Rabattaktion: Um 40 Prozent gehen die Preise runter. Das Weihnachtsgeschäft läuft noch, dann bleiben nur noch einige Tage. Am 16. Januar ist Schluss. Allzu weit werden es die Kunden dennoch nicht haben, zumal sich die nächste Filiale gleich in Fellbach befindet. Zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern vor Corona-Infektionen hat die Postbank im Remspark geschlossen, die Automaten-Dienstleistungen laufen weiter, und auf den Standort in der Mayenner Straße wird verwiesen. Ganz geschlossen hat „Aktiv Optik“. Bereits seit Monaten – und das wird nach Auskunft der Firma auch dauerhaft so bleiben. Mit Corona habe die Schließung nichts zu tun. Aktuell läuft noch der Mietvertrag.

Frühestens Ende Dezember

Ein Gang durch den Remspark bestätigt also: Das Einkaufszentrum ist im Wandel – und dieser wird über kurz oder lang auch den Real betreffen. „Irgendwann werden wir umgebaut und umbenannt“, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Dass es Kaufland wird, kann dabei nicht bestätigt werden, denn die Entscheidung fällt letztlich anderswo - und zwar beim Bundeskartellamt. „Alle Veränderungen am Marktnetz stehen immer unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts“, teilt dementsprechend ein Unternehmenssprecher von Real mit. Bevor diese final erteilt ist, würden keine standortbezogenen Informationen veröffentlicht. Die Entscheidung der Behörde werde „frühestens für Ende Dezember“ erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte sich Real daher „nicht zu etwaigen Spekulationen äußern“. Die Priorität aller Verfahrensbeteiligten, so beteuert das Unternehmen, liege darauf, die bestmögliche Lösung für den jeweiligen Standort zu finden, so dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden könnten. Vielleicht darf es als gutes Zeichen gewertet werden, dass für die Kassen im Real noch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht werden.

Der Investor SCP Retail hat die Real-Kette im Frühjahr von der Metro erworben. Auch die Remspark-Immobilie wechselte dabei den Besitzer. Kaufland wiederum möchte bundesweit 101 Real-Standorte kaufen. Unter ihnen, das war einer Einkaufsliste zu entnehmen, die im Sommer an die Öffentlichkeit gelangte, auch der Standort Waiblingen.

Seit Wochen wird nun das Kaufvorhaben vom Kartellamt geprüft. Eine vorläufige Bewertung hat die Behörde den beteiligten Unternehmen im November übermittelt – und die fiel durchaus kritisch aus. Die Kartellwächter sehen wettbewerbliche Probleme: Kaufland ist nämlich Teil der Schwarz-Gruppe, zu der auch die Lebensmitteleinzelhandelskette Lidl gehört. Die Schwarz-Gruppe ist mit einem Umsatz von etwa 113,3 Milliarden Euro bereits jetzt europaweit der mit Abstand größte Lebensmitteleinzelhändler. Der Zukauf von Real könnte Nachteile für die Verbraucher haben, lautet eine amtliche Befürchtung. In neun regionalen Absatzmärkten sieht das Kartellamt eine „erhebliche Behinderung“ des Wettbewerbs.

Lachender Dritter?

Auf Seiten der Lieferanten und Hersteller hat die Behörde ebenfalls Bedenken. Konkret geht es um 17 verschiedene Produktgruppen beim Einkauf von Lebensmitteln. Eine besondere Bedeutung komme der Stellung von mittelständischen Händlern und ihrer Beteiligung an der Veräußerung der Real-Standorte zu, so das Kartellamt. Um die Bedenken aufzulösen, haben Kaufland und SCP Vorschläge gemacht, über die jetzt verhandelt wird. Parallel läuft ein Fusionskontrollverfahren über den Kauf von 72 Real-Standorten durch Edeka. Hier wurde die Frist inzwischen auf den 21. Januar 2021 verlängert. Nicht ausgeschlossen, dass am Ende mit Globus ein Dritter als Sieger hervorgeht – aber das wäre aus heutiger Sicht tatsächlich Spekulation. Globus bestätigt, beim Bundeskartellamt den Erwerb von bis zu 24 Standorten angemeldet zu haben. Mehr verrät eine Firmensprecherin nicht: "Wegen der aktuell laufenden, sehr konstruktiven Gespräche bitten wir um Verständnis, dass wir uns nicht zu einzelnen Standorten äußern können."

Noch scheint fast alles beim Alten im Remspark. Noch prangen die Schriftzüge von Mediamarkt und Real groß an der Fassade. Doch die Real-Kette wird derzeit zerschlagen, und Mediamarkt gibt den Standort Waiblingen auf. Dass der Waiblinger „Real“ auf der Einkaufsliste von Kaufland steht, ist ein offenes Geheimnis – offiziell ist der Wechsel nicht. Hinter den Kulissen wird geprüft und verhandelt, aber woran hakt es eigentlich?

Die Schließung des Mediamarkts wirft ihre Schatten voraus.

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