Waiblingen

Reportage: Bei 36 Grad im Waldfreibad Bittenfeld

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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Wunsch-Traum aller Berufstätigen: Ein Sprung ins kühle Nass. © Joachim Mogck
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Hochbetrieb im Planschbecken. © ALEXANDRA PALMIZI
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Freibad
Sam freut sich über ein Eis. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. 36 Grad und es wird noch heißer – zumindest, wenn man dem Wetterbericht glauben darf. Bei diesen Temperaturen zieht es viele ins Freibad oder an Badeseen, ein Sprung ins Wasser schenkt zumindest für den Moment die ersehnte Abkühlung. Im Bittenfelder Waldfreibad ist es vormittags noch ruhig, die meisten Gäste kommen am Nachmittag. Eine Reportage.

Wasser plätschert, die Luft riecht nach frisch gemähtem Gras und ganz zart nach Blumen, mit einer Brise weht Kinderlachen herüber. Zwischen den hohen Bäumen baumeln träge zwei Hängematten, mit Seilen an den dicken Stämmen befestigt. Daneben, im Schatten, halten zwei junge Frauen mit Kinderwagen ein Pläuschchen. Gegenüber, auf der anderen Seite des großen Beckens, recken die Sonnenanbeter zwischen den bunten, auf der Wiese verteilten Sonnenschirmen möglichst viel Haut in die Strahlen der heißen Vormittagssonne, als müsste auch der letzte helle Fleck dringend eliminiert werden.



Ein richtiges Familienbad und wenig Ärger

Daniel Braun, der Betriebsleiter des Bittenfelder Waldfreibades, steht in seinem ärmellosen Schwimmmeister-Shirt und kurzer Hose am Beckenrand und lässt seinen Blick über die Liegewiese und das Wasser schweifen. Ein bisschen stolz ist der 32-Jährige auf die Anlage: „Wir haben hier ein richtiges Familienbad, noch nicht so viel Ärger mit Leuten wie in der Stadt“, sagt der junge Mann, die gebräunten Arme in die Hüften gestützt, die dunkelblonden Haare im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden.

Sein Kollege überwacht derweil von einem Ausguck aus das Becken. Im tiefen Wasser ziehen Schwimmer gemächlich ihre Bahnen. Im Nichtschwimmerbereich planschen Mütter mit ihren Kleinkindern, ein älterer Herr bringt gerade seinem Enkelchen das Schwimmen bei – das Kind noch mit Schwimmflügeln, zur Sicherheit. Am Einmeterbrett steht eine Schulklasse an, die benachbarte Schillerschule veranstaltet hier ihren Schwimmunterricht. Ein Kind nach dem anderen betritt das Sprungbrett und hüpft dann ins Wasser, die einen mit wagemutigeren Sätzen, die anderen ganz sacht und vorsichtig.

2002, berichtet Braun, sei das Edelstahlbecken gebaut worden sowie die 45 Meter lange Wasserrutsche. Ein paar Jahre später wurden die Sanitäranlagen und der Kiosk saniert. In diesem Jahr neu dazugekommen ist eine Ecke am Schwimmbecken mit Kieselsteinen verschiedener Größe. „Wir schauen eigentlich, dass wir jedes Jahr irgendwas Neues machen“, sagt der Bademeister. Und so können die Besucher im Bittenfelder Bad auch Beachvolleyball oder Tischtennis spielen und die Kleinsten im Planschbecken planschen oder am „Matschplatz“ nebenan mit Sand und Wasser matschen. Letzterer liegt zwar gerade noch verlassen im Schatten, aber das wird sich am Nachmittag sicherlich ändern.

„Die meisten Badegäste kommen natürlich dann, wenn die Schule aus ist, und am späteren Nachmittag. Vormittags ist es immer recht ruhig“, erklärt Braun. Für diesen Tag rechnet er noch mit weiteren 1500, vielleicht sogar 2000 Besuchern. Die Zahlen im Juni des Vorjahres seien jetzt schon fast erreicht – etwas mehr als 16 000 seien es damals gewesen. Im ganzen Jahr 2018 haben knapp 90 000 Menschen das Freibad besucht, viele davon Stammgäste, manche kämen extra aus Remseck oder Mühlhausen hierher, sagt der Betriebsleiter.

Waldfreibad von der Kindheit bis zum Rentenalter

So wie Rosi aus Aldingen. Die Dame mittleren Alters, im bunten Einteiler und mit Sternschnuppen-Tattoo auf dem Dekolleté, möchte ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen, erzählt aber bereitwillig ihre persönliche Waldfreibad-Geschichte: „Ich hab hier schwimmen gelernt. Ursprünglich komm ich aus Mühlhausen, aber mein Vater aus Neckarrems. Deshalb waren wir immer hier.“ Später sei sie mit ihren eigenen Kindern hier gewesen, irgendwann nur noch als Chauffeur. Im vergangenen Sommer dann, als sie in Rente ging, habe sie das Bad wiederentdeckt. Für diese Saison sei das heute zwar ihr erster Besuch, aber sie wolle nun regelmäßig kommen. „Drei-, viermal die Woche, gleich morgens zweimal eine halbe Stunde schwimmen, bevor der Trubel losgeht“, erläutert die Frau mit den streichholzkurzen rotbraunen Haaren ihren Plan. Wenn es ihr im Bad zu voll wird, gehe sie nach Hause und lege sich dort auf ihre Terrasse.

Während unten eine junge Frau vom Rand aus ihrem Gegenüber im Becken einen Ball zuwirft und ein Junge unter Gejohle mit einem Salto vom Einmeterbrett ins Wasser klatscht, hat sich kurz vor Mittag bereits eine kleine Schlange auf der Terrasse des Kiosks gebildet. Auf der Speisekarte stehen Flammkuchen, Burger, Bratwurst und die obligatorischen Pommes. Ein Schild an der Wand verspricht „Sue’s Beach Café - It’s all fresh“ (deutsch: Alles ist frisch). Seit dem Pächterwechsel im vergangenen Jahr, sagt Schwimmmeister Braun, hat sich auch das Speisenangebot geändert. Das Essen sei nun besser an den Sommer und das Freibad angepasst, weniger Junk Food.

Ums Eck, gegenüber der Umkleidekabinen und den Schließfächern, hängt eine Feedback-Box. Dort können die Gäste des Waldfreibads Bittenfeld nach dem Besuch ihre Meinung und Wünsche äußern. „Uns ist es wichtig, dass die Leute sich hier wohlfühlen“, sagt Braun. Durch die Luft weht jetzt der Geruch von Sonnencreme, in den sich ein Hauch Chlor mischt. Ein Mädchen schießt mit einem lauten „Swusch“ von der Wasserrutsche ins Becken. Bademeister Braun schlendert zurück an die Arbeit. Hier lässt es sich aushalten.