Waiblingen

Restaurant „Vorratskammer“ kommt aus Strümpfelbach nach Waiblingen - "Disegno"-Wirt ist sauer

Vorratskammer
Robert Kudin und Julia Krehl bieten ihren Gästen schwäbisch-österreichische Küche. © Benjamin Büttner

Wer schwäbische Küche in Waiblingen vermisst, hat in absehbarer Zeit eine neue Option: Das Restaurant „Vorratskammer“ zieht von Strümpfelbach nach Waiblingen um. Die „Vorratskammer“ muss raus aus dem auffälligen Holzkubus an der Endersbacher Straße. Seit rund zwei Jahren sind die Betreiber des schwäbisch-österreichischen Lokals, die Schwäbin Julia Krehl und der Österreicher Robert Kudin, auf der Suche nach einem neuen Standort in der Umgebung.

Fündig wurden sie am Waiblinger Kulturufer der Rems, im Schatten der Galerie Stihl. „Es passt gut zu uns und unserem Konzept“, meint die Aichwalderin, „es ist ähnlich wie die Vorratskammer jetzt, modern und mit schönen Materialien wie Holz und Glas“. Dafür muss nach acht Jahren in der Nachbarschaft der Galerie Stihl der bisherige Pächter Gioacchino Gulizia gehen – und ist alles andere als erfreut darüber. Die Stadt Waiblingen hat so entschieden.

Zu viele Italiener in Waiblingen? Stadt will „Angebot verbreitern“

Im Laufe von fünf Jahren hat sich das Paar eine wachsende Fangemeinde erarbeitet. Auf der Speisekarte finden sich Wiener Klassiker wie Topfenstrudel und Sachertorte ebenso wie „Opa Werners Maultaschen“. Der österreichische Schmäh kommt nicht von ungefähr: Robert Kudin ist in Wien geboren und war dort 15 Jahre lang als Küchenchef eines Restaurants tätig. Gerichte wie „in Panko-Mehl gebackene Garnelen auf Mango-Curry-Risotto mit schwarzem Sesam“ zeigen an, dass der Anspruch übers nur Gutbürgerliche etwas hinausgeht. Reifengroße Teller mit überbordend Spätzle und Soß’ sind nicht der Schwerpunkt. Die Speisen werden schön angerichtet in Portionen, die den Gast nicht erschlagen, sondern noch Platz lassen für Wiener Mehlspeisen oder ein Süppchen vorneweg. „Das ist kein Muss“, versichert Julia Krehl. Lohnen könne es sich für Genießer aber auf alle Fälle. Fans können beruhigt sein: An der kulinarischen Linie soll sich nichts ändern – das ist auch der Wunsch der Stadt.

Derzeit behelfen sie sich als „Schachtelwirt“. Auf telefonische Bestellung werden zahlreiche Gerichte zum Abholen gekocht. Viele Stammgäste halten die Treue: „Bei der Ausgabe sehen wir vielfach die gleichen Leute wie sonst unter der Woche.“ Zu einem Corona-Hit hat sich die „Gans to go“ entwickelt. Sie wollen nach eigenem Bekunden das Beste aus der schwierigen Situation machen und „gute Laune verbreiten, statt zu jammern“. Obwohl die Gastronomie ganz allgemein in der Corona-Krise Grund zu klagen hat.

Während sie im Holzkubus, was den Platz anbelangt, zuweilen an Grenzen stießen, haben Krehl und Kudin am neuen Standort mehr Möglichkeiten. Wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, sollen rund 80 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Vorteile böten zudem ein Nebenzimmer, das mit Tagungsequipment ausgestattet werden könnte, und eine größere Fläche für die Außenbewirtschaftung in der warmen Jahreszeit. Spätestens zum 1. Juni wollen sie an der neuen Wirkungsstätte ihre Gäste begrüßen, eventuell auch etwas früher. Zum Beginn des Jahres 2021 aber werden sie eine schöpferische Pause einlegen und sich auf der Gastronomie verwandten Feldern fortbilden: Weingüter besuchen und in einer Bäckerei arbeiten.

Pionierarbeit im Disegno

Warum aber der Abschied vom Disegno? Immer wieder sei von Waiblingern der Wunsch geäußert worden, „das gastronomische Angebot zu verbreitern“, wie Oberbürgermeister Andreas Hesky sagt. Die Standort-Suche der Vorratskammer sei mit ein Auslöser gewesen, das Lokal an einen Pächter zu geben. „Das hat nichts mit der Zufriedenheit der Stadt zu tun.“ Das Disegno habe seinen festen Platz in der Waiblinger Gastronomieszene. Was dem bisherigen Pächter zu verdanken sei, der Pionierarbeit geleistet und das Restaurant etabliert habe. „Viele Jahre war er ein verlässlicher Partner und Begleiter der Galerie, Kunstschule und des Hauses der Stadtgeschichte.“

Der so gelobte Pächter jedoch ist sauer. Obwohl er selbst den Vertrag immer nur jährlich habe verlängern wollen, könne er die Entscheidung der Stadt nach so vielen Jahren nicht nachvollziehen, sagt Gioacchino Gulizia. Keinen Italiener mehr zu wollen, sondern Deutsche – „das ist keine so tolle Begründung“. Gar so viele Italiener gebe es in Waiblingen eigentlich gar nicht. Und offenbar würden die Leute eben einfach gerne zum Italiener essen gehen. Stand heute wisse er nicht, wo und was er in Zukunft machen wird. Er suche zwar eine Alternative, aber gerade in der aktuellen Situation sei das schwierig. Waiblingen oder die nähere Umgebung soll es sein. Stuttgart eher nicht.

Wohnhäuser für Strümpfelbach

Für das Grundstück am Strümpfelbacher Ortseingang, auf dem Julia Krehl und Robert Kudin noch bis Ende des Jahres wirbeln, liegt der Stadt Weinstadt ein Bauantrag vor. Geplant ist demnach eine Neubebauung des Areals mit Doppel- und Reihenhäusern.

Wer schwäbische Küche in Waiblingen vermisst, hat in absehbarer Zeit eine neue Option: Das Restaurant „Vorratskammer“ zieht von Strümpfelbach nach Waiblingen um. Die „Vorratskammer“ muss raus aus dem auffälligen Holzkubus an der Endersbacher Straße. Seit rund zwei Jahren sind die Betreiber des schwäbisch-österreichischen Lokals, die Schwäbin Julia Krehl und der Österreicher Robert Kudin, auf der Suche nach einem neuen Standort in der Umgebung.

Fündig wurden sie am Waiblinger

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