Waiblingen

Rettung aus Kanalrohr: Dem Fuchs geht’s blendend

10d47203-23b6-4db7-9abe-b74086ecb85e.jpg_0
Er war stundenlang mit einem Hund in einem Entwässerungsrohr gefangen, der arme Kerl. © Benjamin Beytekin

Waiblingen. Der Fuchs lebt. Vermutlich streift er putzmunter durch Bittenfelder Wälder. Das Schicksal des Wildtieres bewegt die Gemüter nach dem Rohr-Drama vergangene Woche: Ein Hund hatte einen Fuchs gehetzt, woraufhin beide in einem Rohr verschwanden. Die Feuerwehr rückte mit 20 Mann und schwerem Gerät an, befreite den Hund – und was geschah mit dem Fuchs?

Es gab Gerüchte. Schlimme Gerüchte. Der Fuchs sei tot, hieß es. Erschossen womöglich. Auf jeden Fall tot. Heute tragen solche Gerüchte einen neuen Namen: Sie heißen Fake News. Falschnachrichten. Die Wahrheit sieht anders aus. Mag sein, den Fuchs plagen noch heute Albträume. Aber tot ist er nicht.

Nachdem die Feuerwehr nach langer Suche den Hund im Rohr ausfindig gemacht und selbiges mit Gewalt geöffnet hatte, schaute der Fuchs heraus. Herzerweichend, dieser Blick. „Ich habe ihn persönlich angeschaut“, versichert Jagdpächter Klaus Haas. Der Fuchs hatte ein Martyrium hinter sich. Erst hetzt ihn ein Rüde, dann steckt er stundenlang mit seinem Feind in einem Rohr und findet den Ausgang nicht mehr – das hält die stärkste Fuchs-Seele nicht aus. Entsprechend erschöpft wirkte der Fuchs, als er sich kurz zu erkennen gab. Sodann schlüpfte er nicht etwa hinaus in die Freiheit – sondern zurück ins Rohr. Klaus Haas geht davon aus, dass der Fuchs sich aus dem Staub gemacht hat, sobald all die Menschen den Ort des Geschehens verlassen hatten. Der Jagdpächter hat dem Tier jedenfalls nichts getan. Warum auch? Nichts an diesen Gerüchten ist wahr: „Es war keine Waffe mit im Spiel.“

Der Jagdpächter wird in solchen Fällen immer eingeschaltet

In Fällen wie diesem rufen Einsatzkräfte immer den zuständigen Jagdpächter an. Wäre der Fuchs im Rohr verendet, hätte sein Körper fachgerecht beseitigt werden müssen. Es hätte auch sein können, der Fuchs liegt schwerst verletzt im Graben. Dann hätte jemand das Tier „erlösen“ müssen, sagt Klaus Haas. Er konnte aber keinerlei Verletzungen am Fuchskörper erkennen: „Er hat rausgeguckt und geblinzelt.“ Und ist dann zurückgeschlüpft. „Er hatte Angst, war eingeschüchtert“, sagt der Jagdpächter.

Für Klaus Haas war’s kein ungewöhnlicher Einsatz. Egal, um welche Art Vorfall es sich handelt – ein Jagdpächter kümmert sich drum, sobald Wildtiere im Spiel sind. Wird ein Reh überfahren – folgt ein Anruf beim Jagdpächter. Klaus Haas und seine Kollegen müssen genauestens Buch führen über ihre Aktivitäten und alle anderen, nicht von Jägern verursachten Wildtier-Todesfälle.

Schonzeit von März bis einschließlich Juli

Jäger schießen Füchse, das ist kein Geheimnis. Aber sie dürfen nicht zu jeder Jahreszeit Füchse erlegen. Von März bis einschließlich Juli müssen Jäger in Baden-Württemberg Füchse in Ruhe lassen.

Ob eine solche Schonzeit Sinn macht oder nicht, daran scheiden sich die Geister. In Baden-Württemberg durchstreifen außerordentlich viele Füchse Feld, Wald und Flur – zu viele, finden manche.

Krankheits-Gefahr sei nahezu auszuschließen

Die Tierschutzorganisation Peta listet auf, was aus ihrer Sicht gegen Fuchsjagd spricht: Die Gefahr, dass Füchse Krankheiten übertragen, sei nahezu auszuschließen. Wildtierpopulationen regeln sich am besten selbst, ohne menschliches Zutun, schreibt Peta – und Füchse nützen dem Menschen als Mäusejäger. Letztlich geht’s um Beuteneid, stellt die Tierschutzorganisation fest: Damit sie gute Strecken an Hasen und Fasanen erzielen könnten, töteten Jäger deren Feind, den Fuchs.

Um Futterneid geht’s jedenfalls nicht. Menschen entsorgen so viele Essensreste in Mülleimern, auf Privatgrundstücken, an Spielplätzen, in Fußgängerzonen, auf Komposthaufen – der Fuchs betrachtet das als Einladung zum Dinner. Hernach wundert sich der Mensch, weshalb ihm Füchse folgen. Bis hinein in private Gärten. Bürger wenden sich dann an den Jagdpächter, denn sie ängstigen sich. Tollwut! Fuchsbandwurm! Räude!

Verstört aber gesund

„Die Tollwut gilt als ausgemerzt“, beruhigt Klaus Haas. Was eine Übertragung des Fuchsbandwurms auf den Menschen angeht, spricht die medizinische Fakultät der Universität Würzburg von einer „ausgesprochen seltenen Erkrankung“: Bundesweit sei mit 20 bis 30 Infektionen pro Jahr zu rechnen. Die Fuchsräude komme „bei uns eher nicht vor“, sagt Klaus Haas. Diese Tierseuche ist auf Hunde übertragbar.

Das Bittenfelder Füchsle wirkte zwar verstört, doch gesund. Klaus Haas: „Ich gehe davon aus, dem geht es blendend.“