Waiblingen

Rollsplit in der Kurve: Angriff auf Motorradfahrer?

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Auf der Strecke zwischen Stetten und Esslingen wurde in einer Kurve Rollsplit verteilt. Die Polizei kann Selbstjustiz gegen den Motorradlärm nicht ausschließen. © Habermann / ZVW

Kernen. Bewiesen ist gar nichts. Dass jedoch ein Unbekannter vorsätzlich Rollsplitt in einer Kurve ausgeschüttet hat, müsse in Betracht gezogen werden, erklärt die Polizei. Rollsplitt gegen Lärm? Der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger warnt vor derartiger Selbstjustiz, selbst wenn der Frust von Anwohnern in Stetten über den Lärm aus den Auspuffrohren von Motorrädern und Autos groß sein mag.

Am Freitagnachmittag ist zwischen Stetten und Esslingen ein 17-Jähriger verunglückt. Der junge Mann geriet wegen Rollsplitts mit seinem Leichtkraftrad in einer Linkskurve ins Rutschen, stürzte und erlitt leichte Verletzungen. Der Polizei liegen bisher keine neuen Erkenntnisse vor, teilt ein Polizeisprecher auf Anfrage mit. „Ob der Splitt tatsächlich vorsätzlich ausgebracht wurde, ist noch nicht gesichert. Dieser Umstand muss aber in Betracht gezogen werden.“

Die Landesstraße 1199 ist eine beliebte Rennstrecke für Motorräder und Autos und zählt mithin zu den Hotspots in Sachen Motorradlärm zwischen Rems und Murr. Acht solcher Hotspots listen die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm (VAGM) auf ihrer Internetseite auf (www.motorradlaerm.de). Die VAGM ist aus einer Initiative des Arbeitskreises Motorradlärm im Bund für Umwelt und Naturschutz hervorgegangen, der sich 2005 im Rems-Murr-Kreis gegründet hat und weiter fortbesteht.

„Unmöglich, ganz unmöglich!“

Roger Wenz, der unweit der Landesstraße in Stetten wohnt, ist einer der Lärmgeplagten und hat die Initiative ergriffen. Dass in der ersten scharfen Linkskurve Splitt lag, sei ihm am Freitag aufgefallen, als er dort mit seinem Pedelec unterwegs war. Aber aus Protest gegen Lärm Splitt auszuschütten, gehe zu weit, sagt Wenz: „Unmöglich, ganz unmöglich!“

Anfangs sei die Stettener Initiative auf taube Ohren gestoßen. Inzwischen wurde immerhin ein Etappenziel erreicht. Seit April gilt vom Schurwald hinunter in Richtung Stetten wegen der Ausfahrt aus dem Wanderparkplatz ein Tempolimit von 70 km/h. Dass aber in Gegenrichtung die Geschwindigkeit nicht begrenzt wird, kann Wenz nicht nachvollziehen. Schließlich gelte Tempo 70 ja auch zwischen Rommelshausen und Endersbach oder zwischen Waiblingen und Hegnach. Ein Allheilmittel gegen den Lärm seien Geschwindigkeitsbegrenzungen sowieso keine, weiß Roger Wenz, zumal wenn diese nicht kontrolliert werden.

Kurvenreiche Strecke sehr beliebt

Dass die kurvenreiche Strecke nicht nur bei Motorradfahrern, sondern auch PS-starken Sportwagenfahrern beliebt ist, können Bürgermeister Stefan Altenberger wie auch der Stettener Gemeinderat Ebbe Kögel nur bestätigen. Kögel hat ein Stückle an der Landesstraße und hat am sommerlichen Wochenende einmal mehr gesehen, dass sich Biker gruppenweise getroffen haben und, ausgestattet mit Helmkameras, die Straße rauf- und runtergerast sind. Noch im Dorf, wo Tempo 30 gilt, werde Gas gegeben, so Kögel. Bis zur ersten Haarnadelkurve stehe der Tacho locker auf 100, 120.

Der Lärm ist schwierig in den Griff zu kriegen

Für eine Geschwindigkeitsbegrenzung in Richtung Schurwald sieht jedoch das Landratsamt Rems-Murr als Verkehrsbehörde keine Veranlassung, sagt Bürgermeister Altenberger. Immerhin solle ein Lärmdisplay aufgestellt werden, um die Auto- und Motorradfahrer für den Lärm aus ihren Auspuffrohren zu sensibilisieren. Andernorts, wie beispielsweise in Schnait, zeigten die Erfahrungen, dass der Lärmpegel leicht sinke. Das Hauptproblem ist, dass die Leute in der Freizeit mit Fahrzeugen unterwegs sind, die einfach zu laut sind. Seien dies Motorrädern oder Sportwagen. Beim Lärm sei der Gesetzgeber gefordert, den serienmäßig brüllenden Auspuffen Einhalt zu gebieten. So fordert der VAGM, die Strafen für Manipulationen am Auspuff und am Luftfilter drastisch zu verschärfen und die Verwendung von lärmsteuernden Auspuffklappen zu verbieten. Darüber hinaus werden veränderte Zulassungsvorschriften verlangt, so dass der Lärmgrenzwert am Motorrad zum lautesten Betriebszeitpunkt gemessen wird. Die heutige Messmethode ist schlicht praxisfern.