Waiblingen

Salamander-Sterben am Hörschbach?

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen-Beinstein. Ein trauriger Anblick bot sich dem Beinsteiner Daniel Hoefer bei einem Spaziergang am Ortsrand: Gleich vier tote Feuersalamander lagen auf der Straße am Hörschbach. Ob der Fund damit zu tun hat, dass das Gewässer trocken gefallen ist? Viele Beinsteiner machen sich jedenfalls Sorgen um das Bächlein.

„Es kam schon seit Jahren immer mal vor, dass ein toter Feuersalamander am Weg lag“, sagt Daniel Hoefer, „aber gleich vier auf einmal deuten darauf hin, dass sich etwas verändert haben muss.“ Tatsächlich häufen sich schon seit dem Frühjahr bei der Stadtverwaltung und auch in unserer Redaktion die Hinweise von Bürgern und Lesern auf die anhaltende Trockenheit in dem kleinen Bachlauf zwischen dem Wohngebiet Hausweinberg und der Rems – wir haben darüber berichtet. Nach Einschätzung von Michael Seeger, Leiter des städtischen Fachbereichs Infrastruktur, handelt es sich wohl um eine Folge von trockenen Sommern, eventuell auch des Klimawandels. Hinweise darauf, dass jemand illegal Wasser abschöpft oder Brunnen gegraben hat, konnten bislang nicht gefunden werden. Auch wenn diesbezüglich die Gerüchteküche in Beinstein brodelt.

Lebensraum von Amphibien bedroht

Die Feuersalamander wurden offenbar plattgefahren und sind dann vollends vertrocknet. Weil die auffälligen Tiere unter Aasfressern eher unbeliebt sind, könnten ihre Leichname schon mal etwas länger liegen bleiben, meint Michael Seeger. Einen direkten Zusammenhang mit der Trockenheit des Hörschbachs sieht er nicht. Einen Hinweis auf die Amphibienwanderung habe es an der kleinen Straße nicht gegeben. Ob er geholfen hätte, darüber kann nur spekuliert werden.

Jedenfalls verlieren durch die Trockenheit Amphibien, Kleinkrebse und Insektenlarven wie die von Libellen ihren Lebensraum, sagt Frieder Bayer von der Ortsgruppe des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Das komme „für diesen Bereich einer ökologischen Katastrophe“ gleich. Durch die vielen Freizeitgrundstücke in der Gegend gebe es auf dem Sträßchen doch ein „relativ hohes Verkehrsaufkommen“. Auch Frieder Bayer glaubt, dass das Ausbleiben des Wassers an der langen Trockenheit in diesem und im vergangenen Jahr liegt. Das betreffe den Hörschbach ebenso wie auch andere kleinere Fließgewässer im Unteren Remstal.

Inzwischen haben Stadt und Landratsamt die Situation am Hörschbach noch einmal untersucht. Er speist sich aus Niederschlägen und Retentionsfläche im Einzugsgebiet zwischen Beinstein und Korb. Bei anhaltender Trockenheit fehlt ihm der Nachschub. Um ihn zu stärken, wird nun der öffentliche Brunnen an der Straße „Im Berg“ abgeschaltet. Große Umbauarbeiten werden dafür nicht erforderlich, sagt Fachbereichsleiter Michael Seeger. Ein Schieber wird eingebaut in der Hoffnung, dass in der Folge mehr Wasser im Hörschbach-Bett ankommt. Theoretisch könne sich das Gewässer, das schon in der Vergangenheit in niederschlagsarmen Jahren trocken fiel, regenerieren. Das brauche angesichts des allgemein abgesunkenen Grundwassers mindestens zwei Jahre - und zwar solche mit viel ergiebigen Niederschlägen.


Hörschbach

Der Hörschbach ist ein kleiner Zufluss in die Rems bei Beinstein, der im unteren Lauf, also im Bereich der Waiblinger Straße, verdolt ist. Der Name verleitet zu Verwechslungen mit dem gleichnamigen Gewässer bei Murrhardt, mit dem er freilich nichts zu tun hat.

Weil das Ufer zugewuchert und der Bachlauf durch Lehm-Ablagerungen beeinträchtigt war, hat die Stadt Waiblingen im Frühjahr 2019 ein 400 Meter langes Teilstück saniert beziehungsweise in einen der Natur näheren Zustand versetzt.