Waiblingen

Schäferin aus Leidenschaft

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Christine Brencher hat immer von einem Selbstversorgerhof geträumt. © Büttner / ZVW
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Schäferin Christine Brencher ist 40 Jahre alt. © Büttner / ZVW
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Das Coburger Fuchsschaft ist eine alter, sehr robuste und leichtfuttrige Rasse. © Büttner / ZVW
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Die kleinen "Coburger Füchse" sind zwar niedlich, aber können auch ziemlich frech sein. © Büttner / ZVW
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Die Schäferin Christine Brencher. © Büttner / ZVW

Kernen-Stetten. Christine Brencher hatte schon immer davon geträumt, einen eigenen Bauernhof zu haben, und das Gras auf den Streuobstwiesen im Haldenbachtal wurde zu lang. Kurzerhand kaufte die gelernte Landwirtin ein paar Schafe – gemeinsam mit Freunden, denn das Miteinander ist ihr wichtig.

Christine Brencher ist Schäferin aus Leidenschaft. „Als Kind war ich in den Ferien immer bei meinem Opa, der einen Bauernhof hatte“, erzählt die heute 40-Jährige. Schon damals habe sie davon geträumt, einmal einen Selbstversorgerhof zu haben. Nach einer Ausbildung zur Landwirtin arbeitete Brencher zunächst einige Jahre lang als Betriebshelferin – eine Art von der Krankenkasse bezahlte Springerin – in der Landwirtschaft. „Eigentlich wollte ich danach den Hof meines Opas übernehmen, aus familiären Gründen kam es aber leider nicht dazu“, erinnert sich die vierfache Mutter.

Die junge Familie ließ sich in Stetten nieder – aber der Traum vom eigenen Hof blieb. Nach und nach übernahm Brencher „Stückle“ von älteren Leuten aus dem Ort, die sich nicht mehr selbst darum kümmern konnten. „Es wurden mehr und mehr und irgendwann kam die Frage auf, ob wir einen großen Rasenmäher kaufen“, erzählt Brencher. Oder eben Schafe anschaffen. Denn die wolligen Vierbeiner sind laut Brencher perfekt für die Pflege von Streuobstwiesen geeignet. Schafe fressen nämlich selektiv und erhalten so das ökologische Gleichgewicht auf den Wiesen. „Sie sind sozusagen intelligente, tierische Rasenmäher“, sagt die Schäferin.

Angefangen hat alles mit zwei Coburger Fuchsschafen und drei Lämmern, inzwischen ist die kleine Herde auf zehn Mutterschafe angewachsen und zehn flauschige Lämmchen tollen über die Wiesen. Brencher hat auch Hühner, Hasen und mehrere Äcker, die sie bewirtschaftet. „Das geht natürlich nur, wenn meine Familie mitspielt und regelmäßig hilft“, sagt sie und lacht. Und das tut sie – sie hat aber auch etwas davon. Denn auf ihren Feldern baut Brencher nicht nur das Winterfutter für ihre Tiere an, sondern auch Gemüse für sich selbst, ihren Mann und die vier gemeinsamen Kinder. „Was Gemüse angeht, versorgen wir uns weitgehend selbst“, sagt sie. Nur Milchprodukte müsse sie komplett zukaufen.

Die Felder bewirtschaften die Brenchers gemeinsam mit einer befreundeten Familie. „Zusammen macht es einfach mehr Spaß“, sagt die Schäferin. Das Miteinander sei ihr wichtig – auf dem Feld genauso wie im Ort. „Es funktioniert einfach am besten, wenn man zusammenhilft und miteinander spricht“, ist sie überzeugt. Daher habe sie auch keine Probleme mit den Nachbarn, obwohl ihr Stall, in dem auch die Schafe im Winter untergebracht sind, sich mitten im Wohngebiet befindet.

Das könnte auch daran liegen, dass die Nachbarskinder regelmäßig vorbeikommen und die kleinen Häschen und Lämmer streicheln oder beim Hühnerfüttern helfen dürfen. Auch Schulklassen und Kindergartengruppen kommen regelmäßig zu Christine Brencher und ihren Tieren. „Wir haben hier eigentlich täglich Besuch“, sagt sie schmunzelnd.

Kinder sollen lernen, woher Lebensmittel kommen

Und das sei gut so, denn ihr liege es am Herzen, dass die Kinder einen Bezug zur Natur bekommen. „Sie sollen wissen, woher die Lebensmittel kommen und was im Boden so alles lebt“, betont Brencher. Deshalb engagiert sie sich im Schulprojekt „Gartenkinder“: Einmal in der Woche kommen Schüler zu ihr und bewirtschaften im Sommer einen Acker oder waschen und verarbeiten im Winter Schafswolle.

Alle Lämmer kann die Schäferin natürlich nicht behalten. Einige werden deshalb jedes Jahr geschlachtet. „Das ist die Kehrseite der Medaille, da kommen wir leider nicht drum rum“, sagt sie beinahe ein wenig wehmütig. Das Fleisch verkauft sie – obwohl es kein Siegel trägt, hat es fast Bioqualität. Auf unnötige Medikamente verzichtet Christine Brencher nämlich ebenso wie auf künstliche Futtermittel. „Die Coburger Füchse sind gute Futterverwerter“, erklärt die Schäferin. Sie kommen im Sommer mit dem zurecht, was sie auf den Wiesen finden, zugefüttert wird nur im Winter. Der Mist wiederum kommt zum Düngen auf die Äcker, auf denen das Futter angebaut wird. Ein nachhaltiger Ökokreislauf also.

Ein Lämmchen im Haus aufgezogen

Als ein Lämmchen von seiner Mutter nicht angenommen wurde, hat Christine Brencher es kurzerhand zu sich ins Haus geholt und mit der Flasche aufgezogen.

„Wir haben ihm eine Art Windel angezogen, damit nicht überall im Haus die Köttel herumliegen“, erinnert sie sich.

Nach sechs Wochen musste das Lamm dann aber ausziehen und sich wieder in die Herde integrieren. Nach einiger Zeit hat es sich dort auch gut eingewöhnt, wie die Schäferin berichtet.