Waiblingen

Schüler der Gewerblichen Schule Waiblingen: Spielsucht so schlimm wie Drogen

Thema Sucht und Spielsucht
Tristan, Kevin, Lehrer Manuel Ilg und Luca (von links) diskutieren mit anderen aus dem Klassenverbund über das Thema Spiel- und Automatensucht. © ALEXANDRA PALMIZI

Welche Gefahr verbirgt sich hinter einem Spielautomaten, wie er häufig für alle ab dem Alter von 18 Jahren frei zugänglich in Schnell-Imbissrestaurants zu finden ist? Welche Gefahren gehen von Online-Spielen aus für PC, Tablet oder Smartphone? Wie schnell kann man in die Suchtspirale geraten und wie erging es jemandem, der deshalb seinem Leben ein Ende setzen wollte? Mit diesen Fragen haben sich Schüler der Gewerblichen Schule der Abteilung vier Duale Ausbildungsvorbereitung (Profil Holztechnik und Metalltechnik) sowie des Mittleren Bildungsabschlusses (Fachschulreife) beschäftigt.

„Anfangs vermitteln Automaten einem ein gutes Gefühl“, erklärt Nils (18). Er habe schon drei- oder viermal vor einem solchen Gerät gesessen. „Aber jetzt lass ich es lieber!“ Natürlich habe man mal Glück, aber meist sei das eben nicht von langer Dauer. „Die Einsätze werden immer höher – aus 10 Cent wird ein Euro und mehr“, ergänzt der 17-jährige Ald. Habe man eine „Pechsträhne“, würde man dennoch weiterspielen wollen und Geld einsetzen, mit dem Ziel zu gewinnen, so Kevin (17).

Plötzlich vor dem finanziellen Ruin

Manche der jungen Männer haben Freunde oder Bekannte, die solch einer Sucht ausgesetzt sind. Nils zieht einen Vergleich zu Drogen, bei denen es ähnlich schwer ist, davon loszukommen. Am Automaten könne man zudem von heute auf morgen eine große Summe Geld verlieren.

Dass die Schüler so über das Thema denken, war nicht unbedingt immer so. Nach Ostern sprachen sie zusammen mit ihren Lehrern über Spiel- und Automatensucht. Außerdem war Volker Brümmer zu Gast an der Schule, der 23 Jahre lang nach eigenen Angaben pathologischer Glücksspieler gewesen sei und seit 2008 frei ist von der Sucht. Seitdem engagiert er sich in der Präventionsarbeit, besucht Schulen, Betroffene, schreibt Bücher und leitet zudem eine Selbsthilfegruppe. Bei den Schülern hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als er ihnen erzählte, wie er 300 000 Euro verzockte, das Sparbuch seiner Tochter plünderte und aufgewacht sei, als er ihr nicht einmal mehr ein Eis kaufen konnte, berichtet Luca (16). Aus Verzweiflung wollte er sich das Leben nehmen, entschied sich aber im scheinbar letzten Moment für die andere Seite.

In der Pause hängen viele Schüler am Smartphone

Auf das Thema sei man gekommen, erklärt Lehrer und Abteilungsleiter des Bereichs vier an der Gewerblichen Schule, weil viele Schüler unmittelbar nach dem Pausengong ihr Smartphone in die Hand nehmen würden und zocken – nicht unbedingt, um bei Glücksspielen Geld zu gewinnen, erklärt Manuel Ilg. Während es früher mit dem Läuten laut wurde im Klassenraum, werde es nun leise. Nicht immer seien es Spiele, mit denen sich Schüler auf dem Mobiltelefon die Zeit vertreiben – einige sind auf beliebten Videoplattformen unterwegs – ebenfalls ein Medium, bei welchem manche kein Ende finden, gestehen sie. Die Plattform animiere einen, weiter online zu bleiben, mehr Follower zu generieren durch neue spektakuläre Videos.

Genau darin sieht Lehrer Manuel Ilg auch die Gefahr: Der Schritt hin zum Zocken und Glücksspiel sei nicht unbedingt weit. Auf Streamingplattformen finde man Videos von Zockern bei Glücksspielen, wissen die Schüler. Der Erfolg, den Zuschauer mitbeobachten können, sei nicht unbedingt real. Die Zocker seien bezahlt oder würden mit Fakegeld spielen. „Damit man animiert werde, ebenfalls zu spielen, weiß Nils. „Viele glauben, dass Glücksspiel nicht so schlimm sei und denken, dass harte Drogen wirklich gefährlich seien“, so Ilg.

Dennoch: Spielsucht ist ähnlich schlimm. Nach alldem, was die Schüler im Unterricht und von Volker Brümmer erfahren haben, wissen sie: Hände weg von Glücksspielen – egal ob auf dem Smartphone oder am Automaten.

Strengere Kontrollen in Geschäften

Gleichzeitig wünschen sie sich strengere Kontrollen – etwa beim Kauf von Online-Spielkarten mit Guthaben, die ab 16 oder sogar 18 Jahren zu kaufen sind. Der Kauf von Alkohol an den Supermarktkassen werde nahezu strenger kontrolliert, sind sich die Schüler einig.

Automaten seien zwar ab dem Alter von 18 Jahren bespielbar, aber auch hier gebe es Tricks – etwa, wenn man den Besitzer des Imbisses, in dessen Laden ein solches Gerät steht, kennt und dieser für einen den notwendigen Code eingibt. Bei der Authentifizierung durch den Personalausweis könnte auch der eines älteren Freundes benutzt werden, wissen die Schüler, die sich für das Gespräch mit der Lokalredaktion Waiblingen freiwillig gemeldet haben.

„Wenn man mitbekommen hat, wie das Leben eines Mannes zugrunde ging, bekommt man es mit der Angst zu tun. Mir könnte das Gleiche passieren“, sagt Maki.

Die Gewerbliche Schule möchte mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch Spendengeldern an dem Thema dranbleiben und plant bereits für das kommende Schuljahr eine weitere Projektwoche zum Thema Spiel- und Glücksspielsucht, so Manuel Ilg.

Welche Gefahr verbirgt sich hinter einem Spielautomaten, wie er häufig für alle ab dem Alter von 18 Jahren frei zugänglich in Schnell-Imbissrestaurants zu finden ist? Welche Gefahren gehen von Online-Spielen aus für PC, Tablet oder Smartphone? Wie schnell kann man in die Suchtspirale geraten und wie erging es jemandem, der deshalb seinem Leben ein Ende setzen wollte? Mit diesen Fragen haben sich Schüler der Gewerblichen Schule der Abteilung vier Duale Ausbildungsvorbereitung (Profil

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