Waiblingen

Schützen Sie sich vor Kohlenmonoxid

Bezirksschornsteinfeger Falk Nienaber demonstriert bei einer Privatfamilie (Graumann) in Korb den richtigen Gebrauch eiens Holzo
Damit Ihnen im Haus nicht die Luft ausgeht: Öfen, Kamine und alle Geräte, bei denen Brennstoff für die Energie sorgt, müssen richtig betrieben und gewartet werden. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Niemals hätte das passieren dürfen: Sechs Teenager sind vor gut einer Woche bei Würzburg an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung gestorben. Sie hatten in einem geschlossenen Raum einen Benzinmotor laufen lassen. Doch wie kommt es zu so einem Unglück? Wie kann man das verhindern? Ein Elektrofachmann und ein Schornsteinfeger geben Auskunft.

Der Tod der sechs Teenager in der Nähe von Würzburg vor rund einer Woche kann tragischer kaum sein – rätselhaft ist er nicht mehr. Die jungen Leute haben sich mit Abgasen vergiftet. Was dort passiert ist, sagen sowohl der Weinstädter Elektro-Fachmann Ulli Maier, Obermeister der Elektro-Innung, als auch Erich Schmidt aus Leutenbach, stellvertretender Obermeister der Schornsteinfeger, könne man mit jenen Todesfällen vergleichen, bei denen Autoabgase ins geschlossene Fahrzeug geleitet werden.

Die Jugendlichen hatten ein mit Benzin betriebenes Stromaggregat in der Hütte laufen lassen und waren an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Kohlenmonoxid – korrekt heißt es Kohlenstoffmonoxid – entsteht, wenn eine Verbrennung unter zu wenig Sauerstoff abläuft. Dann verbindet sich der Kohlenstoff nur mit einem Sauerstoff-Atom anstatt mit zweien – eine hochgiftige aber geruchlose Verbindung, die beim Einatmen schnell zum Tod führt.

Auf Warnhinweise an den Geräten achten

Stromaggregate sind, sagt Ulli Maier, freiverkäuflich. Aber sie sind auch mit den entsprechenden Warnhinweisen versehen. Wer also Strom braucht, um etwa in einer Gartenhütte Musik laufenzulassen, kann schon ein solches Gerät benutzen. Man sollte es aber tunlichst nicht in der Hütte aufstellen. Mit Brennstoffen betriebene Stromaggregate gehören nach draußen, nur das Kabel darf nach innen gelegt werden.

Elektrogeräte selbst produzieren keine Abgase. „Sie produzieren zwar Wärme, aber die verbraucht keinen Sauerstoff.“ In dieser Wärme aber liegt die andere Gefahr: Holz, sagt Maier, entflammt bei 80 Grad. So mancher Trafo wird heißer. So manches Gerät, über das gedankenlos ein Kleidungsstück oder anderes geworfen wird, auch. Hinweise auf Geräten, sagt Maier, solle man ernst nehmen. Und außerdem auf entsprechende Gütezeichen achten. Wie zum Beispiel auf das dreieckige MM-Zeichen bei Leuchten. Das zum Beispiel versichert: Hier wird nichts zu heiß.

Feuerstellen sollten mit Sachverstand eingebaut werden

Wer in Gartenhäuschen mit Holzöfen heizt, entzündet zwar hoffentlich sein Feuer nur an der gewünschten Stelle, doch auch Holzöfen können zur Gefahrenquelle werden. Beim Tod der Teenager hatte die Kriminalpolizei einen solchen auch zuerst im Verdacht. Denn Feuerstellen aller Arten, ganz gleich ob offener Kamin, geschlossener Kamin, Kachelofen oder auch mit Gas betriebener Kamin sollten mit Sachverstand eingebaut und regelmäßig vom Schornsteinfeger kontrolliert werden, sagt Erich Schmidt.

 Die Frage lautet immer: Stimmt das Verhältnis von Raumgröße und Leistung des Kamins? Ist der Ofen zu groß und zu leistungsstark, verbraucht er zu viel Sauerstoff. Wird zu viel Sauerstoff verbraucht, ist er knapp für diejenigen, die im Raum noch atmen möchten. Ganz gefährlich wird es, wenn Dunstabzugshauben ins Spiel kommen. Die spielen nun eher keine Rolle in Gartenhäuschen, doch das Prinzip ist überall das Gleiche: Dunstabzugshauben saugen sehr viel Luft ab, es kann ein Unterdruck entstehen.

„Finger weg vom Selbermachen"

Wenn das passiert, werden die Abgase des Kamins nicht mehr nach außen gegeben, sondern wieder nach innen gesogen. Vergiftungsgefahr droht. Ist der Schornstein des Gartenhäuschen-Kamins verstopft, ganz gleich ob durch alte Wespen- oder Vogelnester oder sonstigen Schmutz, ziehen die Abgase auch nicht ab.

Bei den Dunstabzugshauben helfen Schalter, die verhindern, dass Küchenhelfer und Kamin gleichzeitig bedient werden. Oder die Haube kann nur dann eingeschaltet werden, wenn das Fenster geklappt ist. Beim verstopften Gartenhäuschen-Kamin hilft nur der Fachmann. Deshalb sagt Erich Schmidt: „Finger weg vom Selbermachen. Und den Schornsteinfeger holen. Auch wenn’s dann was kostet.“ Das Leben wird’s uns doch wohl wert sein.

Die Feuerwehr warnt

  • Die Feuerwehren im Rems-Murr-Kreis informieren „aus aktuellem Anlass“, dass auch Shisha-Pfeifen, die in geschlossenen Räumen benutzt werden, zu Kohlenmonoxid-Vergiftungen führen können.
  • Deshalb solle stets auf ausreichende Belüftung geachtet werden.
  • Grills mit Kohle oder gar Holz sollen nie in geschlossenen Räumen genutzt werden. Und das gelte auch für das Abkühlen der Kohle!
  • Wer in Räumen, in denen eine Verbrennung abläuft, ganz gleich, ob Kohle, Gas oder Holz, ob Pfeife, Kamin oder anderes, plötzlich Kopfschmerzen bekommt, sollte sofort lüften und den Raum verlassen. Plötzlich auftretende Kopfschmerzen und eventuell Bewusstseinstrübungen sind ein erstes Anzeichen für eine mögliche Vergiftung.