Waiblingen

Schalzberger Heide: Die vierbeinigen Rasenmäher sind da

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Schalzberg Stetten Weidewirtschaft. © Laura Edenberger

Kernen-Stetten. Fünf Krainer Steinschafe der Stettener Schäferin Christine Brencher machen sich als Pflegetrupp in der Schalzberger Heide nützlich. Nach der Erstpflege des verwilderten Hanggeländes im Januar mit Motorsägen und Mähraupen beginnt jetzt die kontinuierliche Beweidung. Ein mobiler Zaun dirigiert die Tiere über die Streuobstwiesen, so dass sanfte Pflege flächendeckend den Artenreichtum sichern hilft.

Die früher mit mannshohen Brombeerbüschen überwucherten Wiesen über der Esslinger Straße sind heute wieder begehbar. Nicht nur für die Eigentümer, die auf der 1,5 Hektar großen abschüssigen Fläche wie früher Obst ernten könnten, falls Bedarf bestünde. Auch die fünf ökologischen Rasenmäher der Stettener Schäferin Christine Brencher haben auf der saftigen Wiese freie Bahn. Die vom Aussterben bedrohten Krainer Steinschafe hat Brencher eigens für den Schalzberg beschafft.

„Im August kommt ein Bock dazu, der für den Nachwuchs sorgen soll“

Krainer Steinschafe wurden laut Landratsamt schon zu Zeiten des Ötzi gehalten und stehen auf der roten Liste der gefährdeten Haustierrassen. Das Gehege bekommt ihnen. Sie stehen da und mampfen Salbei. Sie mähen, damit die waldnahen Wiesen nicht erneut verbuschen und zum Unterschlupf von Wildschweinen werden können. „Im August kommt ein Bock dazu, der für den Nachwuchs sorgen soll“, verrät Christine Brencher.

Schafe übernehmen pflegerischen Feinschliff

In einer ersten Phase hatte der Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr (LEV) zusammen mit dem Pflegetrupp der Diakonie im Januar die Grobarbeit mit Motorsägen, Mähraupen und Freischneidern organisiert. 20 000 Euro steckte der Landkreis in die Rodungsarbeiten. Würden jetzt nicht Schafe den kontinuierlichen pflegerischen Feinschliff übernehmen, wären die Baumwiesen innerhalb von zwei Jahren wieder verbuscht, sagt Forstwirt Ronald Blümle vom LEV. Wenn nach einer Beweidungsphase der mobile Sicherungszaun für die Herde versetzt wird, muss nachgemäht werden, was die Schafe stehen ließen.

Ab Sommer um Bauschnitt kümmern

Kirsten Kindermann, stellvertretende Geschäftsführerin des LEV Rems-Murr, sagte bei einem Pressetermin gestern, die IG Streuobst und die Gemeinde wollten sich ab Sommer im Rahmen der Nachpflege um den Baumschnitt kümmern. Dass die Eigentümer ihre Bäume selber zurückschneiden und Obst ernten, sei unwahrscheinlich, da das Interesse gering sei, merkt Ronald Blümle an. Mit ein Grund dafür sei die fehlende Erschließung an der Nordseite.

Beweidung sichert die Artenvielfalt

Für den Landschaftserhaltungsverband ist es ein Vorzeigeprojekt. Zu Beginn war das Streuobstgebiet zu über 50 Prozent verbuscht, so dass sich in dem waldnahen Dickicht auch Wildschweine einnisteten. Ferner waren gut die Hälfte der Bäume nicht mehr gepflegt. Die ökologische Bewirtschaftung werde den Artenreichtum auf der Hangfläche wieder stärken, sind sich Kindermann und Blümle sicher. Vielfalt bei den Vogelarten bedeute, dass auf den freigelegten Baumwiesen wieder Lebensraum für Grünspecht, Kohlmeise, Blaumeise, Buchfink und Halsbandschnäpper geschaffen wird. Beweidung stelle eine artenreiche Blumenwiese sicher, sagt Blümle. „Dann wachsen da Margretla, Salbei, Glockenblumen, Hasenfuß. Auch Glatthafer wäre gut.“ Jedenfalls sei, solange die kleine Schafherde unterwegs ist, mit Wildschweinen nicht mehr zu rechnen. Den Rohhumus mit seiner von Wildschweinen so begehrten Vielzahl an Insekten, eine Folge der Verbuschung, gibt es jetzt praktisch nicht mehr.

Pflegetrupp hilft

Bereiche, die von den Schafen nicht abgeweidet werden, müssen konsequent abgemäht werden, so das Landratsamt. Der Pflegetrupp der Diakonie unter Leitung von Andreas Neuffer und Andreas Reutter vom Maschinenring übernehmen diese Aufgabe. Die Rodung vom Januar würde keine nachhaltige Öffnung der Wiesen nach sich ziehen, kämen nicht Schafbeweidung und maschinelle Nachpflege dazu.