Waiblingen

Schulhelfer mit vier Pfoten

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Mops Anton sucht sein Leckerli. © Leonie Kuhn

Kernen. Lebhafter Spielgefährte und geduldiges Kuscheltier ist Mops Anton für die Viertklässler der Haldenschule Rommelshausen. Zweimal pro Woche begleitet der Besuchshund Rektorin Susanne Kolbe, seine Besitzerin, zum Unterricht. Der pädagogische Mehrwert: mehr Zutrauen und Rücksicht, weniger Außenseiter und Abschottung.

Video: Auf der Haldenschule Rommelshausen darf sich Mops Anton als Pädagogenhund austoben, die Schüler haben ihren Spaß.

„Anton! Anton!“, lockt ein Junge, die Hand tief unter den Tisch gestreckt. Der Mops flitzt begeistert hinüber, dass seine Krallen nur so über den harten Boden des Klassenzimmers klappern. Während der Schüler den mit rauer Stimme hechelnden Anton krault, wird um ihn herum gebrütet und geschwatzt: Die Klasse 4b hat ihre Mathe-Freiarbeitszeit bei Rektorin Susanne Kolbe.

Seit 2013, seit ihrem Wechsel von der Korber Urbanschule an die Rommelshausener Haldenschule, bringt Susanne Kolbe Anton mit Genehmigung des Backnanger Schulamts zweimal pro Woche zum Unterricht mit. Damit verfolgt sie den Ansatz der „tiergestützten Pädagogik“. Durch den Kontakt mit dem lebhaften Vierbeiner, regelmäßige Hundedienste und Lernspiele sollen die Schüler einen erzieherischen Mehrwert aus dem Unterricht ziehen.

Seit 2008 ist Anton ein ausgebildeter Besuchshund

Die Idee kam während ihrer Zeit in Korb auf. Da habe es zwei Kinder gegeben, die nur ungern zu Ausflügen mitgingen und sich bisweilen abzuseilen versuchten. Kolbes Kollegen schlugen vor, Anton mitzunehmen und ihn von den beiden führen zu lassen. Es funktionierte – und brachte Kolbe auf die Idee, Anton zum Schulhund zu machen. So ließ sie ihn 2008 zum Besuchs- und Therapiehund ausbilden, für Alte, Kranke, doch vor allem: für ihre Schüler.

Nun ist er immer wieder in Kolbes Unterricht mit dabei, lässt in ihren Projekten seinen Körperbau unter die Lupe nehmen und begleitet sie und ihre Klassen auf Ausflüge. Bei Lernspielen ist er Teammaskottchen: Bei einer Matheübung zum Beispiel bilden zwei Kinder ein Team. Das eine hält Anton, das andere löst eine Rechenaufgabe. Wenn das Ergebnis stimmt, dürfen sie dem Mops zur Belohnung ein Leckerli geben. Dabei geht es nicht nur um Teamwork, sondern um effektives Arbeiten, um Spaß am Unterricht und Vorfreude auf Schulübungen.

Kinder sollen auf den Mops zugehen und Zutrauen fassen

Verantwortung und angemessenes Verhalten gegenüber Tieren ist eine weitere Lektion, die der Umgang mit Anton lehren soll. Es gibt feste Aufgaben für die Schüler, wie Antons rote Hundedecke im Schrank zu verstauen, den Wassernapf zu füllen oder ihn kurz auszuführen.

Doch vor allem geht es um emotionales und soziales Lernen. Die Kinder sollen auf den Hund zugehen und Zutrauen fassen, sich in ihn und seine Bedürfnisse einfühlen, ihre Gefühle mitteilen und so ganz nebenbei lernen, rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Dadurch gewinnen vor allem Kinder, die Schwierigkeiten haben, auf andere zuzugehen. Über den Mops können sie mit Mitschülern ins Gespräch kommen.

Gutmütigkeit und Geduld qualifizieren Anton als Schulhund

Kinder, die Angst vor Hunden haben, können in Kolbes Unterricht ebenfalls positive Erfahrungen machen. Wenn Anton die ersten Male in einer Klasse zu Besuch ist, bleibe er angeleint und an seinem Platz, berichtet Kolbe. Durch die Gewöhnung lasse die Angst nach. „Das legt sich ganz schnell.“ Einmal, erinnert sich Kolbe, habe sogar ein Schüler seine Mutter davon überzeugen können, sich trotz ihrer Furcht vor Hunden auf dem Schulfest an Anton heranzuwagen – schließlich erlebte ihr Sohn den Hund Stunde um Stunde als gutmütig. Ein Lernerfolg über die Generationen hinweg.

Gerade Antons Gutmütigkeit und Geduld sind es, die ihn besonders als Schulhund qualifizieren. „Der Anton liebt Kinder über alles, das sieht man an seinem Engagement.“ Daran, wie er seine Runden zwischen Tisch- und Kinderbeinen dreht, von einem Lockruf zum nächsten flitzt, mit seinem Hundegeschirr klappert, neugierig die Vorderpfoten auf Lehrerpult und Kinderknien abstützt, sich behaglich kraulen lässt. Auch plötzlicher Lärm, hohe Lautstärke, Kinderspiele – ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. „Wenn andere Hunde vor Skateboarden wegrennen, steht er am besten noch mit drauf“, kennt Kolbe ihren kleinen Begleiter.

Der Mops ist für Kolbes Schüler Alltag

Natürlich gibt es auch ruhige Tage. Da liegt Anton dann auf der Decke und schläft in der Vormittagssonne. Nachmittags nach der Schule ist bei ihm dann die Luft raus: Anstrengend ist so ein Vormittag schon.

Insgesamt bringt er Kolbes Erfahrung nach keine Unruhe in den Unterricht. Der Arbeitsfluss werde durch ihn nicht gestört. „Wenn Klassen ihn kennen, wird auch Anton Alltag.“ Manche Kinder erledigen alleine ihre Aufgaben, manche unterhalten sich nebenbei und manche – die rufen Anton herbei und legen eine Streichelpause ein.

Anton

  • Im Dezember 2006 wurde Anton in Saarbrücken geboren. Sein Lieblingsspielzeug: der Ball.
  • Seine sechsmonatige Ausbildung zum Therapie- und Besuchshund absolvierte Anton 2008 bei der Böblinger Sektion des Malteser Hilfsdienstes.
  • Für seinen Schuleinsatz wird Anton regelmäßig vom Tierarzt untersucht.
  • Bei nachgewiesener Tierhaarallergie wird Anton nicht in die Klasse betroffener Schüler genommen.