Waiblingen

Schwanen Waiblingen: Sorglos-Song-Slam findet am 3. Juni als Livestream statt

Mackefisch
Peter Fischer und Lucie Mackert sind Mackefisch. © Max Saufler

Seit vergangenen Herbst findet im Kulturhaus Schwanen regelmäßig der „Sorglos Song-Slam“ statt. Diese Konzerte sind an das Konzept des Poetry-Slams angelehnt – nur treten dabei nicht Dichter, sondern Liedermacher gegeneinander an. Während der Corona-Pandemie können die Slams in gewohnter Form natürlich nicht stattfinden. Um die Künstler in dieser schweren Zeit aber nicht hängenzulassen, haben sich der Schwanen und das Kulturbüro dazu entschieden, am 3. Juni den Slam als Livestream stattfinden zu lassen. Stefan Kraft vom Kulturbüro Sorglos ist Initiator und Veranstalter des Sorglos-Song-Slams. Über sein Format Feierabend TV wird das kleine Konzert von der Bühne im Kulturhaus Schwanen als Livestream bei Youtube übertragen.

Die Liedermacher bekommen eine kleine Gage

„Da wir dieses Mal, dank des Kulturhauses Schwanen, Fixgagen bezahlen können, haben wir uns dazu entschieden, nur Berufsmusikerinnen ins Line-Up zu nehmen“, sagt Stefan Kraft. „Die sind gerade auf die Gagen angewiesen, um zu überleben.“ Mit dabei sind bei der Premiere am 3. Juni um 20 Uhr Deutsch-Pop-Soul-Sängerin Tabea Booz, Songpoetin Marie Luise und Blueser I am Korny aus Stuttgart. Aus Mannheim stößt das ironisch-brillante Musik-Kabarett-Duo Mackefisch hinzu.

Der Waiblinger Liedermacher Tobias Dellit übernimmt die Moderation. „Statt der üblichen drei Runden mit Vorrunde, Halbfinale und Finale wird jeder Musiker und jede Musikerin einen Slot von circa 15 Minuten und einen kurzen Talk mit dem Moderator haben“, sagt Kulturbüro-Chef Stefan Kraft. „Die Zuschauer können dann per Online-Voting ihren Favoriten wählen.“

Cornelius Wandersleb vom Kulturhaus Schwanen sieht dem Mittwochabend gespannt entgegen: „Das wird ein Test für uns“, sagt der Veranstalter. Platz gibt es zum Glück genug: Im Kulturhaus finden aktuell so gut wie keine Kurse statt. Es gebe deshalb jede Menge freie Räume, um die Künstler separat „corona-koscher“ zu verpflegen, so der Organisator.

Song-Slam kann man gratis auf Youtube schauen

Ein Song-Slam ganz ohne stimmungsmachendes Publikum ist allerdings schon ohne Abstandsregeln eine echte Herausforderung: „Es liegt wie noch nie an unserem Team, dass der Abend trotzdem lustig wird.“ Der Live-Stream ist klar eine Notlösung: „Er kann ein richtiges Konzert nicht ersetzen. Aber wir wollen nicht Trübsaal blasen. Immerhin machen wir etwas.“ Obwohl der Livestream für jedermann auf der Youtube-Seite „Kulturbüro Sorglos“ gratis zugänglich ist, zahlt der Schwanen den vier Liveacts eine kleine Gage.

Das ist sonst bei solchen Slams nicht üblich: „Normalerweise werden da nur Fahrkosten oder Ähnliches erstattet“, sagt Wandersleb. Er hofft, dass dieses Projekt den freischaffenden Künstlern wenigstens ein bisschen Abwechslung verschaffen kann. „Du bist als Künstler arbeitslos im Moment.“

Mackefisch sind auf Soforthilfe angewiesen

Von diesem erzwungenen Stillstand können Lucie Mackert und Peter Fischer, die zusammen das Duo Mackefisch bilden, ein Lied singen: In ihren neuesten Musikvideos „Wohnzimmer“ und „Brot (Künstler bitte nicht füttern)“ setzen sie sich sehr ironisch mit der aktuellen Situation und dem Gefangensein in den eigenen vier Wänden auseinander. Die Corona-Pandemie habe ihnen praktisch die Lebensgrundlage genommen, sagt Peter Fischer. Er und seine Partnerin leben hauptsächlich von den Einnahmen von Live-Auftritten. „Zum Glück leben wir in Baden-Württemberg. Das mit der Soforthilfe hat bei uns ziemlich gut geklappt. Da darf ich nicht meckern. Kollegen in anderen Bundesländern haben nicht einmal das“, sagt der Musiker.

Dass es beim Sorglos-Song-Slam und bei anderen Online-Veranstaltungen des Kulturbüros Sorglos eine kleine Gage gibt, findet er eine feine Sache. „Aber auch das rentiert sich finanziell nicht.“ Er und Lucie Mackert nutzen die Zeit, um zu Hause an neuen Songs zu arbeiten. Diese Zeit überhaupt mal zu haben, das sei schon ganz gut, sagt Fischer. „Aber es ist schwierig, kreativen Output zu haben, wenn man keinen Input hat außer den eigenen vier Wänden.“

Musikunterricht an der Musikschule als zweites Standbein

Auch Tabea Booz’ Auftritte sind wegen Corona alle ausgefallen. Die Musikerin hat aber zum Glück noch ein zweites Standbein: Sie unterrichtet als Honorarkraft an der Musikschule in Kornwestheim. „Ich habe keinen einzigen Tag freigemacht“, berichtet die Gesangslehrerin. Das war auch wichtig, immerhin ist sie jetzt so wie noch nie auf das Honorar angewiesen. Sie freut sich auf den Song-Slam und findet es gut, dass die Veranstalter sich dafür einsetzen, dass freischaffende Künstler für ihre Kunst bezahlt werden.

Sie wünscht sich, dass sich das Bezahlen für Kunst auch online weiter etabliert – gerade jetzt, wo viele ihrer Kollegen so sehr von diesem ungewöhnlichen Format abhängig sind.

Seit vergangenen Herbst findet im Kulturhaus Schwanen regelmäßig der „Sorglos Song-Slam“ statt. Diese Konzerte sind an das Konzept des Poetry-Slams angelehnt – nur treten dabei nicht Dichter, sondern Liedermacher gegeneinander an. Während der Corona-Pandemie können die Slams in gewohnter Form natürlich nicht stattfinden. Um die Künstler in dieser schweren Zeit aber nicht hängenzulassen, haben sich der Schwanen und das Kulturbüro dazu entschieden, am 3. Juni den Slam als Livestream

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