Waiblingen

Seepferdchen-Skulptur für die Rems

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Kunsthistoriker Christian von Holst, Künstler Stephan Balkenhol sowie die Stifter Eva Mayr-Stihl und Robert Mayr (von links). © Schneider / ZVW

Waiblingen. Hier kommt das neue Wahrzeichen der Galerie Stihl: Ein Mann schwimmt auf einem gewaltigen Seepferdchen über die Wellen der Rems. Der Figur am Kreisverkehr ganz in der Nähe sieht der Reiter täuschend ähnlich. Kein Zufall, es ist das neueste Werk des Bildhauers Stephan Balkenhol, ebenfalls ein Geschenk der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung.

Nur ein paar Tage bleiben Zeit, die Bronzeskulptur aus der Nähe zu betrachten und zu berühren. Denn am Donnerstag wird ein 240-Tonnen-Kran anrollen und das Seepferdchen in seinen zukünftigen Lebensraum hieven: die Rems. Dort wird dieses „Reiterstandbild“, wie es Stephan Balkenhol selbst nennt, zwischen zwei Betonblöcken auf einer Boje im Fluss treiben und alle Wellenbewegungen und Pegelschwankungen mitmachen.

Nach Olafur Eliassons „Pavillon“ bei der Häckerbrücke, Tobias Rehbergers Sonnenuhr auf der Erleninsel und eben Stephan Balkenhols Kreisel-Mann an der Neustädter Straße ist der „Mann auf Seepferdchen“ das vierte Kunstwerk, das die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung der Stadt Waiblingen schenkt.

Was, wie der international gefeierte Kunst-Star den Remstälern bescheinigt, für eine Stadt dieser Größe eine außergewöhnlich hohe Dichte von Skulpturen bedeutet.

Rettungseinsatz auf der Themse für den Mann auf der Boje

Das zur Einweihung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Galerie Stihl geladene Publikum hört es gern. Die „Kunst im öffentlichen Raum“, die Stephan Balkenhol und die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung pflegen, gehöre „zur DNA der Stadt Waiblingen“, bestätigte Oberbürgermeister Andreas Hesky in seiner Dankesrede.

Der neue Balkenhol passe zur Remstal-Gartenschau, zeitlich wie örtlich – „denn hier werden Fluss und Stadt eins, passend zum Ensemble der Gebäude“. Statt Kunst nur im stillen Kämmerlein aufzuhängen, um sich privat daran zu freuen, gehe die Familie Mayr-Stihl damit in die Öffentlichkeit: „Sichtbar für alle soll die Kunst sein, jeder soll Teilhabe an ihr erlangen, sich an den Werken erfreuen und sich mit ihnen auseinandersetzen können – sie sind begehbar, begreifbar, erlebbar, ganz ohne Eintritt.“

Ein neuer Akzent für Fluss und Stadt

Das Werk verleihe einen „neuen Akzent für Fluss und Stadt“, versprach Eva Mayr-Stihl und verriet, dass ein längerer Prozess des Auswählens einer geeigneten Skulptur vorausging. Bis die Entscheidung nach Beratung mit Kunsthistoriker Christian von Holst eben auf das von Stephan Balkenhol skizzierte Seepferdchen fiel.

Der frühere Direktor der Staatsgalerie Stuttgart schlug den Bogen von der Zoologie in die antike Sagenwelt: Der lateinische Begriff für das hübsche Tierchen lautet Hippocampus und erinnert an die Mischung aus Pferd und Seeschlange, auf welcher Meeresgott Poseidon durch die Fluten reitet.

Interessante Perspektiven seien garantiert, denn bei spiegelglatter Oberfläche der Rems werden Seepferdchen und Reiter doppelt zu sehen sein. Der Künstler aus Kassel liebe ungewöhnliche Verbindungen wie diese – im Hamburger Tierpark Hagenbeck steht eine Giraffe, um deren Hals sich ein Balkenhol-Mann klammert. Auf der Themse in London ließ er schon einmal eine Figur auf einer Boje stehen – was hilfsbereite Zeitgenossen offenbar schon dazu bewegte, die Rettungskräfte zu alarmieren.

Seepferdchen und Mann sind aus Bronze, das Seepferdchen wurde lackiert, der Mann sandgestrahlt und mit extrem matten Farben versehen. Die Balkenhol-typischen Figuren sind nie ganz gleich, doch meistens blicken sie mit unausdeutbarem Gesichtsausdruck in die Ferne oder ins Leere.


Stephan Balkenhol

Stephan Balkenhol ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Künstler und vor allem bekannt für seine bemalten Holzskulpturen. Er ist 61 Jahre alt und lebt in Kassel. Seit 1992 ist er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe.

Die Stihl-Stiftung zitiert ihn: „Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“