Waiblingen

Sieben Tipps  für einen naturnahen Garten

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Möglichst vielfältig sollte die Bepflanzung in einem naturnahen Garten sein. © DoraZett - Fotolia

Er ist ein klarer Gegenentwurf zu aufgeräumten langweiligen Grünstreifen vor vielen Häusern und erst recht zu den toten Schottergärten, die aus unseren Städten verschwinden sollen: ein Naturgarten mit vielen verschiedenen Pflanzen, Wasserstellen und Rückzugsorten für all seine Bewohner. Hier sollen bedrohte Insekten, Vögel und Igel ein Zuhause finden können. Schon zum zweiten Mal hat die Stadt Waiblingen einen Wettbewerb für naturnahe Gärten ausgeschrieben. Eingegangen sind bei der Stadt bisher vier Bewerbungen. Bewerbungsschluss ist der 15. August. Doch auch viele Gartenbesitzer, die an keinem Wettbewerb teilnehmen wollen, wollen ihren Garten insektenfreundlicher und naturnaher gestalten und fragen sich nur, wo anfangen? Landschaftsarchitektin Bettina Jaugstetter, die das Pflanzkonzept der Stadt im Gartenschaujahr entwickelte, gibt Tipps für lebendige Gärten.

Der richtige Zeitpunkt

Wann ist der richtige Zeitpunkt, mehr Natur in den Garten zu holen? Praktisch immer, sagt die Expertin. Wer in seinen Garten mit insektenfreundlichen Stauden Wildtiere einladen will, kann damit jederzeit beginnen. „Wenn man den Garten aber komplett umkrempeln will, tut man sich im Herbst oder im zeitigen Frühjahr leichter, weil die Pflanzen in der Ruhephase sind“, erklärte Bettina Jaugstetter. Zudem sei dann das Angebot in den Gärtnereien und Gartenmärkten größer, und die Pflanzen müssten nicht ganz so oft gegossen werden. Apropos gießen: Anfangs, wenn sie noch anwachsen müssen, brauchen die Pflanzen am meisten Wasser. „Das ist wie bei einem Baby“, bringt es Bettina Jaugstetter auf den Punkt: „Da kann man nicht genug machen.“

Der Giersch muss raus

Bevor die neuen Pflanzen ins Beet kommen, sollte der Boden von Wurzelunkräutern wie Giersch, Quecken und Winden befreit werden. Mühsam müssen die Wurzeln rausgezogen werden – „eine richtige Knochenarbeit“, weiß Bettina Jaugstetter. Doch wenn der Boden mit Giersch verseucht ist, hilft ihrer Erfahrung nach nur mechanisches Entfernen. Und danach eine Bepflanzung mit konkurrenzstarken Pflanzen wie wintergrünem Carex, Elfenblumen, Schlangenknöterich oder Brandkraut, die den Giersch – hoffentlich – verdrängen. Allerdings, sagt die Landschaftsarchitektin: „Zu hundert Prozent wird man ihn nie los.“

Was darf ins Beet?

Welche Pflanzen ins Beet dürfen, ist außer der Frage des Standorts eine des Geschmacks. Zunächst wird die Lage des Gartens bestimmt. Der nach Süden oder Südwesten exponierte Garten braucht Pflanzen wie Flieder, Katzenminze und Mädchenauge, die an Trockenheit angepasst sind. Im zeitigen Frühjahr, vor dem Austrieb der Blumenzwiebeln, werden sie zurückgeschnitten. Vorwiegend immergrüne Pflanzen wie Funkien, Akelei und die Japan-Segge passen in einen Garten, der Richtung Nord oder Nordost geht. Nur wenige Arten werden nach dem Winter zurückgeschnitten. Einen Flyer mit ausführlichen Pflanzlisten gibt’s in den Rathäusern.

Bitte mit Staffelung

Als Faustregel gilt: Fünf bis sieben Stauden können pro Quadratmeter Pflanzfläche gepflanzt werden. Um eine Höhenstaffelung zu erreichen, werden höhere, Gerüstbildner (etwa zehn Prozent der Gesamtstaudenmenge), mit etwas niedrigeren Begleitstauden kombiniert. Diese können nach den Lieblingsfarben ausgewählt werden. Besonders schön ist, wenn sie zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen. Dazu kommen die Bodendecker, die rund 40 Prozent der Gesamtstauden ausmachen können. „Je weniger Pflanzenarten gepflanzt werden, desto ruhiger sieht es aus“, erklärt Bettina Jaugstetter. Allerdings steigt das Risiko für einen Misserfolg: Fühlt sich die Pflanzenart nicht wohl, zeigt sich das dann an vielen Stellen im Garten.

Am Schluss wird gemulcht

Sinnvoll am Schluss: „Das Ganze sollte gemulcht werden.“ Für Schattenpflanzen am besten organisch mit Grünschnitt, für trockene Pflanzen sollte ein mineralischer Mulch verwendet werden. Organischer Mulch sollte alle zwei bis drei Jahre aufgefüllt werden. Das Mulchen reduziert die Verdunstung, weshalb die Pflanzen deutlich weniger Wasser brauchen. Zudem können unliebsame Samenunkräuter weniger gut keimen.

Es muss mit wenig Pflege gehen

Später müssen die Pflanzen im naturnahen Garten mit wenig Pflege klarkommen. Und das tun sie auch, wenn sie für den Standort im Garten geeignet sind. Schattenpflanzen werden sich in der vollen Sonne nie wohlfühlen und Sonnenanbeter im Schatten immer mickern. Auch wenn viele denken, dass es bei uns aufgrund der Erderwärmung immer wärmer wird – verlassen sollte man sich auf die warmen Temperaturen nicht, rät die Landschaftsarchitektin. Milde Winter und knackige Eisheilige wie in diesem Jahr kann es immer wieder geben.

Er ist ein klarer Gegenentwurf zu aufgeräumten langweiligen Grünstreifen vor vielen Häusern und erst recht zu den toten Schottergärten, die aus unseren Städten verschwinden sollen: ein Naturgarten mit vielen verschiedenen Pflanzen, Wasserstellen und Rückzugsorten für all seine Bewohner. Hier sollen bedrohte Insekten, Vögel und Igel ein Zuhause finden können. Schon zum zweiten Mal hat die Stadt Waiblingen einen Wettbewerb für naturnahe Gärten ausgeschrieben. Eingegangen sind bei der Stadt

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