Waiblingen

Signal-, Weichen-, sonstige Störungen

S Bahn Stellwerks Störung Waiblingen über vier Stunden keine Verbindung zwischen Stuttgart und dem Rems Murr Kreis
Warten wegen einer Störung: Das kommt oft vor. © Habermann/ZVW.

Waiblingen/Stuttgart.
Die „objektive Pünktlichkeit“, so die Bahn, sei längst deutlich besser, als es die Kundenzufriedenheit vermuten lässt. Tatsächlich aber vergeht kaum ein Tag, an dem etwa zvw.de keine Probleme mit den S-Bahnen vermeldet. Und was eigentlich steckt denn immer hinter den Verspätungen?

„Jetzt musste ich innerhalb einer Woche meinen Mann zweimal in Waiblingen vom Bahnhof abholen, weil er wegen Signalstörungen nicht weiterkam. Wir wohnen in Schwaikheim. Ein ominöses Wort, ,Signalstörung’, ebenso wie andere Fehlermeldungen der Bahn.“ Wer S-Bahn fährt und womöglich pünktlich kommen muss, der kennt ihn – den Ärger. Genau so, wie’s diese Schwaikheimerin schildert. Die S-Bahn fährt nicht oder später oder kommt zu spät oder hört mittendrin auf zu fahren. Warum eigentlich? Was soll das sein, die Signalstörung, die gerissene Oberleitung, der Personenschaden? Und warum hört das niemals auf?

Blick ins Online-System des Zeitungsverlags: 20. September, 8.01 Uhr, Verspätungen auf der S 2 und der S 3. 19. September, 18.30 Uhr, Verspätungen und Fahrtausfälle wegen Weichenstörung. 14. September, 7.19 Uhr, Verspätungen und Ausfälle von S 2 und S 3 – und das dann den ganzen Tag hindurch. 13. September, 15 Uhr, Verspätungen auf den Linien S 2 und S 3. 12. September, 17.30 Uhr, Signalstörung: Verspätungen und Fahrtausfälle. Und so geht’s weiter. Selten gibt’s Tage oder gar mehrere Tage hintereinander, an denen zvw-online nichts Negatives über die S-Bahn meldet. Und zu bedenken ist: Auf zvw-online steht nur, was unsere zwei Bahnstrecken tangiert. 13 Meldungen im Ferienmonat August, im September sind’s bislang 14.

Laut Bahn ist 2015 alles besser gelaufen als 2014

Die Bahn kontert die Misere in Pressekonferenzen mit dem Begriff „objektive Pünktlichkeit“. Die Zahlen für das Jahr 2015 sagen, dass gegenüber 2014 alles besser geworden sei. Nur noch 6,5 Prozent der S-2-Bahnen seien in der Hauptverkehrszeit sechs Minuten und mehr verspätet, bei der S 3 seien es 7,2 Prozent. Jedes Mal deutlich weniger als noch 2014. Starke Einbrüche erfährt, so vermittelt es eine Grafik, die Pünktlichkeit vor allem bei großen Ereignissen. Wie etwa im Oktober 2015, als erstens das Volksfest, zweitens ein Luftballon in einer Oberleitung und drittens Personen auf den Gleisen zusammenkamen. Und doch, muss selbst die Bahn feststellen, bliebe die „Kundenzufriedenheit mit der Pünktlichkeit (noch) deutlich unter dem Zielwert“. Ein Wunder? Eher nicht. Zumal zwar manchmal Erklärungen zur Verspätung hinzugegeben werden, aber längst nicht immer.

Wann Behörden Streckensperrungen anordnen

Ein Bahnsprecher erklärt, dass manche Störungen lange Verzögerungen mit sich bringen, ohne dass die Bahn daran etwas ändern kann. Verunglückt etwa ein Mensch wie auch immer auf den Gleisen, ordnen Bundespolizei oder Kripo „in der Regel eine komplette Streckensperrung“ an. „Über die Dauer der Sperrung und den Zeitpunkt der Wiederfreigabe der Gleise entscheiden allein die ermittelnden Behörden.“ Und wenn irgendetwas kaputtgeht, müssen aus Sicherheitsgründen oft Züge gestrichen werden. Bei der Signalstörung etwa. Die Signale regeln den Abstand und die Reihenfolge der Züge, vergleichbar mit Ampeln im Straßenverkehr. Funktioniert ein Signal nicht mehr richtig, müssen „Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Dabei wird in der Regel die Zugkapazität deutlich eingeschränkt.“ Soll heißen: Diverse Züge fallen aus. Reißt eine Oberleitung, kriegen die Züge keinen Strom mehr und können somit nicht mehr fahren. Für die Reparatur werde ein besonderes Fahrzeug, ein sogenannter Turmtriebwagen gebraucht. „Je nach örtlicher Verfügbarkeit eines solchen Fahrzeugs sind Reparaturen mitunter zeitaufwendiger.“

Die Bahn will 50 Millionen in die Infrastruktur investieren

Die Bahn hat längst eingestanden, dass einiges im Streckennetz zu verbessern ist. Rund 50 Millionen Euro sollen in diesem Jahr in die Infrastruktur investiert werden. In den vergangenen Jahren wurden die Signalanlagen und Weichen modernisiert – diese werden jetzt noch mit einer Technik ausgerüstet, die möglichst frühzeitig Fehler erkennt und weitermeldet. Die Oberleitungen würden, so heißt es, regelmäßig geprüft. Im kommenden Jahr soll der große Stadttunnel von Stuttgart Hauptbahnhof bis Vaihingen insgesamt 30 Nächte lang, und zwar immer von Montag auf Dienstag, für Renovierungen und Reparaturen gesperrt sein. Von abends 22.45 Uhr bis morgens 4.30 Uhr fährt dann auf dieser Strecke nichts mehr. Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf diejenigen, die in Richtung Rems-Murr-Kreis fahren oder daher kommen. Nachtschwärmer sollten sich also andere Tage für ihre Ausflüge aussuchen.
 


Störungen: Was steckt dahinter
Rätselraten bei S-Bahn-Fahrern, wenn Verspätungen oder Zugausfälle erklärt werden. Was soll das denn sein? Hier ein kleines Glossar mit Erklärungen der Pressestelle der Bahn.

Gerissene Oberleitung:
Die Oberleitung wird für Züge benötigt, die elektrisch angetrieben sind. Der Aufbau einer Oberleitung ist vereinfacht wie folgt beschrieben: An einem Oberleitungsmast ist ein sogenannter Ausleger angebracht, der die Oberleitung in die Position über dem Gleis bringt. An dem Ausleger befindet sich das Tragseil, unter dem dann der Fahrdraht hängt. Aus dem Fahrdraht beziehen die elektrischen Fahrzeuge über deren Stromabnehmer den Strom für den Antrieb ihres Elektromotors. Von einer gerissenen Oberleitung spricht man, wenn Fahrdraht oder Fahrdraht und Trägerseil gerissen wird.

Personenschaden:
Ein Personenunfall ist der Aufprall eines Schienenfahrzeugs – also eines Zuges oder einer S- oder U- oder Straßenbahn – gegen eine Person. Ein solches Ereignis zieht polizeiliche Ermittlungen nach sich.

Signalstörung:
Im Gegensatz zum Straßenverkehr, bei dem Autofahrer auf Sicht fahren, verkehren Züge im Blockabstand. Dazu sind Bahnstrecken in Abschnitte, in sogenannte Streckenblöcke, eingeteilt. Zwischen zwei Zügen muss dabei ein freier Streckenblock liegen. Signale regeln den Abstand und die Reihenfolge der Züge, ähnlich wie es Ampeln zum Beispiel an einer Straßenkreuzung tun. Funktioniert ein Signal nicht richtig, müssen zur Sicherheit meist Züge ausfallen.

Weichenstörung:
Eine Weiche ist eine spezielle Gleiskonstruktion einer Bahn, die Schienenfahrzeugen den Übergang von einem Gleis auf ein anderes ohne Fahrtunterbrechung ermöglicht. So können Bahnen erst ein gemeinsames Gleis benutzen, um dann auf die richtige Abzweigung verfrachtet zu werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Weichen zu stellen. Die älteste ist jene von Hand. Das passiert heute üblicherweise nicht mehr. Kann eine Weiche, etwa, weil sie im Winter festgefroren ist, nicht mehr gestellt werden, kann der Zug nicht mehr in die gewünschte Richtung fahren. Im schlimmsten Fall rutscht der Zug aus den Schienen und entgleist.