Waiblingen

So geht es Familie Lausterer heute

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Herbert Lausterer vor dem Haus in der Hohenacker Straße. © ZVW/Benjamin Büttner
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Das Feuer am 6. Februar.

Waiblingen. Zwei Monate nach dem verheerenden Brand, bei dem die fünfköpfige Hegnacher Familie Lausterer obdachlos wurde, haben die Lausterers zwei Mietwohnungen bezogen. Die Mietverträge laufen über eineinhalb Jahre. Bis dahin, hofft Thorsten Lausterer, soll das zerstörte Haus wieder aufgebaut sein. Sein größter Wunsch: Weihnachten 2020 soll die Familie wieder im Haus in der Hohenacker Straße feiern können.

Die Nacht auf den 6. Februar werden Lausteres nie vergessen. Gegen Mitternacht wurden sie aus dem Schlaf geschreckt, das Haus stand in Flammen. Alle Familienmitglieder – die Großeltern Herbert und Ingeburg und die Eltern Thorsten und Stefanie mit ihrem Baby Lukas – konnten sich vor dem Feuer ins Freie retten. Doch fassungslos standen sie auf der Straße und mussten mitansehen, wie ihre Existenz verbrannte. Später wurde als Brandursache ein Kurzschluss im Kühlschrank ermittelt.

Zwei Monate später ist für Familie Lausterer ist ein Stück Normalität zurückgekehrt. Nach einer überwältigenden Hilfswelle, in denen sie nicht nur Kleider, Möbel und Hausrat, sondern auch mehr als zehn Wohnungsangebote bekamen, haben beide Paare vorübergehend Mietwohnungen bezogen. Voraussichtlich eineinhalb Jahre lang leben Herbert und Ingeburg Lausterer nun in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die sie samt Möbeln und Hausrat übernehmen konnten. Die frühere Mieterin war zu ihrer Familie in die Türkei zurückgekehrt und hatte Lausterers vom Wohnzimmerschrank bis zum Kaffeelöffel alles verkauft. „Man muss froh sein“, sagt Herbert Lausterer bedächtig, während er in sein fremdes neues Wohnzimmer schaut. An der Wand hängen Familienfotos, die hat seine Tochter für ihn nachmachen lassen. Die offenen Regalfächer in der Schrankwand im Wohzimmer sind weitgehend leer, doch die Möbel gehören nun ihnen, und das ist ihm wichtig: „Wenn dir die Möbel nicht gehören, ist es ein komisches Gefühl.“

Nachts kommen die Bilder hoch

Die komischen Gefühle, die Momente des Erinnerns, der Panik sogar, sie sind für Familie Lausterer noch lange nicht vorbei. „Nachts hat man immer noch die Bilder vom Brand vor Augen“, sagt der 63-Jährige. Seine Frau Ingeburg ist in ärztlicher Behandlung, weil sie nicht mehr schlafen konnte. „Ich habe immer noch Panik, wenn ich Feuer rieche oder nur irgendwas auf dem Herd anbrennt“, sagt sie. Bis heute könne sie es nicht fassen, was da eigentlich passiert sei. Ende März sind auch ihr Sohn Thorsten und dessen Frau Stefanie mit ihrem Baby in eine Wohnung gezogen. In die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung eines Bekannten. „Es geht so weit ganz gut“, sagt Stefanie. Ungewohnt sei’s, nach Hause zu kommen. In eine Wohnung, in der nichts wirklich das eigene sei.

Seit kurzem ist auch die Brandursache bekannt. Einen technischen Defekt im Kühlschrank hat der Gutachter ermittelt, doch mit dem Abschlussgutachten lässt sich die Versicherung Zeit. „Wir wissen noch nicht, wie es weiter geht“, sagt Stefanie Lausterer. Die Frage sei, ob komplett neu gebaut werden kann oder das Haus auf dem verkohlten Erdgeschoss aufgebaut werden soll. Dies sei offen, obwohl das Haus 100 Jahre alt sei und der Statiker den Erhalt als völlig unwirtschaftlich bezeichnet habe. Bis zur Entscheidung der Versicherung kann am Brandhaus in der Hohenacker Straße nichts geschehen. Die Nachbarn müssten mit dem Feinstaub leben, der vom Gebäude ausgeht und sie selbst könnten nicht richtig planen, sagt ihr Mann Thorsten. „Wir sind in der Warteschleife. Wir warten auf die Entscheidung.“

Dabei hilft das Planen am besten gegen die Bilder in der Nacht. „Wenn man weiß, dass es weitergeht, beruhigt es einen“, sagt Stefanie Lausterer. Und weitergehen muss es ja, irgendwann. Sechs Wochen lang seien sie mit den Behörden und Versicherungen voll beschäftigt gewesen. Jetzt hat Stefanie wieder mehr Zeit, sich um den kleinen Lukas zu kümmern. Ingeburg geht wieder zum Basteln und zu den Landfrauen, ihr Mann Herbert beschäftigt sich mit seiner Landwirtschaft. Und Thorsten hat wenige Wochen nach dem Brand seinen Dienst bei der Feuerwehr wieder aufgenommen. „Man schafft da nach einem Schema“, sagt er. „Man denkt nicht nach.“ Für den Bau des Hauses steht ein Architekt in den Startlöchern. „Ich hoffe, dass wir Weihnachten 2020 dort feiern können“, sagt Thorsten Lausterer. Nach vorn will er schauen, nicht zurück. Dazu gehört auch, dass das alte verbrannte Haus endlich wegkommt. „Mein Traum ist, dass es weitergeht“, sagt seine Frau Stefanie. „Man soll sehen, dass was entsteht.“ Erst dann wird die Familie Frieden finden. „Wenn man die alten Balken sieht, hat man das Feuer im Kopf“, sagt Herbert Lausterer. „Und es riecht immer noch“, ergänzt seine Frau leise.


Dankbar für die Hilfe

Mit großer Dankbarkeit schauen Lausteres auf die überwältigende Hilfswelle zurück. „Das kann man sich nicht vorstellen“, sagt Herbert Lausterer. Bei der Feuerwehr seien zwei Frauen damit beschäftigt gewesen, die Spenden zu sortieren. Die Kirchengemeinde hat ein Konto eingerichtet. Da Thorsten Lausterer bei der Stadt arbeitet, rief Stadtchef Hesky die städtischen Mitarbeiter zu Spenden auf.