Waiblingen

So machen Sie Seife zu Hause selber

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Das Seifensieden interessiert den Waiblinger Simon Busch (48) schon lange. © ZVW/Gaby Schneider
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Wichtig ist, dass die Zutaten auf das Gramm genau abgewogen werden. © Gaby Schneider
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Diese Dinge brauchen Sie für die Heukräuterseife mit Bienenwachs.

Waiblingen.
Neben Mehl, Nudeln und Toilettenpapier war in den vergangenen Wochen seit Bekanntwerden des Coronavirus oft auch die Seife in Supermärkten und Drogerien vergriffen. Simon Busch hat damit kein Problem. Der 48-jährige Waiblinger macht seine Seife seit zweieinhalb Jahren selbst. Wie das geht, erklärt er normalerweise in praktischen Kursen bei der Familienbildungsstätte Waiblingen. Für Menschen, die jetzt schon mal damit anfangen wollen, ihre Seifen selber herzustellen, gibt er hier Tipps und wichtige Sicherheitshinweise.

„Seife machen ist eine kleine Wissenschaft, aber es ist kein Hexenwerk“, sagt Simon Busch. Interessiert habe ihn die eigene Seifenherstellung schon länger, erzählt Busch, der als Entwicklungsingenieur in Stuttgart arbeitet und als Vorsitzender der Tafel Waiblingen tätig ist. Schließlich produzieren Menschen, die ihre Seife selber machen, weniger Verpackungsmüll als bei konventioneller Seife aus dem Supermarkt und sie wissen, was drin ist – das könne besonders für Allergiker interessant sein, sagt Busch. Außerdem können unnötige Inhaltsstoffe weggelassen werden. Für Busch ein wichtiger Aspekt: „Je weniger verschiedene Inhaltsstoffe ich für die Seife nehme, desto ökologischer ist sie.“

Den Anstoß, sich für dieses neue Projekt zu motivieren, gab schließlich ein Buch mit Anleitungen und Rezepten zum Seifenselbermachen, das ihm seine Frau zu Weihnachten schenkte.

Für 40 Seifen braucht Simon Busch heute rund zwei Stunden

Er besorgte sich Utensilien und Zutaten – und los ging es. „Es hat direkt gut geklappt“, berichtet Busch. „Dann habe ich losgelegt und mich eingearbeitet.“ Auch wenn es am Anfang noch etwas länger gedauert hat. Heute braucht er für die Herstellung von 40 Seifen etwa zwei Stunden.

Wer das Seifenmachen ausprobieren möchte, braucht folgende Utensilien, die danach nur noch dazu verwendet werden: Handschuhe, Schutzbrille, hitzebeständige Schüsseln, am besten aus Glas oder Porzellan, einen Topf aus Edelstahl oder Emaille, feinmaschiges Kunststoffsieb, Teigschaber, Stabmixer und Messer.

Für die Zutaten müssen ein paar Läden besucht werden: Destilliertes Wasser gibt es zum Beispiel im Baumarkt, Ätznatron in der Apotheke, die meisten Öle sind im Supermarkt zu bekommen, für ätherische Öle am besten ein Reformhaus aufsuchen. Ist etwas nicht im Geschäft vorrätig, lassen sich die Zutaten im Internet besorgen.

Erster Schritt zur Seife ist heikel: Es besteht Verbrennungsgefahr

Liegen alle Utensilien und Zutaten bereit, kann die Seifenproduktion starten. Busch weist darauf hin, dass alle Zutaten auf das Gramm genau abgewogen werden müssen. Vor allem beim ersten Schritt sollten Neulinge besonders vorsichtig sein und am besten draußen arbeiten, empfiehlt der Waiblinger. Denn: Die Natron-Lauge muss angesetzt werden – und das erfordert Präzision. Das destillierte Wasser wird mit dem Ätznatron, im Fachjargon Natriumhydroxid (NaOH) genannt, in einem hitzebeständigen Gefäß gemischt.

Dabei sollten ein langärmliges Oberteil, Handschuhe und eine Schutzbrille getragen werden, weil die ätzende Flüssigkeit beim Erhitzen und Verrühren anfängt zu spritzen. „Das ist der heikle Punkt, den man beachten muss“, so Simon Busch. Es entstehen Dämpfe, die nicht eingeatmet werden dürfen, und die Lauge wird sehr heiß. Die chemische Reaktion dauert zwar nur kurz, aber trotzdem besteht Verbrennungsgefahr.

Wasser aus dem Hahn sollte übrigens nicht anstelle von destilliertem Wasser verwendet werden, da es Verunreinigungen enthalten kann. Die Seife kann dadurch an Haltbarkeit verlieren, erklärt Busch.

Während die Natron-Lauge auf etwa 40 Grad abkühlt, müssen die festen Fette erhitzt werden. Das sind in diesem Rezept Kokosöl, Babassuöl oder Palmfett und Bienenwachs (siehe Grafik). Das Babassuöl sei eine gute Alternative zum Palmöl, allerdings um ein vielfaches teurer, sagt Busch. In einem Topf aus Edelstahl oder mit Emaille-Beschichtung werden die Fette nur so erhitzt, dass sie schmelzen. Also zwischen 40 und 50 Grad. Auch die nun flüssigen Fette müssen auf circa 40 Grad abkühlen.

In einer Rührschüssel werden in der Zwischenzeit die flüssigen Öle zusammengerührt, abgesehen vom Rizinusöl. Das wird erst später gebraucht. Dann werden die ätherischen Öle miteinander verrührt. Anschließend werden die flüssigen Öle mit den Fetten vermischt.

Wenn alle Bestandteile auf etwa 40 Grad abgekühlt sind, wird die Natron-Lauge durch ein feinmaschiges Kunststoffsieb in die Öle hineingegossen. Durch das Sieben können größere Laugen-Kristalle, die später für die Haut reizend sein könnten, ausgesiebt werden. Dafür muss die Schutzkleidung noch einmal angelegt werden.

„Wenn das Öl mit der Lauge verbunden wird, fängt das Sieden an“, erklärt Busch. Dann muss ordentlich gerührt werden. Erst mit einem Teigschaber, dann mit einem Stabmixer – und dann immer abwechselnd, lautet Buschs Tipp, bis die Masse nach circa 20 bis 30 Minuten eine Konsistenz wie Pudding annimmt. Dann werden noch die ätherischen Öle untergemischt.

Dazu kommen außerdem das Rizinusöl mit grüner Pflanzenfarbe und Kräutern. „Das Rizinusöl setzt man gerne zu, wenn die Seife später mehr schäumen soll“, erklärt Busch. Die Kräuter wirken als Peeling. Lavendel, Salz, Mohn und Kaffee eignen sich außerdem dafür, sagt Busch. Vieles aus der Küche könne in ähnliche Rezepturen miteinfließen, sogar Haferflocken.

Die Seife muss vier Wochen reifen, ehe sie benutzbar ist

Wenn eine homogene Masse entsteht, wird die Seife in eine Form gegossen. Diese kann nach Belieben gewählt werden. Als Formen eignen sich Kunststoffverpackungen wie Joghurtbecher und Frischkäseverpackungen oder Holzformen. Mit dem Teigschaber wird die Masse glatt gestrichen, dann kommt eine Folie über die Form. Außerdem muss die Seife isoliert werden, also noch mal zusätzlich mit einer alten Decke oder alten Betttüchern abgedeckt werden.

Nach circa 24 Stunden kann die Seife dann in etwa 28 Stücke geschnitten werden, wenn vorher eine Barrenform gewählt wurde. Fertig, um sie als Hand- und Körperseife zu benutzen, ist die Seife allerdings noch nicht. „Der chemische Prozess ist nach 24 Stunden noch nicht abgeschlossen“, sagt Busch. Sie muss erst noch vier Wochen lang reifen.

Das geht am besten, wenn die Seifenstücke auf zwei Holzleisten bei Zimmertemperatur liegen und somit von allen Seiten Luft bekommen. Buschs Tipp: Einfach auf zwei Bleistifte legen. Abgesehen davon, dass Simon Busch das Hobby als Ausgleich zu seinem Job als Entwicklungsingenieur sieht – „da kann man was Praktisches mit den Händen machen“ –, tut er noch etwas für die Umwelt.

Bei ihm zu Hause gibt es fast nur noch selbst gemachte Seife. Doch aus seiner Siederei für den Eigenbedarf könnte bald noch etwas mehr werden: Momentan lässt der 48-Jährige seine Produkte zertifizieren, so dass er im Herbst wahrscheinlich einen Verkauf starten kann.

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Neben Mehl, Nudeln und Toilettenpapier war in den vergangenen Wochen seit Bekanntwerden des Coronavirus oft auch die Seife in Supermärkten und Drogerien vergriffen. Simon Busch hat damit kein Problem. Der 48-jährige Waiblinger macht seine Seife seit zweieinhalb Jahren selbst. Wie das geht, erklärt er normalerweise in praktischen Kursen bei der Familienbildungsstätte Waiblingen. Für Menschen, die jetzt schon mal damit anfangen wollen,

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