Waiblingen

So wirkt sich die Digitalisierung auf unsere Arbeit aus

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„Digitaler Wandel in der regionalen Wirtschaft“ ist der Schwerpunkt des diesjährigen Strukturberichts für die Region Stuttgart. © Sarah Utz
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Waiblingen. Die Digitalisierung könnte die Beschäftigten zwischen Rems und Murr besonders treffen. Das Verarbeitende Gewerbe ist hier nämlich sehr stark; der Anteil der Dienstleistungen hingegen ist verhältnismäßig schwach. Besonders gefährdet sind Arbeitsplätze, die vom Computer ersetzt werden können. Das betrifft beileibe nicht nur gering qualifizierte Helferjobs.

Der Strukturbericht Region Stuttgart 2017 legte seinen Schwerpunkt auf den „Digitalen Wandel in der regionalen Wirtschaft“. Im Auftrag der IG Metall, der Handwerkskammer, der IHK und des Verbandes Region Stuttgart haben das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und das IMU-Institut die Auswirkungen der Digitalisierung untersucht, Stichwort: Industrie 4.0. Der Strukturwandel in der Region Stuttgart und im Landkreis Rems-Murr ist nichts Neues, wie die Daten des Strukturberichts zeigen. So sind im Kreis in der Elektrotechnik – gegen den Trend in der Region – rund 2000 Jobs verloren gegangen. Einer der Gründe war der Abschied von Bauknecht in Schorndorf. Deutlich mehr Jobs gab es hingegen im Maschinenbau, eine der Domäne mit den beiden Aushängeschildern Stihl und Kärcher.

Der digitale Wandel könnte vor allem den Automobilbau unter Druck bringen. Aus Autoherstellern, wie wir sie heute kennen, werden Mobilitätsdienstleister, die unter Umständen auch noch ihre Fahrzeuge selbst bauen. In der Region stellt der Automobilbau ein sogenanntes Cluster dar, worunter ein Netz aus Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern verstanden wird. Rund 17 Prozent der Beschäftigten in der Region arbeiten in diesem Automotive-Cluster. Darüber hinaus hängen Beschäftigte im Maschinenbau, in der Elektrotechnik, im Metallgewerbe oder in der Kunststoffindustrie am Auto. Im Rems-Murr-Kreis ist der reine Automobilbau zwar verhältnismäßig gering – größter Arbeitgeber ist mit rund 1900 Mitarbeitern ZF TRW Automotive in Alfdorf –, doch hängen eben zahlreiche Maschinenbauer davon ab, dass sie Aufträge für ihre Anlagen von der Autoindustrie und ihren Zulieferer herstellt.

Wie sich der digitale Wandel auf die Jobs auswirkt, ist derzeit reine Spekulation. Horrorszenarien aus den USA gegen davon aus, dass 47 Prozent der Beschäftigung durch Computer verdrängt werden können. Der Strukturbericht nennt keine konkreten Zahlen, sondern schaut auf das „Substituierbarkeitspotenzial“, also die Möglichkeiten, inwieweit Computer den Menschen ersetzen. Das Potenzial in der Region ist aufgrund der Dominanz des Verarbeitenden Gewerbes hoch – und im Kreis folglich noch höher. Betroffen seien nicht nur Helferberufe, sondern auch Fachkräfte, deren Tätigkeiten von Computern übernommen werden. „Das Produzierende Gewerbe wird voraussichtlich weniger Beschäftigte benötigen, während insbesondere die Branchen Information und Kommunikation, Erziehung und Unterricht sowie Pflege und Gesundheit an Bedeutung gewinnen werden.“

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Blick auf „Frauen im digitalen Wandel“. Dieser werde auch frauentypische Branchen und Berufe verändern, zumal die Bedeutung kreativer und sozialer Berufe zunehme. Nicht unbedingt zum Positiven, was den Geldbeutel angeht, merkt der Strukturbericht an. Die Erfahrung lehre, dass Berufsbilder tendenziell abgewertet werden, wenn sie zunehmend von Frauen besetzt werden.

Langfristige Trends der Beschäftigungsentwicklung

Zweifach fortschreitende Tertiarisierung, also eine Dienstleistungswirtschaft um den industriellen Kern.

Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor wächst gegenüber dem Produzierenden Gewerbe. Dienstleistungstätigkeiten nehmen in allen Sektoren (auch im Produzierenden Gewerbe) zu.

Steigende Bedeutung von höheren Qualifikationen: Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss und bei wissensintensiven Tätigkeiten steigt.

Beschäftigungswachstum beruht zu großen Teilen auf Teilzeit-Beschäftigung.

Steigende Frauenerwerbstätigkeit (43,5 % der Beschäftigten sind Frauen, Zunahme insbesondere bei Teilzeit-Arbeitsplätzen und im Dienstleistungssektor).