Waiblingen

Sparkassenchefin will Ruhe reinbringen

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„Von irgendwelchen ‘Seilschaften’ weiß ich nichts, die interessierten mich auch nicht“, sagt Ines Dietze. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Sie ist die erste Frau an der Spitze einer großen Kreissparkasse in Baden-Württemberg und kommt aus Mecklenburg. Die Menschen von der Ostseeküste und die Schwaben seien gar nicht so verschieden, sagt Ines Dietze. „Beide sind sparsam, die Schwaben vielleicht noch etwas mehr.“ Den unrühmlichen Abgang ihres Vorgängers Bernd Fickler kommentiert sie nicht. Es gelte nun mit einem dreiköpfigen Vorstandsteam zusammen mit Lothar Kümmerle und Ralph Walter in die Sparkasse wieder „Ruhe reinzubringen“.

Ines Dietze ist seit rund sechs Wochen Vorstandssprecherin. Sie war erst zum 1. November 2015 zur Kreissparkasse Waiblingen gestoßen, am 1. Januar 2016 Vertriebsvorständin geworden und ist dies auch weiterhin. Dass sie als Externe einen unverstellteren Blick von außen habe, verneint sie nicht und auch nicht, dass genau dies in der jetzigen Situation helfen könne. Grundsätzlich könne man sagen, dass es jedem Unternehmen guttut, eine gesunde Mischung von externen und internen Gewächsen zu haben, sagt Ines Dietze. „Die Teams sind dann kreativer und neue Ideen und Sichtweisen haben mehr Chancen zu greifen. Von innen heraus ist es schwerer, Dinge zu verändern.“

Bankengeschäft in der DDR gelernt

Ines Dietze ist „von außen“. Sie ist Mecklenburgerin und wuchs an der Ostseeküste auf, lernte das Bankengeschäft noch in der damaligen DDR, ließ sich von der Kreissparkasse Bad Doberan zur Bankkaufrau ausbilden, sattelte nach der Wende einen BRD-Abschluss (Diplom-Bankbetriebswirtin) drauf. „Ich hatte bald Führungspositionen inne, immer im Vertrieb, dann der Kreissparkasse Rostock, die sich durch Fusionen vergrößert hatte.“

„Ich hatte schon länger den Wunsch, nach Süddeutschland zu ziehen“

Aufgrund einer beruflichen Veränderung ihres Ehemannes, mit dem sie zwei Kinder großgezogen hat, verschlug es sie um die Jahrtausendwende nach München zur Stadtsparkasse und 2006 schließlich zur Norddeutschen Landesbank, sie wurde Regionalleiterin der Braunschweigischen Landessparkasse. „Ich hatte schon länger den Wunsch, nach Süddeutschland zu ziehen. Wir konnten das aber erst umsetzen, nachdem die Kinder größer geworden waren. 2015 bewarb ich mich in Waiblingen und wurde genommen.“ Sie wohnt in Beinstein, pendelt aber zum Wochenende mitunter nach Norden zu Mann und Kindern. „Wenn meine Tochter dort 2018 ihr Abitur gemacht hat, können wir unseren zweiten Wohnsitz dort vielleicht aufgeben.“ Das Meer vermisse sie hier im Schwabenland schon manchmal, „aber mittlerweile fahren wir im Urlaub auch gerne mal nach Italien und nicht an die Ostsee. Am Mittelmeer ist die gute Wetterlage stabiler als im Norden.“

50 000 Kunden wurden neuen Beratern zugeteilt

Ines Dietze hat seit 2015 viel angepackt und verändert. Seitdem hat sie den gesamten Vertrieb mit umgekrempelt. Rund 50 000 Kunden wurden neuen Beratern zugeteilt. „Durch interne Strukturveränderungen haben wir auch 35 Vermögensberater mehr an den Start gebracht.“ Fluktuationen und ein sich drehendes Personalkarussell brächten automatisch ein gewisses Holpern im Getriebe mit sich. „Wir fokussieren uns darauf, das Haus noch weiter in ruhiges Fahrwasser zu bringen“, sagt Ines Dietze deshalb. Bei der Bilanzpressekonferenz im Februar 2017 hatte Vorstand Lothar Kümmerle eingeräumt, 2016 sei das Privatkundengeschäft unterm Strich – nicht zuletzt aufgrund der Umstrukturierungen – hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Viele Häuslebauer und großer Zuzug

Fokussierung und Konsolidierung benötige die Kreissparkasse auch aufgrund des allgemeinen Marktumfelds. „Trotz der Finanzkrise vor zehn Jahren und der andauernden Niedrigzinsphase sind wir als Sparkasse betriebswirtschaftlich ein äußerst starkes Haus. Das trägt noch ein paar Jahre“, sagt Ines Dietze. Man habe ein florierendes ertragreiches Kreditgeschäft, es gebe nach wie vor viele Häuslebauer und einen großen Zuzug in den Rems-Murr-Kreis. Auch das Dienstleistungsgeschäft laufe gut, insbesondere das für Firmen und die vermögende Kundschaft. Dieses „Private Banking“ möchte Ines Dietze weiter ausbauen. Der Premium-Kundschaft werden maßgeschneiderte Leistungen in den Bereichen Vermögen, Immobilien, Generationen- und Stiftungsmanagement angeboten. „Aber aufgrund der Niedrigzinsen und der gestiegenen Kosten aufgrund der Digitalisierung und gestiegener Sicherheitserfordernisse müssen wir natürlich austarieren, wie die Ausgaben gesenkt werden können, und eventuell unsere Filialstrukturen anpassen. Konkrete Pläne gibt es hier aber nicht. Minuszinsen für Privatkunden oder Ähnliches wird es bei uns aber auf keinen Fall geben.“

Das Filialnetz besteht aus 82 Standorten. Es gibt 25 Beratungszentren, in denen die zunehmend spezialisierten Berater ihre Kundschaft betreuen. „Wir müssen unser Filialnetz und die jeweilige Kundenfrequenz genau analysieren. Konkret steht noch nichts fest“, sagt Ines Dietze.



Hinweis der Redaktion: Mittlerweile wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bernd Fickler gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldauflage eingestellt. 


Keine Schelte

Als direkte Konkurrenz sieht Ines Dietze die Volksbanken und nicht etwa Großinstitute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, die sie auch gar nicht kritisieren möchte, weil sie die Finanzkrise und die Niedrigzinsphase mutmaßlich mit verursacht haben. Andere Sparkassenchefs waren da deutlicher und nutzten die Schuld der Finanzzocker an der Krise schon auch mal als Marketing für die konservativ-seriöse Sparkassen-Geldanlage.

„Unser Marktanteil liegt im Rems-Murr-Kreis bei knapp unter 50 Prozent. Wir müssen unsere digitalen Angebote weiter entwickeln. Andererseits informieren sich die Kunden häufig online über Geldanlagen, wo es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Abschlüsse machen sie aber bei ihrer Bank vor Ort und haben den Bedarf an Spezialisten-Beratung. Alle diese Kundenbedarfe müssen wir bedienen.“