Waiblingen

Stadt zahlt 50 Millionen für Personal

rathauswn2_2_0
Rathaus in Waiblingen. © Leonie Kuhn

Waiblingen. Im neuen Jahr durchbricht die Stadt Waiblingen bei den Personalkosten die Schallmauer von 50 Millionen Euro. Eine Folge von höheren Tarifabschlüssen sowie eines Zuwachses um rund 130 Stellen seit 2010. Allein im nächsten Jahr sollen 13 neue Vollzeitstellen dazukommen. Warum braucht die Stadt immer mehr Personal?

Drei Millionen Euro mehr als im laufenden Jahr wird die Stadt 2019 voraussichtlich für Personal ausgeben. Die Mehrkosten ergeben sich zum einen durch zusätzliche Stellen, die geschaffen werden sollen, und zum anderen durch höhere Gehälter bei den bereits bestehenden 753 Stellen.

Sorgenfalten verursacht das unter anderem bei CDU-Stadtrat Ingo von Pollern, der im Verwaltungsausschuss eine „wundersame Stellenvermehrung“ beklagte und daran erinnerte, dass sich die Stadtoberen einst ihrer schlanken Verwaltung gerühmt hätten.

Beschäftigte die Stadt 2010 noch 633 Mitarbeiter, werden es 2019 wahrscheinlich um die 766 sein. Wobei es sich übrigens nur zu einem Bruchteil um Beamte handelt. Ihre Anzahl steigt von 84 im Jahr 2010 auf 93 im Jahr 2019. Drastischer stieg die Stellenzahl vor einem Jahr: Damals gab es ein Plus von 31 Stellen.

Neuer Job bei der Bußgeldstelle wegen häufiger Widersprüche

Für ganz so verwunderlich hält Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr die Stellenvermehrung trotzdem nicht, sondern nennt handfeste Gründe. Insbesondere die höheren Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre seien die Ursache, dass die Stadt jetzt die 50-Millionen-Marke knackt. Was etwa die Erzieherinnen erkämpft haben, muss dabei nicht das Ende der Fahnenstange sein – weitere Tarifkonflikte könnten kommen.

Derweil schreitet der Ausbau der Infrastruktur fort. Weil die Stadt rapide wächst, werden neue Kitas benötigt – und neues Personal. Doch nicht allein der Fachbereich Bildung und Erziehung braucht Verstärkung, auch auf anderen Gebieten mehren sich Aufgaben und steigen die Anforderungen. Grundsätzlich gilt laut Frank Bender, Fachbereichsleiter Personal und Organisation: „Personal folgt den Aufgaben.“

Die wenigsten neuen Stellen gehen aufs Konto der klassischen, im Rathaus angesiedelten Verwaltung. Zu knapp bemessen war bislang zum Beispiel die Zahl der Hausmeister, die sich um Ganztagsschulen, Kitas und Veranstaltungen kümmern. Sie sollen drei neue Kollegen bekommen. 1,2 neue Stellen sind notwendig, um die gesetzlichen Vorgaben bei Betrieb und Unterhaltung von Spielplätzen einzuhalten.

3,2 Erzieherinnen-Stellen sind für eine neue Kita-Gruppe an der Schillerschule in Bittenfeld eingeplant. Unterschiedlich großen Bedarf gibt es unter anderem im Haus der Stadtgeschichte, bei der Feuerwehr, bei der Datenerfassung und bei der Digitalisierung der Schulen.

Reizpotenzial birgt die Schaffung eines neuen Jobs bei der Bußgeldstelle. Eigentlich gehe die Zahl der Fälle zurück, führte Frank Bender dazu im Verwaltungsausschuss aus, doch immer häufiger legten die Bürger Widerspruch ein – „eine Tendenz der vergangenen Jahre“.

„Da wären wir ja mit dem Klammerbeutel gepudert“

Gegen den Verdacht von ALi-Stadträtin Dagmar Metzger, bei einer neuen Sachbearbeiter-Stelle im Fachbereich Bildung und Erziehung handele es sich um eine Auswirkung der von der Alternativen Liste bekämpften Kindergartengebühren-Erhöhung verwahrte sich die Bürgermeisterin.

Der erhöhte Bedarf sei schon vor der Erhöhung berechnet worden. Erst eine Erhöhung beschließen, dann das zusätzlich einzunehmende Geld fürs Eintreiben desselben ausgeben?

Das treffe so nicht zu, versicherte Christiane Dürr: „Da wären wir ja mit dem Klammerbeutel gepudert.“ Ein Ende des Personalkosten-Anstiegs stellte sie nicht in Aussicht. Kindergärten und Schulen zählten nun einmal zu den von der Stadt zu erfüllenden Pflichtaufgaben. Grundsätzlich stelle sich aber die Frage, ob die Stadt als Ganzes weiter im Tempo wachsen könne.


Digitalisierung

„Wir schauen uns das extrem genau an“, versichert Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr hinsichtlich des Stellenplans der Stadtverwaltung. In einer großen Analyse wurden Aufgaben erfasst und bewertet, die Ergebnisse würden regelmäßig evaluiert.
Die Digitalisierung des Rathauses soll beitragen, Arbeitsabläufe zu verschlanken. Rechtliche Bewertungen etwa wie beim Bußgeld könnten aber nicht maschinell erfolgen. Bei einigen der neuen Stellen soll in zwei Jahren geprüft werden, ob sie durch Digitalisierung überflüssig werden.