Waiblingen

Start der ZVW-Aktion "Miteinander - Füreinander": Ehepaar Stiefel aus Hegnach hat auf Geschenke zur Gnadenhochzeit verzichtet und lieber Spenden für die Tafel gesammelt

Maria und Fritz Stiefel mit Söhnen Rainer und Gerd
Maria und Fritz Stiefel mit ihren beiden Söhnen Rainer (links) und Gerd. © privat

Pünktlich zur Adventszeit beginnt wieder „Miteinander – Füreinander“, die Spendenaktion des Zeitungsverlags Waiblingen und des ZVW-Hilfsvereins. Eine besondere Spende ist schon vorab eingegangen und wird seit dieser Woche an Kunden des Waiblinger Tafelladens verteilt: Sie kommt vom Ehepaar Fritz und Maria Stiefel aus Hegnach, das im Mai Gnadenhochzeit feierte. Auf Geschenke verzichtete das Paar, sondern rief seine Verwandten zu einer familiären Sammelaktion aus Anlass dieses seltenen Festes auf. Passend zu 70 Jahren Ehe sollten 7000 Euro zusammenkommen.

Das Wort „Gnade“ habe die Familie dazu inspiriert, erzählt Fritz Stiefel. Sowohl er als auch seine Frau sind in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Sie hatte acht Geschwister, er drei. Mit der eigenen Firma brachten Stiefels es zu Wohlstand. Mit ihrer Spende möchten sie hilfsbedürftige Waiblinger unterstützen. Gerade in der gegenwärtigen Corona-Situation erachten sie es als wichtig, dass die Empfänger spüren, nicht vergessen zu sein.

Nach 70 Jahren glücklicher Ehe – wirklich eine Gnade – schwärmt der 91-Jährige noch immer wie frisch verliebtüber seine Maria, die er in der Sängerhalle in Untertürkheim kennenlernte: „Diese Frau ist einfach einmalig.“ Der Krieg war damals noch nicht lange vorbei, große Teile Stuttgarts lagen in Trümmern. In all den Jahren, die seitdem vergangen sind, hätten sie nie einen größeren Streit gehabt. Es wirkt wie ein Wunder: „Wir haben den gleichen Geschmack, sind fast immer einer Meinung und finden die gleichen Leute sympathisch.“ Und sie hoffen, dass ihnen noch weitere gemeinsame Jahre bleiben. So sagt Fritz Stiefel: „Wenn man die Gnadenhochzeit erreicht hat, schielt man schon ein bisschen auf die Kronjuwelen-Hochzeit.“ Das wären dann 75 Jahre Ehe.

Mit 33 gründete er seine Firma, zunächst als Ein-Mann-Garagenbetrieb. Er verkaufte Schrauben, Schellen, Schmiermittel und Zubehörteile für Lastwagen-Bremsen. Heute sind bei der Fritz Stiefel GmbH rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Söhne Gerd und Rainer führen, verteilt auf die Standorte Hegnach und Burlafingen, das Unternehmen mit Schwerpunkt Hydraulik und Pneumatik. Fritz und Maria Stiefel haben drei Enkel.

Noch eine andere Liebe begleitet Fritz Stiefel durchs ganze Leben: die zum Fußball. Sein Herzensverein sind die „Blauen“, die Stuttgarter Kickers, die bekanntlich schon bessere Tage gesehen haben. Wie 1987, als er sie beim DFB-Pokalfinale in Berlin sah. Am Herzen liegt ihm aber auch der lokale Sport: Seit rund einem halben Jahrhundert ist er Trikotsponsor beim SV Hegnach - und zwar für alle Abteilungen.

Die Corona-Pandemie verstärkt den Mangel

Zu den 7000 Euro von der Familie Stiefel legte der Zeitungsverlag noch 500 Euro hinzu. Aus der Gesamtsumme wurden schließlich 500 Einkaufsgutscheine im Wert von je 15 Euro besorgt, die seit dieser Woche über den Tafelladen verteilt werden. Waiblinger und Waiblingerinnen können sie je nach Wahl bei Aldi, Lidl, Rewe, DM oder Müller einlösen. Die Tafel hat sich bewusst für eine kleine Stückelung der großzügigen Spende entschieden, um einen möglichst breiten Kundenkreis teilhaben zu lassen.

15 Euro – das mag Gutverdienenden nicht als besonderer Betrag erscheinen. Menschen, die von Hartz IV leben und Monat für Monat jeden Cent umdrehen müssen, ergeht es da anders, sagen die Tafel-Vorsitzende Erika Severin und die Ladenleiterin Petra Off. Diese Menschen bekämen die Möglichkeit, sich eine Kleinigkeit zu gönnen, die sonst nicht möglich wäre. Manchen hilft der Betrag auch einfach, um über die Runden zu kommen, wenn das Monatsbudget knapp wird. Dass es Leute gibt, denen der Mangel nicht egal ist und die den Tafel-Besuchern mit Spenden helfen, wird von den Empfängern durchaus hoch geschätzt. Laut Erika Severin und Petra Off äußern sie sogar sehr oft ihre Freude und Dankbarkeit, auch wenn die Geber anonym bleiben.

Der Umzug in die Benzstraße im Gewerbegebiet Ameisenbühl hat sich gelohnt, gerade jetzt in der Corona-Krise. Die Verkaufsfläche ist größer und es gibt einen Mitarbeiterraum. Wichtiger noch: Im Innenhof können die Wartenden Abstände einhalten und sind vor unangenehmen Blicken von Passanten geschützt. Denn bei der Tafel einzukaufen, ist für viele mit Scham behaftet. In der stark frequentierten Fronackerstraße konnte quasi jeder sehen, wer in der Schlange steht. Die Pandemie verstärkt allgemein die Not und führt weitere Menschen in die Bedürftigkeit – und damit zur Tafel. „Viele mussten in Kurzarbeit gehen oder haben ihren Job verloren“, sagen Petra Off und Erika Severin.

Wer bei der Tafel einkaufen möchte, braucht dafür einen Berechtigungsschein. Dieser ist erhältlich bei der Caritas, beim Forum Nord, Forum Süd im Martin-Luther-Haus, beim Kreisdiakonieverband sowie beim Rathaus der Stadt Waiblingen.

Was passiert mit dem Geld? Die Grundsätze der Spendenaktion "Miteinander - füreinander"

  • Reine Lokalbezogenheit: Als Zeitung für den Rems-Murr-Kreis beschränken wir uns ganz bewusst auf die Unterstützung von Menschen sowie auch sozialen Projekten in unserem Verbreitungsgebiet. Denn auch mitten unter uns gibt es Menschen, die der Hilfe durch ihre Mitmenschen bedürfen, weil sie ohne eigenes Verschulden in eine Notlage geraten sind.
  • Fachliche Kompetenz: Die bewährte Zusammenarbeit mit Sozialämtern sowie karitativen Organisationen im Kreis gibt uns und damit auch unseren Spendern die Gewähr, dass fachkompetent geholfen wird. Denn nur die mit uns kooperierenden Sozialämter und karitativen Einrichtungen wissen konkret, wo Hilfe notwendig ist und in welcher Form. Und nur sie können auch beurteilen, ob Hilfe auch berechtigt ist. Dadurch ist sichergestellt, dass die Hilfen direkt bei den Betroffenen ankommen.
  • Vollständige Weiterleitung: Träger der Spendenaktion „Miteinander - Füreinander“ ist der als gemeinnützig anerkannte Hilfsverein des Zeitungsverlags Waiblingen e.V. Der Zeitungsverlag Waiblingen (ZVW) unterstützt die Spendenaktion auch indirekt, indem er für sämtliche sogenannte Unkosten aufkommt. Die Spenden verbleiben also zu 100 Prozent beim Hilfsverein und werden damit auch zu 100 Prozent nur für die in der Satzung des Hilfsvereins verankerten sozialen Zwecke verwendet.
  • Hier können Sie spenden:
    • Volksbank Stuttgart, Konto IBAN DE37 6009 0100 0400 5610 18
    • Kreissparkasse Waiblingen, Konto IBAN DE13 6025 0010 0000 3851 10
    • Empfänger: Hilfsverein des Zeitungsverlages Waiblingen e.V. 
    • Stichwort: MITEINANDER - FÜREINANDER

Wir brauchen Ihre Hilfe!

Von ZVW-Chefredakteur Frank Nipkau

Es ist eine gute Tradition: Am ersten Adventswochenende startet unsere große Weihnachts-Spendenaktion „Miteinander - Füreinander“. Aber in diesem Jahr ist vieles anders: Alle Menschen leiden unter der Corona-Pandemie und ihren weitreichenden Folgen. Aber auch die Hilfe für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, wird schwieriger. Selbst Tafelläden müssen zeitweise schließen, um die Helfer nicht zu gefährden.

In dieser Situation ist Solidarität notwendiger denn je. Das fängt beim Tragen einer Alltagsmaske an, die ja vor allem andere Menschen schützt. Aber natürlich brauchen wir auch weiterhin Ihre Hilfe bei „Miteinander - Füreinander“. Denn die Unterstützung von Menschen in Not geht weiter. Der Hilfsverein des Zeitungsverlages unterstützt jedes Jahr mehr als 100 Einzelpersonen, Familien oder Institutionen, die Menschen helfen. In den vergangenen Monaten waren gerade die Tafelläden ein Schwerpunkt der Hilfe. Das werden wir auch fortsetzen.

Für Ihre Unterstützung möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen ersten Advent. Bleiben Sie gesund!