Waiblingen

Start-up bringt ein Stück Berlin nach Waiblingen

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Wohnzimmeratmosphäre am Arbeitsplatz: Michael Gnamm hat gemeinsam mit seiner Schwester ein Digital-Start-up gegründet. © Ramona Adolf
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Die improvisierte Bar.
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Handwerker, Gastronomen oder Einzelhändler sollen zu den Kunden gehören.
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Der obligatorische Sitzsack darf im hippen Start-up-Unternehmen nicht fehlen.
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Auf einem Monitor hat Gnamm die Zahlen im Blick.
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Schreibtische sollen als Coworking Spaces vermietet werden.

Waiblingen. Pflanzen, die melden, wann sie gegossen werden möchten, ein Wasserkocher, der per Stimme angeschaltet werden kann, und Basilikumpflänzchen, die sich selbst mit Dünger versorgen – das gibt es in dem neuen Büro des Digital-Start-ups „4everglen“ in Waiblingen. Außerdem viel freien Raum, drei große Sitzsäcke und vier Schreibtische, die als Arbeitsplätze gemietet werden können. Der Gründer Michael Gnamm wünscht sich vor allem kreativen Austausch.

An der Wand hängt ein Bildschirm, der immer die aktuellen Website-Statistiken anzeigt, auf einer improvisierten Bar stehen eine Kaffeemaschine, eine Zitruspresse, ein Wasserkocher. Daneben leuchtet die Tageslichtlampe eines Kräuteranzuchtbeets, das selbst steuert, wie viel Licht, Dünger und Wasser die Basilikumpflänzchen brauchen, die darin wachsen. Auf dem knallpinken Boden – ein Überbleibsel des Hochzeitsladens, der sich vorher in den Räumen befand, wie die Gründer erzählen – fläzen drei riesige, grau-beige Sitzsäcke. Ein Bambusgitter mit Pflanzen trennt die vier Schreibtische von der Sitzecke.

Hier sollen künftig neue digitale Konzepte entstehen, sei es der Pizza-Bestellservice per Whatsapp-Nachricht, der virtuelle Rundgang durch das renovierte Bad oder ein Fitness-Training per Online-Portal. Wie genau das funktionieren soll? „Wir wissen manchmal selbst nicht so genau, was wir hier eigentlich tun“, sagt Michael Gnamm und lacht. Er hat das junge Unternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Sandra gegründet. Außer den beiden gehört noch ein Mitarbeiter in Berlin sowie eine Teilzeitkraft zu „4everglen“. Zu den Kunden gehören Handwerker, Einzelhändler oder Gastronomen. „Im Grunde diejenigen, die wissen, sie müssten digitale Vertriebskanäle nutzen, denen aber selbst das Know-how dafür fehlt“, sagt Gnamm.

Dieses Wissen, sagt Gnamm, habe er in seiner Zeit in Berlin gesammelt. Er hat dort eine Agentur gegründet, die Online-Stellenanzeigen verkaufte. Zu seinen Projekten gehörte außerdem ein Butler-Service, ähnlich dem bekannten „Go Butler“, der jedoch, wie der größere Mitbewerber auch, seinen Dienst wegen mangelnder Profitabilität inzwischen eingestellt hat. Kunden konnten sich dort per SMS am Sonntagmorgen Aspirin gegen den Kater bringen, einen Facharzt suchen oder einen Geburtstagskuchen liefern lassen.

Unternehmen können ihre Mitarbeiter schulen lassen

Mit der Geburt seiner Tochter vor anderthalb Jahren ist Gnamm in seine Heimatstadt Waiblingen zurückgekehrt. Bislang, sagt er, laufe das Geschäft sehr gut an – so gut, dass die eigene Website derzeit hintenanstehen müsse. Ein aktuelles Projekt ist zum Beispiel ein Fitnessprogramm, das online bereitgestellt wird. Per Whatsapp bekommen Kunden jeden Morgen eine Erinnerung, können sich dann in das Portal einloggen und zu Hause trainieren. Demnächst wollen die Tüftler einen Gastronomen dabei unterstützen, einen Pizza-Bestellservice per Whatsapp-, Telegram- und Facebook-Messenger aufzuziehen. „Da werden wir dann auch einen Mitarbeiter schulen, der das in Zukunft übernehmen wird“, erklärt Gnamm.

Denn das ist ein weiteres Standbein des Start-ups: Schulungen in digitalen Themen. Gemeinsam mit der Volkshochschule und der städtischen Wirtschaftsförderung haben die Gründer bereits diverse Seminare für Unternehmen zur neuen Datenschutzgrundverordnung gehalten. Ihre „Online- und Social-Media-Marketing-Skills“, wie Gnamm es nennt, testen die Berater selbst auf dem Portal desmondo.de, wo sie über Haus und Garten bloggen. „Da lernen wir und probieren neue Techniken und Tools aus“, erläutert Gnamm.

Mindestens zwei der vier Schreibtische sollen als sogenannte Coworking Spaces an Freelancer oder Gründer aus der Region vermietet werden. „Das können gerne auch Leute sein, die sich gerade selbstständig machen“, sagt Gnamm. Da könnten er und seine Kollegen ein bisschen Starthilfe geben. Die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch, wie er sie aus Berlin kenne, die seien es nämlich, die ihm hier noch ein wenig fehlten. „Hier wird man als neue Agentur eher als Konkurrenz wahrgenommen. Dabei kann man voneinander lernen und spart so jede Menge Geld“, ist Gnamm überzeugt.

Wichtig ist dem Gründer in seiner Arbeit auch der Lokalbezug: Nicht für jeden Einzelhändler sei es zum Beispiel sinnvoll, einen eigenen Online-Store zu eröffnen. Da könne es besser sein, eine Art Styling- und Shopping-Beratung per Whatsapp anzubieten und die Kunden so wieder in den Laden zu locken. „Mit den Online-Riesen können viele kleinere Boutiquen ja gar nicht mithalten“, betont Gnamm. Es sei wichtig, da individuelle Lösungen zu erarbeiten. Und so lasse sich die Digitalisierung am Ende ganz lokal nutzen.


Eröffnung

Offiziell eröffnet wird das Büro am Samstag, 15. September.

Mehr über die Gründer ist unter www.digiko-rems.de zu lesen. Weitere Infos gibt’s bei Michael Gnamm (E-Mail: michael@digiko-rems.de).