Stettener Feuerwehr feiert 150. Geburtstag
Kernen-Stetten. Ein Rückblick auf bewegte 150 Feuerwehrjahre und 50 Jahre Jugendfeuerwehr, EU-Kommissar Oettinger als Festredner, ein Film von 1958 über eine Hauptübung, ein opulentes Festmahl: Die Stettener Feuerwehrabteilung hat am Samstag im Römer Bürgerhaus mit einem mehr als sechsstündigen Programm ihr Jubiläum gefeiert.
„150 Jahre Feuerwehr in Stetten sind ein guter Anlass, uns zu erinnern“, forderte Festredner Günther Oettinger die 260-köpfige Festgesellschaft auf.
Oettinger: Das geeinte Europa garantiert den Freiden
„Als die Wehr 1868 gegründet wurde, war dies zwei Jahre nach dem Krieg, den Württemberg und Baden gemeinsam mit Österreich gegen Preußen kämpften und verloren, und zwei Jahre vor dem mit Preußen gemeinsam gegen Frankreich gewonnenen Krieg. Vor hundert Jahren gewann dann das Deutsche Reich seine letzten Siege gegen Russland im Ersten Weltkrieg und erlitt die Niederlage an der Westfront, während vor 75 Jahren die Schlacht von Stalingrad zu Ende ging.“
Seitdem seien neue Freundschaften zwischen Nationen gewachsen und das geeinte Europa habe sich zu einem Projekt entwickelt, das Frieden garantiere.
„Unsere Generation“, so Oettinger, „hat allen Grund, dankbar und fröhlich in die Zukunft zu gehen.“ Es handle sich um die erste Generation, die in Frieden geboren wurde und die davon ausgehen könne, dass ihre Kinder nicht auf Schlachtfeldern sterben.
Stabilität und Menschenwürde in Europa erhalten
Unsere Werteordnung, mahnte Oettinger kämpferisch, werde jedoch von Autokraten in Moskau, am Bosporus und in einem Flügel des Weißen Hauses bedroht. Gegen sie müssten wir für unsere Werteordnung, die auf Landesverfassung, Grundgesetz und Vertrag von Lissabon ruhe, kämpfen.
Er forderte dazu auf, darüber nachzudenken, wie „Frieden, Sicherheit, Wohlstand, Stabilität und Menschenwürde in Europa“ erhalten werden könnten. Um sie gegen „Silicon Valley, das Pentagon und China“ zu verteidigen, müsse die Gesellschaft Risiken eingehen und zur Kenntnis nehmen, „dass unser attraktivster Kontinent der Welt von Zonen der Unsicherheit umgeben ist“. Es genüge nicht, S-Klasse zu exportieren, ausgeführt werden müssten auch Bildung, Frieden und Menschenwürde.
Kampf gegen die Tücken des Alltags in einer Rettungsleitstelle
Für eine heitere Komponente sorgte der Düsseldorfer Feuerwehrkabarettist Günter Nuth. In der psychosozialen Notfallversorgung begleitet er seit zwanzig Jahren seine Kameraden nach belastenden Einsätzen. Und da herzhaftes Lachen ein probates Mittel darstellt, um Stress zu überwinden, stehe er seit fünf Jahren auch auf der Bühne und nehme Retter und deren Angehörige „mit in die geheimnisvolle Welt der Feuerwehr und des Rettungswesens“.
Ob es sich nun um den Kampf gegen die Tücken des Alltags in einer Rettungsleitstelle, die Rettung einer Katze, den Transport eines Betrunkenen oder die ehelichen Probleme nach einem von der Alarmierung verschuldeten Coitus interruptus handelte, Nuth entlockte dem Publikum Beifallsstürme.
Zur Höchstform lief er auf, als er in dem Fünfakter „Der Zimmerbrand“ mit maximalem Körpereinsatz sämtliche Rollen, selbst die des Feuers und des Löschwassers, persönlich spielte. In zwei Talkrunden auf dem „Roten Sofa“ hatten Landesbranddirektor Karsten Homrighausen, Kreisbrandmeister René Wauro, Landesfeuerwehrverbandsvizepräsident Stefan Hermann sowie die Landtagsabgeordneten Claus Paal und Jochen Haußmann Gelegenheit, sich selbst, ihr Amt respektive ihr Verhältnis zur Feuerwehr vorzustellen.
Karl „Florian“ Idler rät seinem Nachfolger: „Lern Schwäbisch!“
Bürgermeister Stefan Altenberger betonte, dass nicht nur er, sondern alle Rommelshausener und Stettener sich auf ihre gut ausgebildete und gut ausgerüstete Wehr verlassen könnten. Er versprach, weiter nach einem geeigneten Grundstück zu suchen, um darauf „für drei bis vier Millionen, vielleicht noch in meiner Amtszeit“ ein Gerätehaus für beide Abteilungen zu errichten.
Nicht extra vorgestellt werden musste der ehemalige Kreisbrandmeister Karl „Florian“ Idler. Er gab Anekdoten aus seinem Leben in der Feuerwehr wieder und empfahl seinem Nach-Nach-Nachfolger René Wauro: „Lern Schwäbisch!“
Kommandant Andreas Wersch wiederum nutzte die Gelegenheit zu einem Streifzug durch die Feuerwehrgeschichte, angefangen bei der „Gründung der ältesten und sinnvollsten Bürgerinitiative der Menschheitsgeschichte“ in Stetten vor 150 Jahren, deren Finanzierung durch die „Königliche Zentralkasse zur Förderung des Feuerlöschwesens“, über die größten Herausforderungen, zu denen auch der Kampf gegen einen Brandstifter 1904/05 und die Zeit gehörte, als die Feuerwehr als „Feuerschutz- und Hilfspolizei“ dem Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstellt war.
„Will die Feuerwehr auch in Zukunft Bestand haben“, so Andreas Wersch nachdenklich, werde es ohne hauptamtliche Verstärkung nicht mehr gehen. Das Prinzip der ehrenamtlichen Gefahrenabwehr stoße längst an seine Grenzen und müsse überdacht werden. „Von uns ehrenamtlichen Kräften wird eine Leistungsstärke eingefordert, die wir irgendwann nicht mehr erbringen können.“

