Waiblingen

Stihl: Der Akku-Markt brummt

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Die Stihl-Vorstandsriege bei der Pressekonferenz am Dienstag (von links): Norbert Pick (Marketing und Vertrieb). Bertram Kandziora (Vorstandsvorsitzender), Michael Prochaska (Personal) und Pressesprecher Stefan Caspari. © Büttner / ZVW
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Produktion der neuen Hochleistungssäge MS 642 in Waiblingen-Neustadt. Der Absatz der Benzingeräte bleibt stabil – selbst wenn gerade die Akku-Geräte gefragt sind wie nie. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Stihl sucht in Waiblingen derzeit 100 neue Mitarbeiter für den Bereich Akku, Elektronik, IT und „Connected Products“. Die offenen Stellen spiegeln den Boom bei Akkugeräten wider, der selbst die optimistischen Prognosen noch übertrifft. Die Akku-Absatzzahlen heben ab.

Im Video: Schneller, Stärker, Leichter die Neue Stihlsäge  MS 462C-M wird vorgestellt.

Im vergangenen Jahr hat die Stihl-Gruppe mit fast 3,5 Milliarden Euro einen weiteren Umsatzrekord erzielt, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Kandziora rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit 3,8 bis 3,9 Milliarden Umsatz, nachdem die Stihl-Gruppe bereits im ersten Quartal beim Umsatz um 17 Prozent und beim Absatz um 22 Prozent zugelegt hat.

Die Zahlen versprechen für 2017 ein zweistelliges Wachstum

Diese Zahlen könnten zwar nicht aufs ganze Jahr hochgerechnet werden, doch versprechen sie für 2017 ein zweistelliges Wachstum. Umsatztreiber sind einmal mehr die Akku-Produkte, die die kabelgebundenen Elektrogeräte bereits überflügelt haben. 2017 werden Akkugeräte ihren Umsatzanteil verdoppeln und einen zweistelligen Anteil am Umsatz erreichen, sagte Kandziora.

Am Rande der Pressekonferenz merkte der Vorstandsvorsitzende an, dass diese starke Nachfrage zu Lieferproblemen führt und die Zulieferer von Akkus oder Ladegeräten ihre Produktion stark ausweiten müssen.

Neue Generation der Geräte mit integriertem Akku

„Wir geben Gas bei der Entwicklung neuer Akku-Geräte und werden gleichzeitig in der Benzin-Technologie weiterhin führend sein“, kündigte Kandziora an. Dass Stihl von Rekord zu Rekord eilt, erklärt Kandziora mit der Unternehmensstrategie. Der einstige Hersteller von Motorsägen für Profis hat vor Jahrzehnten das Produktspektrum um Motorgeräte wie Freischneider, Heckenscheren oder Sensen ergänzt.

Mit der Akku-Technik erweitert Stihl seinen Markt ein weiteres Mal. Die neue Generation der Geräte mit integriertem Akku zielt auf die Endkunden. Diese Geräte sind deutlich günstiger als benzingetriebene, sagte Marketing- und Vertriebsvorstand Norbert Pick über die Akku-Heckenschere, die 129 Euro kostet im Vergleich zu 439 Euro für das günstigste Motorenmodell.

Wichtigster Wachstumsmotor war erneut Nordamerika

Für 2019 rechnet der Vorstandsvorsitzende mit einem zusätzlichen Wachstumsschub. „Der Rasenmäher, bisher von Viking und ab 2019 ausschließlich unter der Marke Stihl vertrieben, ist das klassische Einstiegsprodukt im Markt für Gartengeräte“, so Kandziora.

Das Umsatzwachstum wurde 2016 durch ein deutliches Absatzplus getrieben, so Stihl. Wichtigster Wachstumsmotor sei erneut der nordamerikanische Markt gewesen. Aber auch in Westeuropa stieg die Nachfrage kräftig, was unter anderem auf die erfolgreiche Markteinführung des Akku-Systems Compact zurückgehe.

„Der Trend geht in Richtung Smart Garden“

Stihl setzt eigenen Angaben zufolge die Möglichkeiten von Industrie 4.0 und Digitalisierung ein, um den Kundennutzen weiter zu erhöhen. Das Unternehmen werde 2018 neue Technologien und vernetzte Produkte präsentieren. „Der Trend geht in Richtung Smart Garden“, so Dr. Kandziora. Um der deutlich höheren Nachfrage bei Akku-Geräten gerecht zu werden, plant Stihl besonders am deutschen Stammsitz erhebliche Investitionen.

Die weltweiten Investitionen (209 Millionen Euro) überstiegen erneut die Abschreibungen (151 Millionen Euro). Investiert wurde weiter vor allem in die Fertigungs- und Logistikeinrichtungen des Unternehmens und auch in die Entwicklung neuer Produkte.

"Wichtige Grundlage für die Unabhängigkeit unseres Familienunternehmens"

„Die Eigenkapitalquote der Stihl-Gruppe ist mit 70,5 Prozent nach wie vor hoch. Das bildet eine wichtige Grundlage für die Unabhängigkeit unseres Familienunternehmens und die langfristige Ausrichtung unserer Strategie“, so Kandziora. Alle Investitionen werden mit eigenen liquiden Mitteln finanziert.

Das Absatzplus führte zu mehr Beschäftigung. Der Personalstand erhöhte sich bis zum Jahresende um 4,7 Prozent auf weltweit 14 920 Mitarbeiter. Von denen waren 3331 in Waiblingen beschäftigt. Im Stammhaus überschritt der Umsatz erstmals eine Milliarde Euro.

Derzeit über 100 offene Stellen

„Bei der Beschäftigung im deutschen Stammhaus planen wir ein deutliches Wachstum. Wir haben derzeit über 100 offene Stellen - vor allem für hochkarätige Experten. Die wachsende Zahl der Beschäftigten sehen wir als Investition in eine langfristig erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Damit stärken wir unsere Kraft zu wachsen.“ 

Nicht nur das Akku-Sortiment wird mit neuen Produkten erweitert, wie die neue MSA 140 C-BQ für die Gartenarbeit oder das Kaminholz zeigt, die so leise sein sollen, dass sich die Nachbarschaft nicht gestört fühlt. Deutlich lauter ist die neue Profimotorsäge, die im Frühjahr auf den Markt kommt, die MS 462 C-M. Mit sechs Kilogramm gehört die in Waiblingen-Neustadt hergestellte Säge zu den leichtesten Hochleistungsmotorsägen ihrer Klasse.

Nicht bange ist der Stihl-Vorstandsriege vor der nicht ganz einfachen politischen Lage. So sieht Vertriebsvorstand Pick langfristig keine Auswirkungen des Brexits auf die Geschäfte in Großbritannien. Stihl halte an seinen Investitionen in diesem wichtigen Markt fest. Und auch der angekündigte Protektionismus des neuen US-Präsidenten Trump macht Kandziora wenig Sorgen. Stihl werde in den USA als amerikanisches Unternehmen angesehen, zumal 85 Prozent des US-Marktes von Virginia Beach versorgt werden. Ein Drittel der Produktion im US-Werk werde zudem in 30 Länder der Erde exportiert.

Stihl startet durch

  • Stihl setzt auf Start-up-Mentalität, um neue Ideen zu bekommen. Um digitale Projekte zu beschleunigen und innovative Geschäftsmodelle schneller zur Marktfähigkeit zu bringen, beteiligt sich Stihl an dem Programm Acitivatr der Stuttgarter Firma Pioniergeist. Dabei werden erfahrene Start-up-Gründer mit innovationsfreudigen Mitarbeitern etablierter Unternehmen zusammengebracht. Weitere Partner von Activatr (Internet: activatr.xyz) sind beispielsweise Bosch, Mahle, Porsche, die LBBW oder die EnBW.
  • Aus Activatr sollen innovative Ideen hervorgehen, die entweder bei Stihl verbleiben oder mit denen neue Start-ups als Beteiligungsunternehmen eigenständig am Markt agieren. Aktuell wird an einem Service für Landschaftsgärtner getüftelt oder an einem Sensor für Topfpflanzen, der verhindert, dass diese zu oft gegossen werden. Das Wichtigste an solchen Projekten sei, die Entwickler nicht gleich einzuengen und Freiräume zu geben, sagte der Vorstandsvorsitzende Bertram Kandziora.