Waiblingen

Stillstand auf umstrittener Baustelle

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© ZVW/Sebastian Striebich

Korb. Bauschutt, ein verlassener Bagger, ein zur Hälfte abgerissener Anbau: Seit beim umstrittenen Wohnbauprojekt an der Steinacher Straße im Winter die Baugrube ausgehoben wurde, tut sich dort nichts mehr. Auch weitere Baustellen in Korb stehen still. Gegen den ursprünglichen Bauträger ist ein Insolvenzverfahren eingeleitet, im Hintergrund streiten sich zwei ehemalige Partner – und die Käufer werden nervös.

Seit einiger Zeit sind in der Steinacher Straße Parkverbote eingerichtet, damit die Baustellenfahrzeuge ungehindert durchkommen. Doch seit im Januar ein Teil der Baugrube ausgehoben wurde (und sich die Anwohner in der Steinacher Straße über den vielen Dreck ärgerten), ist es sehr ruhig geworden auf der Baustelle. Ende Juni ließ der aktuelle Bauträger, die MIM Planen und Bauen GmbH, zwar das Fundament für den Baukran betonieren. Wann die Rohbauer tatsächlich anrücken, steht aber in den Sternen. Denn im Hintergrund gibt es einen undurchsichtigen Rechtsstreit, der die Stuttgarter Bauherren zur Untätigkeit verdammt. Wie ist es dazu gekommen?

Ursprünglich wollte der Korber Bauunternehmer Heinz-Jürgen Winkelhock als Geschäftsführer der WMC Objektbau GmbH das Projekt umsetzen. Winkelhock sagt heute, er habe die fälligen liquiden Mittel nicht aufbringen können – und das ganze Projekt deshalb an die MIM mit Sitz in Stuttgart abgetreten. Deren Geschäftsführer heißt Bernhard Meyer und hat seinen Wohnsitz in der Schweiz.

Widerspruch und Rechtsstreit verhindern, dass gebaut wird

Seit November 2018 steht die MIM als Eigentümer des Grundstücks im Grundbuch. Wirklich handlungsfähig ist sie beim Projekt Steinacher Straße 27-33 aber nicht. Dafür sorgt Bruno Kurath, der Geschäftsführer der WMC-Muttergesellschaft Imofin UB GmbH mit Sitz in der Schweiz. Er hat Winkelhock im Oktober 2018 per Gesellschafterbeschluss als Geschäftsführer abgesetzt, die Geschäftsführung der WMC übernommen und sein Veto gegen den Verkauf des Grundstücks an die MIM eingelegt. Nun steht ein Widerspruch im Grundbuch, der neben den Bauarbeiten auch verhindert, dass die Wohnungskäufer als Besitzer eingetragen werden können.

MIM-Chef Meyer und WMC-Chef Kurath sind ehemalige Geschäftspartner: Sie hatten die WMC vor einigen Jahren ins Leben gerufen und Winkelhock zum Geschäftsführer gemacht.

Der Widerspruch und ein Rechtsstreit zwischen den beiden Gesellschaftern in der Schweiz verhindert nun, dass in Korb gebaut wird. „Wir würden lieber heute als morgen mit dem Bauen beginnen“, sagt eine MIM-Mitarbeiterin, „wir stehen in den Startlöchern.“ Wann es losgeht, kann sie nicht vorhersagen. Mehrfach hat ihre Firma die Wohnungskäufer, die langsam nervös werden, schon vertröstet. Ein großes Schild am Bauzaun der Partner MIM und Volksbank Stuttgart wirbt für eine großzügige Tiefgarage, private Gärten und verkündet: 80 Prozent der Wohnungen sind verkauft.

Die Baustelle in der Steinacher Straße ist aber nicht die einzige, die stillsteht. Auch andere Korber WMC-Baustellen – in der Hanweiler Straße und in der Gottlob-Ernst-Straße – liegen brach. Der Grund: Die Banken drehten der WMC im vergangenen Jahr den Geldhahn zu – wegen des Rechtsstreits der Schweizer Gesellschafter, sagt Winkelhock. Der Korber meldete Insolvenz an, doch das Verfahren wurde vom Schweizer Gesellschafter Bruno Kurath abgewendet. Durch die Anzeige einer Krankenkasse, die ausbleibende Beiträge moniert, läuft nun aber erneut ein Insolvenzverfahren gegen die WMC, die mittlerweile ihre Postanschrift in Sindelfingen hat.

Vorläufiger Insolvenzverwalter: Ziel ist es, dass weitergebaut wird

Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Stuttgarter Rechtsanwalt Oliver Kirschnek. Er sagt, das Ziel des Verfahrens sei, dass es auf den Baustellen so bald wie möglich weitergeht. Er könne allerdings keine Prognose stellen, wann das Verfahren tatsächlich eröffnet wird. Möglichst bald, hoffen sie bei der Stuttgarter MIM. Dann könnte der Widerspruch aus dem Grundbuch genommen werden, der dem Baustart im Weg steht.

Bruno Kurath, der Schweizer Unternehmer und aktuelle WMC-Geschäftsführer, hat andere Pläne: Er arbeite an der „Bereinigung“ der Sache, habe zuletzt Ausstände bei der Krankenkasse beglichen. Kurath will die Insolvenz der WMC erneut abwenden und „das Grundstück zurücknehmen“. Und dann? „Es wird zu Ende gebaut werden. Auf der Kapitalseite sind wir so aufgestellt, dass das kein Problem ist“, sagt der Schweizer Unternehmer. Außerdem verfüge er im Raum Stuttgart über ein Umfeld, mit dem sich die begonnenen Projekte in Korb „vernünftig weiterführen“ ließen. Weil der Wechsel an der Spitze der WMC erst Ende Juni wirksam wurde, seien ihm lange die Hände gebunden gewesen – er wolle nun als Nächstes auf die Käufer der Wohnungen zugehen.

Die Anwohner der Steinacher Straße, denen die geplanten vier Häuser wegen der Erschließung über einen schmalen Stichweg sowieso ein Dorn im Auge sind (siehe Infokasten), blicken mit Interesse auf die ruhende Baustelle. „Du wirst von der Gemeinde oder dem Bauträger nicht informiert“, sagt Volker Schulte, Mitglied der Bürgerinitiative Steinacher Straße. „Klar, die haben Angst vor Negativwerbung.“


Steinacher Straße

28 Wohnungen in vier Häusern sollen zwischen Steinacher und Bachstraße entstehen.

Dagegen ist eine Interessengemeinschaft in der Steinacher Straße vergeblich Sturm gelaufen. Nicht, weil sie grundsätzlich gegen neue Wohnungen in Korb ist, sondern weil sie durch die Erschließung über ihre Straße und einen schmalen Stichweg ein Verkehrschaos befürchtet.