Waiblingen

Straße bleibt nach Heizölunfall gesperrt

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Über die gesamte Fahrbahn bis in die Kanalisation liefen Hunderte Liter Heizöl aus. © Benjamin Beytekin

Waiblingen-Bittenfeld. Rund 500 Liter Heizöl sind am Montagmorgen in der Schillerstraße aus einem Tanklastzug ausgelaufen – über die Fahrbahn in die Kanalisation. Zwar blieben umweltschädliche Verunreinigungen, wie die des Zipfelbachs, aus, ein großes Stück der Fahrbahn muss jedoch erneuert werden.

Noch ist nicht alles weg: Die Kanalisation bis zur Kläranlage Poppenweiler wurde am Dienstag nicht gereinigt. Das Amt für Umweltschutz gibt dafür die Witterung als Grund an. Laut einer Pressemitteilung des Landratsamts müssen Plusgrade herrschen, bei Temperaturen im Minusbereich friere das Säuberungsgerät des Kanalreinigungsfahrzeugs ein. Auf höhere Außentemperaturen zu warten, sei jedoch kein Problem, „weil der Verschmutzungsgrad an den Kanalwänden viel geringer ist als angenommen“. Auch die Kläranlage Poppenweiler sei nicht betroffen: Bislang seien keine Ölschlieren festgestellt worden.

Rutschgefahr auch bei geringen Ölmengen

Neben den Folgen für die Kanalisation zieht der Unfall außerdem Maßnahmen nach sich, die die Fahrbahn betreffen. Michael Seeger, Betriebsleiter der Stadtentwässerung Waiblingen, erklärt: „Das Öl sinkt in die Poren der Straße. Wenn es regnet, setzen sich die Poren mit Wasser voll – das Heizöl wird hinausgeschwemmt. Das ist ein Problem.“ Denn auch geringe Mengen des Öls können eine Rutschgefahr für Verkehrsteilnehmer sein. „Wir müssen für eine Mindestgriffigkeit der Straße sorgen.“ Da diese durch das Öl in den Poren des Straßenbelags nicht mehr gegeben war, machten sich am Montag Spezialfahrzeuge mit Hochdruckreinigern an die Arbeit. Doch auch nach dem sechsstündigen Einsatz mit 15 Durchgängen blieben Rückstände in der Fahrbahn zurück. Nun hilft nur eins: Der Straßenbelag muss weg.

Rund 500 Quadratmeter Straßenbelag werden abgefräst

Zwischen der Hochberger Straße und der Straße Am Zipfelbach ist die linke Spur in Richtung Rathaus Bittenfeld mindestens bis Freitag gesperrt. Der Verkehr auf der Schillerstraße wird über Baustellenampeln geregelt. Laut Seeger soll am kommenden Freitag die Fräse zum Einsatz kommen. Auf rund 500 Quadratmetern werden vier Zentimeter der oberen Fahrbahndecke abgefräst. Die verschmutzte Strecke ist ungefähr 70 Meter lang. Nachdem die Arbeiten beendet sind, sollen Autos die Strecke am Freitag wieder befahren können. Sobald die Temperaturen auf mehr als fünf Grad klettern, soll der Fahrbahnbelag erneuert werden.

4000 Liter verschmutztes Abwasser

Durch den Einsatz von Feuerwehr und Mitarbeitern der Stadtentwässerung Waiblingen konnte verhindert werden, dass das verschmutzte Wasser bis zur Kläranlage Poppenweiler fließt. Wäre das passiert, hätte der Schaden ein noch größeres Ausmaß angenommen. Birgit Schanz von der Stadtentwässerung Ludwigsburg, die für die Kläranlage in Poppenweiler zuständig ist, geht davon aus, dass keine gefährlichen Mengen an Öl in Poppenweiler ankommen. „Trotzdem gibt es jetzt 4000 Liter verschmutztes Abwasser“, sagt sie. Mit dieser Wassermasse fingen Feuerwehr und Kläranlagenmitarbeiter die 500 Liter Heizöl ab. Es könne dennoch sein, dass sich Rückstände im Kanal befinden. „Das kann auch für Mitarbeiter in der Kanalisation gesundheitsgefährdend sein“, sagt Schanz. Auch Dichtungen können angegriffen werden. „Im Kanal ist das schon schlecht, in der Kläranlage noch schlechter.“

Nähe zum Zipfelbach: „Da läuten alle Alarmglocken“

Michael Seeger erklärt: „In der Kläranlage zersetzen Bakterien Abfall- und Schmutzstoffe durch Sauerstoffzufuhr. Wäre das Heizöl in der Menge in die Anlage geflossen, wären die Bakterien innerhalb von Minuten gestorben – diese Konzentration hätten sie nicht überlebt.“

Das bedeutet: Der biologische Vorgang, mit dem die Anlage arbeitet, hätte nicht mehr funktioniert. Die Kläranlage hätte die Vorgaben für den Reinigungsgrad des Wassers nicht einhalten können – das Wassers wäre zu stark verschmutzt gewesen. Was das nach sich gezogen hätte, will sich Seeger gar nicht vorstellen, denn die Regeneration der Bakterien kann Wochen dauern. „Da läuten alle Alarmglocken“, beschrieb Michael Seeger seine erste Reaktion, als er von dem Vorfall hörte. Denn gerade die Nähe zum Zipfelbach machte den Unfall gefährlich. „Der Zipfelbach ist ein ökologisch wertiges Gewässer“, sagt Seeger. Wäre das Heizöl in den Fluss gelangt, hätte nicht nur der Verursacher – der dafür bestraft worden wäre – ein Problem gehabt. In dem Fluss leben Kleinkrebse und Fische. Sie wären verendet, ebenso wie die Vögel, die die Tierchen gefressen hätten.


Heizöl-Unfall

Ein Tanklaster verlor am Montagmorgen in Bittenfeld Heizöl, als der Fahrer es vom Anhänger in den Triebwagen umpumpen wollte. Die Feuerwehr stoppte den Ölstrom, stellte sicher, dass der Zipfelbach nicht verunreinigt wurde, und fing mit Hilfe von Kläranlagenmitarbeitern das verschmutzte Wasser ab. Danach folgte die Reinigung der Schillerstraße.