Waiblingen

Tagesmutter krank? In Waiblingen gibt es testweise eine Vertreterin - was Eltern wissen müssen

Kindertagespflege Krümelstube
Tagesmutter Claudia Langhammer mit zwei Kindern in der „Krümelstube“ in Bittenfeld. © ALEXANDRA PALMIZI

Wenn die eigene Tagesmutter krank oder im Urlaub ist, können Eltern aus Waiblingen und darüber hinaus ihre Kinder seit kurzem zu einer Vertretungs-Betreuerin in Bittenfeld bringen. Drei Tageselternvereine und das Jugendamt des Rems-Murr-Kreises testen das Vertretungsmodell seit Mai bis Ende dieses Jahres. Je nach Erfolg soll es künftig weitere Vertretungs-Tagespflegepersonen geben.

In Bittenfeld hat sich indes noch etwas anderes geändert: In der dortigen „Krümelstube“ betreut seit einigen Monaten die frischgebackene Tagesmutter Claudia Langhammer drei Kinder - sie ist es auch, die im Rahmen des Testprojekts als Vertreterin einspringt, wenn andere ausfallen.

Zwei Tagesmütter mit je drei Kindern - plus ein freier Platz für Notfälle

Bei der „Krümelstube“ handelt es sich um einen von vier sogenannten „Tigern“ („Tagespflege in anderen geeigneten Räumen“). In einer Wohnung in der Leintelstraße, die die Eigentümer zuvor einem Angehörigen und dann, aufgrund eines Zeitungsgesuchs, dem Tageselternverein Waiblingen zur Verfügung gestellt haben, kümmern sich Claudia Langhammer und Olha Hene um sechs Kinder. Damit sind alle regulären Plätze belegt - hinzu kann im Notfall aber eben ein siebtes Kind kommen, dessen übliche Tagespflegeperson erkrankt, verreist oder sonstwie verhindert ist.

Sechs Vertretungen seit Start des Versuchs

Seit Beginn des Projekts im Mai waren sechsmal Kinder vertretungsweise in Bittenfeld, so Gisela Stecher, Vorsitzende des Tageselternvereins Waiblingen. In Anspruch nehmen können das Eltern, deren Kinder über die Tageselternvereine Waiblingen (inklusive Weinstadt und Korb), Fellbach/Kernen oder Winnenden bei einer Pflegeperson im Kreis untergekommen und nicht älter als drei Jahre alt sind.

Auch eine kurzfristige Anmeldung zur Vertretung soll möglich sein, so die Macher vom Tageselternverein und dem Jugendamt. Allerdings müssen die Kinder vorab zunächst mit ihren Eltern zum Kennenlernen vorbeikommen, und zwar zweimal für je zweieinhalb Stunden. Ist das im Krankheitsfall überhaupt machbar? Es kommt darauf an, so Gisela Stecher. Fällt die eigentliche Tagesmutter nur zwei Tage aus, lohne sich der Aufwand wohl eher nicht. Die Vertretungskraft Claudia Langhammer sei aber „sehr flexibel“.

Und auch die Eltern hätten bislang gezeigt, dass sie das kurze Eingewöhnen durchaus möglich machen könnten. Eine Mutter habe beispielsweise ihre beruflichen Dienste verschoben, damit ihr Kind am Montag und Dienstag die zwei Kontakttermine absolvieren konnte - für den Rest der Woche war es dann im Vertretungs-„Tiger“. Auch Kennenlerntreffen am Wochenende habe es schon gegeben. Nach dem ersten Mal soll es bei einem zweiten Vertretungsfall ohne erneute Kurz-Eingewöhnung möglich sein. Das alles wird aktuell getestet, am Ende des Jahres soll dann evaluiert werden.

Hoffen auf Ausweitung des Vertretungsmodells

Gisela Stecher wünscht sich, dass es auch 2022 Vertretungsangebote gibt. Das hänge von verschiedenen Akteuren ab, neben dem Kreisjugendamt auch von der Stadt Waiblingen: Sie habe zugestimmt, dass der in Bittenfeld vorgehaltene Notfallplatz aus der Gesamtbedarfsplanung herausfällt. Dafür sei man sehr dankbar, so Gisela Stecher. Die Betriebskosten für diesen Platz teilen sich bis Jahresende die drei Tageselternvereine. Die Kreisverwaltung kann aktuell noch nicht sagen, ob und wie es weitergeht, da die Zeitspanne für eine Beurteilung noch zu kurz ist. Aber: „Die ersten Rückmeldungen zu diesem Modellversuch sind positiv“, so Sonja Haug, Teamleitung Fachdienst Kindertagesbetreuung, im Jugendamt. Bewährt sich das Modell, werde es ausgeweitet.

Weitere Tagesmütter (und -väter!) werden dringend gebraucht

Bedarf gibt es indes nicht nur an Vertretungslösungen, sondern generell an mehr Kinderbetreuungsplätzen. Fast 1100 Kinder werden im Kreis von Tageseltern betreut, darunter 68 Kinder aus der Stadt Waiblingen. 56 Kinder stehen momentan auf der Warteliste des Tageselternvereins Waiblingen für den Zeitraum bis April 2022. 26 davon sind aus der Stadt. Die vier „Tiger“ mit ihren acht Tagesmüttern und die 22 weiteren Tagespflegepersonen haben gut zu tun (in Waiblingen ist übrigens nur ein einziger der 30 ein Mann, zwei weitere Tagesväter gibt es in Weinstadt und Korb; im ganzen Kreis sind 16 Männer unter den 346 Tageseltern).

Tageseltern: "Bedarf besteht immer"

Das Landratsamt sucht weitere Pflegepersonen. Für ihre Qualifizierung müssen die Neuen nichts bezahlen. „Ein Bedarf besteht immer, da die Kinderzahlen stetig zunehmen, frühe Bildung und Betreuung immer wichtiger werden, wie auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so Sonja Haug vom Jugendamt.

Da natürlich auch erfahrene Tagesmütter irgendwann in Rente gehen oder aus anderen Gründen aufhören, braucht allein Waiblingen sechs bis acht neue Pflegepersonen pro Jahr, rechnet Gisela Stecher.

Eltern rät sie, früh mit der Suche nach einem Platz anzufangen. Sie weiß, dass die meisten ein halbes Jahr bis Dreivierteljahr im Voraus damit beginnen. Manchmal sei auch kurzfristig was möglich, aber das sei „Puzzlearbeit“.

Corona-Infektionen unter Tagespflegepersonen im Rems-Murr-Kreis

Und dann ist da ja auch noch die Pandemie: Acht Tagespflegepersonen waren mit Corona infiziert, sieben weitere mussten laut Landratsamt bislang in Quarantäne. Knapp fünf Prozent der Tagesmütter und -väter im Kreis sind demnach zumindest vorübergehend wegen Corona ausgefallen.

Wenn die eigene Tagesmutter krank oder im Urlaub ist, können Eltern aus Waiblingen und darüber hinaus ihre Kinder seit kurzem zu einer Vertretungs-Betreuerin in Bittenfeld bringen. Drei Tageselternvereine und das Jugendamt des Rems-Murr-Kreises testen das Vertretungsmodell seit Mai bis Ende dieses Jahres. Je nach Erfolg soll es künftig weitere Vertretungs-Tagespflegepersonen geben.

In Bittenfeld hat sich indes noch etwas anderes geändert: In der dortigen „Krümelstube“ betreut seit

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