Waiblingen

Tamaris und Street One bleiben geschlossen

Tamaris StreetOne
Geschäfte in Waiblingen, die auch nach der Krise geschlossen bleiben. © Gabriel Habermann

Als der Einzelhandel am 20. April wieder öffnen durfte, waren nicht alle Geschäfte in der Waiblinger Altstadt dabei. Tamaris und Street One blieben geschlossen. Inzwischen ist klar: Das dahinterstehende Unternehmen Schuh Schneider in Reutlingen hat Insolvenz beantragt. Von der Schließung sind elf Filialen im Raum Stuttgart/Reutlingen betroffen – darunter auch ein weiteres Geschäft in Waiblingen.

Wiedereröffnung kam zu spät

„Die Wiedereröffnung am 20. April kam zu spät“, sagt Rechtsanwalt Michael Riegger, der vorläufige Insolvenzverwalter von Schuh Schneider. Am 30. März wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, alle Arbeitsverträge wurden gekündigt. Ziel sei es nun, für die Filialen Interessenten zu finden. Vermutlich würden nicht alle Filialen wiedereröffnen können, sagt Michael Riegger. Für etliche Filialen gebe es Interessenten. Ob darunter die Geschäfte in Waiblingen sind, ist ungewiss. „Ich kann nichts zu den Chancen sagen“, erklärt Riegger. An Ostern sei das Verfahren angelaufen, 14 Tage später hätten die ersten Interessenten angefragt. „Jetzt sind wir in der heißen Phase.“

Fest steht: Die Schließung kam nicht unerwartet. Zum 1. Januar 2019 hatte der Besigheimer Steffen Marsik das Traditionsunternehmen in Reutlingen übernommen. „Damals steckte ein wahnsinniges Potenzial drin“, erklärt der Geschäftsführer, verweist aber auf „Fehlentscheidungen seiner Vorgänger“ die letzten Endes zur Insolvenz geführt hätten. „Wir hatten ein Konzept, wie wir Schuh Schneider auf Vordermann bringen wollten“, erklärt der 51-Jährige. Schon damals sei klar gewesen, dass einige Filialen geschlossen werden sollen.

Mietvertrag für City Shoes läuft Ende des Jahres aus

Zu den Filialen, die aus Sicht Marsiks keine Chance hatten, gehört City Shoes am Alten Postplatz. Der Schuhladen vertreibt seit einiger Zeit auch Damenmode, die derzeit zum halben Preis verkauft wird. Die Ausflüge in den Textilbereich hätten auch zu den Fehlern seiner Vorgänger gehört, sagt Marsik. Zum Jahresende sei der Mietvertrag unabhängig von der Coronakrise gekündigt worden.

Noch aber läuft der Laden am Alten Postplatz, in dem Marsik möglicherweise auch seine Tamaris- und Street-One-Bestände an die Frau bringen will. Seine Ware kaufe er als Einzelhändler auf eigenes Risiko von den Herstellern. High Heels und Sneakers, Jeans und Sommerkleider liegen in den unausgeräumten Filialen in der Langen Straße, weil noch Rechnungen offen sind. „Das ist ein normaler Vorgang“, betont Marsik. Mit Street One sei er in Verhandlungen, zudem sei er guter Dinge, für die Street-One-Filiale einen Investor finden. Nicht ungewöhnlich ist das Verkaufsverbot auch nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Riegger: Lieferanten hätten auch die Möglichkeit, ihre Waren zurückzunehmen. Ware, die nicht verkauft werden darf, werde von der bezahlten Ware deshalb getrennt.

Auch wenn Corona nicht der Grund für die Insolvenz war: Geschadet hat das Virus Steffen Marsik auf jeden Fall. Auch mit nur einem Teil seiner Bestände wäre ein Räumungsverkauf möglich gewesen – nicht aber in Zeiten von Corona. Kunden, die massenweise zwischen den Regalen stehen und die besten Schnäppchen rausfischen, das sind Bilder, die in Zeiten von Abstandsgeboten undenkbar sind. Eine Person pro 20 Quadratmeter sei erlaubt, erklärt Marsik, Warteschlangen auf der Straße seien tabu. „Die Folge wäre, dass mir der Laden von der Stadt geschlossen wird.“

Die Suche nach Investoren in Zeiten von Corona

Corona-Probleme anderer Art zeigten sich bei der Abwicklung des Insolvenzantrags. Banken, Gerichte, Lieferanten hätten im Home-Office gearbeitet und seien schwer zu erreichen gewesen, berichtet der vorläufige Insolvenzverwalter Riegger. Investoren wiederum hätten und haben das Problem, ihre Finanzen nicht klarzubekommen: „Durch die Kontaktsperre werden Kommunikationswege nicht einfacher.“

Wie es weitergeht, ist ungewiss. Geöffnet sind nach Angaben Marsiks im Moment außer City Shoes in Waiblingen das Stammhaus in Reutlingen und Tamaris in Stuttgart. „In diesen drei Filialen können wir den Geschäftsbetrieb garantieren“, erklärt der Geschäftsführer. Die Läden seien groß genug, um eine gewisse Anzahl von Kunden einlassen zu können. Noch hoffen Insolvenzverwalter und Geschäftsführer darauf, einige Filialen retten zu können. Und das wünscht sich auch Oberbürgermeister Andreas Hesky. „Eine bedauerliche Angelegenheit zur falschen Zeit“, ist für den Stadtchef die Insolvenz. Waiblingen könnte sie auf einen Schlag drei Leerstände bescheren. „Vielleicht geht es für die Läden doch noch gut aus“, hofft Hesky. Schuhgeschäfte seien wichtig für die Innenstadt. Die fehlende Laufkundschaft treffe die ganze Stadt.

Als der Einzelhandel am 20. April wieder öffnen durfte, waren nicht alle Geschäfte in der Waiblinger Altstadt dabei. Tamaris und Street One blieben geschlossen. Inzwischen ist klar: Das dahinterstehende Unternehmen Schuh Schneider in Reutlingen hat Insolvenz beantragt. Von der Schließung sind elf Filialen im Raum Stuttgart/Reutlingen betroffen – darunter auch ein weiteres Geschäft in Waiblingen.

Wiedereröffnung kam zu spät

„Die Wiedereröffnung am 20. April kam zu spät“, sagt

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